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10 Fragen im Interview: Hebamme

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1. Was macht man eigentlich als Hebamme?

 
Als Hebamme kümmert man sich natürlich hauptsächlich um Frauen während der Schwangerschaft, unter der Geburt und im Wochenbett. Außerdem hat man auch immer einen Überblick über das Neugeborene. Die Hebammenbetreuung kann auf Wunsch der Frau schon ab positiven Schwangerschaftstest in Anspruch genommen werden. Die Frauen haben die Wahl, die Schwangerschaftsvorsorge einzig und allein von der Hebamme durchführen zu lassen (denn bis auf die Ultraschalluntersuchungen steht die reine Hebammenbetreuung der eines Gynäkologen in nichts nach) oder aber eine Kombination aus ärztlicher Vorsorge und Hebammenvorsorge zu wählen. Die meisten Frauen entscheiden sich für letzteres und das ist auch völlig in Ordnung so. Als Hebamme überwacht man den Schwangerschaftsverlauf, hilft bei Schwangerschaftsbeschwerden und hat in verschiedensten Themen eine beratende Funktion. Die Begleitung und Betreuung der Geburt ist das Hauptaugenmerk der Hebammentätigkeit. Je nachdem, wo man als Hebamme arbeitet, begleitet man die Frauen im Krankenhaus, im Geburtshaus oder Zuhause. Man überwacht stetig den Geburtsverlauf, stellt sicher, dass es Mutter und Kind gut geht und ergreift bei eventuell auftretenden Komplikationen schnell Maßnahmen.
Die Betreuung im Wochenbett ist sehr individuell und kommt auch immer darauf an, welchen "Hebammenbedarf" die Frau hat. In den ersten Tagen nach der Geburt kommen viele Hebammen täglich oder zumindest alle 2 Tage um die Wundheilungs- und Rückbildungsprozesse der Frau zu überwachen, aber auch, um das Neugeborene stets im Blick zu haben. Man hilft beim Stillen/Füttern, überprüft die kindliche Gewichtszunahme, hilft bei der Nabelpflege, beim ersten Baden, usw... 
Die Aufgabenbereiche einer Hebamme sind vielfältig, sie lassen sich schwer in einigen Worten zusammen fassen. Man begleitet Frauen/Familien während einer ganz besonderen, sehr privaten und intimen Zeit, um ihnen und ihren Neuankömmlingen zu einer möglichst unbeschwerte Schwangerschaft und einem guten Start ins Leben zu verhelfen.
 

2. Was ist das Beste an deinem Job?

 
Was das Beste ist, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich liebe die Vielfältigkeit, die mein Beruf mit sich bringt. Jedes Paar, jede Frau, jedes Kind ist anders. Jede Geburt ist auf ihre eigene Weise zauberhaft und es ist sehr schön, an diesem Wunder teilhaben zu dürfen. 
Viele Menschen denken, dass die Geburten das Beste und Schönste am Hebammenberuf sind, und das mag es für viele Hebammen auch sein. Für mich zählt aber das "Große Ganze". Sowohl die Schwangerschaft, als auch die Geburt und die ersten Wochen danach als Hebamme begleiten zu dürfen, dabei mit so viele verschiedenen Menschen zu arbeiten und die Individualität einer jeden Familie kennen zu lernen ist für mich etwas ganz besonderes. Es wird einfach nie langweilig.
 

3. Was magst du gar nicht?

 
Hmm, gute Frage. Ich mag es nicht, alleine Patientenbetten durch die engen Krankenhausflure zu schieben, denn dabei stoß ich immer überall gegen.... Spaß beiseite, ich kann gar nicht so genau sagen, was ich nicht mag. Natürlich gibt es auch immer mal wieder Dinge bei der Arbeit, die ich nicht mag, aber dass ist völlig unterschiedlich und situationsabhängig, kann ich also pauschal nicht sagen.
 

4. Was würdest du dir wünschen, dass die Eltern besser machen?

 
Ich finde, alle Eltern sind gut so, wie sie sind, eben auf ihre eigene persönliche Art und Weise. Allerdings fällt mir oft auf, dass viele Eltern in Hinblick auf die Geburt oder auch auf die erste Zeit mit Baby verunsichert sind, weil sie von den Schwiegereltern, von Freunden/Bekannten, aus einem Erziehungsratgeber (usw.) vermeintlich gute Tipps, Vorgaben, Ratschläge und Empfehlungen bekommen. Natürlich meint das Umfeld es nur gut, allerdings kann diese Vielzahl an verschiedenen Meinungen gerade in so einer empfindlichen und (noch) unbekannten Zeit manchmal eher ins Gegenteil ausschlagen. Daher würde ich mir wünschen, dass viele Eltern viel mehr auf ihr Bauchgefühl hören. Natürlich kann man die Ratschläge und Tipps seines Umfelds anhören und annehmen, denn viele können wirklich hilfreich sein. Ich finde nur, als Elternpaar sollte man sich seine eigene Meinung bilden, an seinen eigenen Erfahrungen reicher werden und auch mal aus eigenen Fehlern lernen. Man sollte Vertrauen in sich selber haben, sowohl als Mutter, sowie auch als Vater. Man wächst mit seinen Aufgaben.
 

5. Hast du Tipps zur Geburt und der ersten Zeit als Familie?

 
Auf jeden Fall sollte man sich im Vorfeld schon einmal Gedanken darüber gemacht haben, wie man sich die Geburt (und auch das Wochenbett) im besten Falle vorstellt. Das diese Vorstellungen oftmals von der Realität abweichen, liegt leider nicht immer in unserer Hand, aber es ist trotzdem gut zu wissen, was man möchte und was nicht. Ich finde es auch hilfreich, wenn man gut informiert ist (z.B. durch den Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses), damit man zumindest eine kleine Vorstellung davon hat, was auf einen zu kommt. Wichtig ist, dass negative Gedanken, Ängste und Zweifel im Vorfeld so gut es geht aus dem Weg geräumt werden, dafür bieten sich zum Beispiel ausführliche Gespräche mit der Hebamme an. Man sollte der Geburt und der ersten Zeit als Familie offen entgegentreten. 
 

6. Was hast du schon 100x gesagt und würdest es hier gern noch mal los werden?

 
Viele Frauen trauen sich nicht, ihre tatsächlichen Wünsche zu äußern, aus Angst vor den Reaktionen ihres Umfelds. Um mal ein Beispiel zu nennen, gibt es Frauen die während der Geburt gerne eine PDA haben wollen, sich aber nicht trauen, diesen Wunsch zu äußern, da sie Angst haben, als schwach zu gelten. Sie haben das Gefühl zu versagen. Diese Situation habe ich schon ganz oft im Kreißsaal erlebt. Für viele Frauen, die sich schon über mehrere Stunden tapfer und stark durch die Geburt ihrer Kinder kämpfen, ist eine PDA ein Segen, und in keinster Weise ein Zeichen für Schwäche. Eine Geburt ist wahnsinnig anstrengend und manchmal auch wahnsinnig langwierig, wenn man am Ende seiner Kräfte ist, können Schmerzmittel (auch andere, nicht nur die PDA) eine gute Wahl sein, um der Frau wieder "ein bisschen Luft zum Atmen" verschaffen zu können. Das ist keine Schande. Gleiches gilt für Frauen, die nicht stillen wollen, oder andere Wünsche haben. Ich akzeptiere die Wünsche einer jeden Frau, denn sie allein ist diejenige, die die Entscheidung trägt. Niemand sonst, hat das Recht darüber zu urteilen. Was ich damit sagen will: Die Meinung anderer Leute ist völlig unwichtig, solange die Frau sich mit ihren Entscheidungen wohl fühlt.
 

7. Warum gerade dieser Job?

 
Seit meinem 10. Lebensjahr wollte ich Hebamme werden, mich hat dieser Beruf schon immer fasziniert. Die ganze Thematik rund um die Entstehung eines Menschen, die Schwangerschaft, die Geburt und die Neugeborenenzeit hat mich schon immer in ihren Bann gezogen und ich bin unglaublich stolz darauf, daran teilhaben zu dürfen. Ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen.
 

8. Was machen in deinen Augen viele Eltern falsch?

 
Spontan fällt mir dazu ehrlich gesagt gar nichts ein. Ich finde, alle Eltern sollten einen Weg für sich finden, so wie sie ihn für richtig halten. Meine persönliche Meinung spielt dabei keine Rolle.
 

9. Kannst du daheim gut abschalten?

 
Ja, ich kann sehr gut zuhause abschalten. Sobald ich im Auto sitze und auf dem Heimweg bin, verlasse ich mit jedem Kilometer den ich fahre, gedanklich auch die Arbeit. Wenn ich Zuhause bin, bin ich Ich. Mutter und Ehefrau. Ich kümmere mich um meine Familie, erledige den Haushalt und mache Sachen, die mir gut tun. Dabei denke ich selten an die Arbeit. Wenn ich bei der Arbeit etwas erlebt habe, was einem auch als Hebamme nie leicht fällt (z.B. die Begleitung einer Totgeburt, ein krankes Neugeborenes, schwere Komplikationen bei der Mutter), muss ich natürlich auch Zuhause erst einmal alles Sacken lassen. Manchmal hilft es auch, mit Kolleginnen über die Erlebnisse zu sprechen. Es ist wichtig, Arbeit und Privatleben voneinander zu trennen, denn sonst können manche Erlebnisse ziemlich belastend sein. Man muss hier einfach eine gewisse Distanz gegenüber den eigenen Empfindungen aufbauen und Abstand wahren, eben viele Dinge nicht zu nah an sich ranlassen. Das bedeutet nicht, dass man als Hebamme nicht mitfühlt, denn das tun wir immer, in jeglicher Hinsicht. Ob mit Freude, oder Trauer.
 

10. Wie lässt sich dein Beruf mit dem Familienleben vereinbaren?

 
In meinem Fall ist es schon ziemlich schwierig, da meine Tochter noch relativ klein ist und ihre Kindergartenzeiten sich in keinster Weise mit meinen Arbeitszeiten decken. Daher klappt es bei uns nur, weil mein Mann Gleitzeit hat, also morgens flexibel zur Arbeit fahren kann. Außerdem haben wir sehr viel Unterstützung von der Oma, ohne die wahrscheinlich gar nichts klappen würde. Wenn ich am Wochenende arbeiten muss, ist das natürlich immer etwas bedauerlich. Mein Mann und meine Tochter unternehmen viel ohne mich, was sehr schade ist. Allerdings habe ich durch die Wochenenddienste auch oft unter der Woche frei, sodass ich die Zeit mit meiner Tochter ganz in Ruhe nachholen kann. Letztendlich muss man schon so ehrlich sein und sagen, dass der Hebammenberuf sehr schwer vereinbar ist mit einem eigenen Familienleben. Nichts desto trotz ist es nicht unmöglich, solange man gut plant und organisiert. Ich arbeite Vollzeit im Schichtdienst, natürlich haben andere Frauen mehr von ihren Kindern und Ehemännern, allerdings habe ich nicht das Gefühl, zu viel zu verpassen. Die Zeit, die ich Zuhause mit meiner Familie verbringe, genieße ich in vollsten Zügen.
 
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