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Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

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Glück und Angst waren meine ständigen Begleiter...

 

Eigentlich hatte ich die ganze Schwangerschaft Angst um dich, denn wir hatten so lange auf dich gewartet und eigentlich schon aufgegeben, nach deinem großen Bruder ein zweites Wunder erleben zu dürfen.

 

Als es nun am 1.2.2018 soweit war und wir zum geplanten Kaiserschnitt ins Krankenhaus kamen, ging alles drunter und drüber; die Hebamme wusste gar nicht, dass wir kommen und fragte, weshalb wir schon da wären. Bei unserem Anruf einen Tag zuvor wurde uns gesagt, deine Geburt wäre der erste Kaiserschnitt an diesem Tag. Wir wurden vertröstet und sollten uns im Café aufhalten...

 

Erfüllt von Angst entschied Papa, vor dem OP auf uns zu warten - meine Gefühle fuhren Achterbahn! Ich war so unbeschreiblich aufgeregt und da war sie dann auch wieder ... meine Angst!

Deine heutige Patentante kam herbeigeeilt und schaffte es gerade noch rechtzeitig, sodass sie mich ab der OP-Vorbereitung begleiten konnte.

 

Dann ging es los - auf zum OP. Unter Tränen öffnete sich die Tür und ich musste Papas Hand loslassen. Mein Herz raste! Nach der Einleitung der Rückenmarksbetäubung durfte dann deine Tante, die zuvor noch etwas in einem gesonderten Raum warten musste, wieder zu mir. Meine Hand ganz fest in ihrer fingen die Ärzte an ... hinter dem blauen OP-Tuch ruckelte es an mir - die ganzen Geräusche machten mir solche Angst! Dazu die Gefühle, die sowieso schon Achterbahn fuhren. Wird alles gut? Bist du gesund? Wir wirst du wohl aussehen?

 

Dann, um 10.35 Uhr erklang ein kurzer, schwacher Schrei - dein Schrei! Ich war so benebelt von einer ganzen Menge Medikamente, aber ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmt! Ich war so glücklich auf der einen Seite - ENDLICH ! Mein Baby. Ich hab vor Glück geweint - so tut es denke ich jede Mutter - ein unbeschreibliches Gefühl.Die Tränen des Glücks wird schnell durch Tränen der Angst abgelöst! Die Hebamme zeigte dich kurz, dann nahm sie dich mit - eine Menge Ärzte kamen sofort angerannt, ebenso Schwestern und Hebammen. ICH bekam nur eine Karte mit einem Foto von dir!

 

Was war los? 

 

Die Ärztin sagte, du hast Probleme beim Atmen - sie müsste dich nun mitnehmen auf Station, dort wirst du beobachtet. Während ich noch auf dem OP-Tisch lag, wurdest du von mir in einem riesigen Wärmebett weggefahren. Papa, der ohne jegliche Ahnung, was zuvor geschah, erwartungsvoll vor der Tür wartete, wurde von dieser Situation überrascht - er lief dem Bettchen einfach nur hinterher und wollte bei dir sein. Als die OP beendet war, wurde ich wieder in den Kreißsaal gebracht - ohne mein Baby, nur mit einem Bild von dir! Keiner konnte mir sagen, was nun los ist. Siehe da... da war sie wieder, die Angst! Später dann durfte ich endlich zu dir und du durftest sogar zu mir. Du wurdest mir auf die Brust gelegt, fast nackig - diese kleinen Finger und Zehen, die kleine Nase, die weiche, schrumpelige Haut - so wunderschön!! 

 

Ich weinte und weinte und weinte... eine Mischung aus Glück und Angst.

 

Später zeigte sich, dass du starke Bauchschmerzen hast- eine Untersuchung durch eine Kinderärztin bestätigt ... dein Darm ist verschlossen! Einen Wimpernschlag später lagst du, angeschlossen an Monitoren, auf der Intensivstation! Die Ärzte müssen dich operieren - JETZT! WAS? Operieren? Mein Baby? Ich fragte mich immer wieder, warum ausgerechnet uns so was passieren musste-wieso musste ausgerechnet dein Start ins Leben so "bescheiden" verlaufen? Wir mussten dich den Ärzten überlassen, wir durften dich noch kurz knuddeln und dann, ca. 30 Minuten später, wurdest du, bereits künstlich beatmet, an uns vorbei zum OP gefahren. 

 

2 Stunden sollte alles dauern. 2 Stunden, die unerträglich werden würden. Das wusste ich! Aus 2 Stunden wurden 4. Hallo Angst, Schlaf ruhig noch heftiger zu... Zurück aus dem OP auf der Intensivstation... Da lagst du nun in deinem Intensiv-Bettchen. Immer noch künstlich beatmet; um dich herum piepte alles Mögliche, über einen Monitor wurdest du überwacht. Ich habe gezittert vor Angst! Aber ich wollte einfach nur bei dir sein! Die Schmerzen, die ich wegen des Kaiserschnittes hatte, waren absolut nebensächlich. Die Tränen liefen mir nur so aus den Augen - beruhigen konnte ich mich nicht! Mein Baby ... so hilflos und vollkommen ausgeliefert - mit einem künstlichen Darmausgang! Künstlicher Darmausgang? Wie bitte? Bleibt der nun für immer? Wie soll ich das schaffen? Normalerweise wechselt man einem Baby die Windel und nun war da dieser Beutel an deinem Bauch...Die Schwestern erklärten mir, dass sie mir in den nächsten Tagen die Pflege des Darmausgangs und den Wechsel der Beutel zeigen würden - ich solle keine Angst haben.

 

Keine Angst? Hallo! "Die haben leicht Reden" dachte ich. Mein Baby, gerade ein Paar Stunden alt, liegt im Tiefschlaf und künstlich beatmet mit einem künstlichen Darmausgang und einer Sonde in der Nase auf einer Intensivstation und nicht in einem Bettchen bei mir auf dem Zimmer - so wie es sein sollte. Ich konnte nicht kuscheln! Mein Baby wurde mir in einer unerklärlichen Art durch die ganzen Geräte und Zugänge in seinem Körper fremd! Ich hatte Angst, dich zu berühren, denn das alles machte dich so zerbrechlich für mich!

 

Der Tag deiner Geburt wird mir ein Leben lang in zweierlei Hinsicht in Erinnerung bleiben. Und auch, wenn mittlerweile der Darmausgang wieder weg ist... diese kleinen Narben an deinem süßen, dicken Bäuchlein werden mich immer wieder an all das erinnern, was ich sah!

 

Und auch, wenn Glück durch Angst abgelöst wurde... Deine Geburt war einer der schönsten Tage in meinem Leben !

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10 Mütter im Interview - 3 Dinge ohne die Mutter sein eine Katastrophe wäre


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„Also zunächst einmal denkt wahrscheinlich jeder anders, aber am Wichtigsten ist für mich den richtigen Partner an der Seite zu haben. Mein Mann hat mich schon während der Kinderwunschzeit so wahnsinnig unterstützt, dass ich immer weitergemacht habe und jetzt mit unserem kleinen Mann hilft er mir auch immer, das beruhigt mich und macht mich stolz und glücklich. Dann denke ich kann ich mich glücklich schätzen so eine wahnsinnig tolle Familie und Schwiegerfamilie zu haben. Alle sind so verrückt nach dem Kleinen und das fühlt sich toll an. Und was mir auch niemand mehr nehmen darf sind mein Staubsauger und der Thermomix... macht beides das Leben mit einem Kind einfacher.“ (Anne W.)

 

„Kaffee, Schokolade, Yoga.“ (Susanne B.)

 

“Kalender, Concealer für die Augenringe, Handtasche gefüllt mit Spielzeug fürs Baby.“ (Victoria M.)

 

„Morgens Kaffee, Mittagsschlaf, Kuschelzeit.“ (Seyda A.)

 

„Das erste wäre Google, es gibt einfach so viele Dinge wo man nicht weiterweiß, da kann man alles schnell nachschauen und merkt, puh alles in Ordnung, es geht vielen Eltern so. Dann der Fernseher, gibt bestimmt einige die das nicht hören wollen, aber das ist die beste Unterhaltung, wenn das Baby Stunden am Stück gestillt werden will. Und natürlich Kaffee um wach zu bleiben bei kurzen Nächten und anstrengenden Tagen.“ (Julia B.)

 

„Familie, Familie, Familie.  Das wichtigste was man als frischgebackene Mutter brauch ist die Familie, da ist alles Materielles Verzichtbar.“ (Janine B.)

 

„Mutter sein ohne Papa.... ich habe Hochachtung vor Müttern, die das alleine machen, ohne den Papa. Mütter sein ohne Kindergarten wäre auch echt doof und natürlich gehören die Großeltern zum Mama sein einfach dazu. Man hat immer einmal eine Frage und die eigene Mutter steht mit Rat und Tat zur Seite.“ (Marie G.)

 

„Geduld, Zeitmanagement und Kaffee.“ (Verena K.)

 

„Wickeltasche mit allen nützlichen Sachen (Windeln, Wechselklamotten,), genug Babynahrung (vor allem an Wochenenden) und ein gutes Buch als Ratgeber (für ganz brenzlige Situationen).“ (Emine A.)

 

„Kaffee, Feuchttücher und meine geliebte Nähmaschine zum runterkommen und abschalten." (Anja Z.)

 

 

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10 Tipps zur Kommunion

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1. Kerze

Zu jeder Kommunion gehört eine Erstkommunionskerze. Diese wird schön verziert und begleitet euch auf eurem Weg. Im Vorbereitungsunterricht bereitet ihr diese oft vor.

 

2. Kleidung

Natürlich ist die Kleidung sehr wichtig. Ihr solltet festliche Kleidung tragen und sie sollte zum Anlass und zur Kirche passen.

 

3. Alter

Meistens empfängt man die Kommunion im selben Alter  aber falls man sich doch mal zu jung fühlen sollte oder tatsächlich noch 1-2 Jahre zu jungt ist, wartet lieber und wenn ihr euch bereit fühlt dann macht ihr diesen Schritt.

 

4. Geistliche Vorbereitung

Es ist immer gut, sich auf diesen großen Tag vorzubereiten, noch besser ist es wenn man sich wie oft auch vorgesehen in den Gruppen mit Glaubensinhalten vertraut macht.

 

5. Vorbereitung der Feier

Nicht ganz unwichtig ist auch die Feier nach der Kirche. Ihr solltet euch gut entscheiden und vorbereiten was ihr dann machen wollt, damit ihr diesen Tag nie wieder vergesst.

 

6. Gäste

Überlegt euch gut, wen ihr einladen wollt. Es bietet sich an Freunde, enge bekannte und Verwandte einzuladen, die euch nahestehen und die auch an Gott glauben und verstehen warum ihr diesen Schritt gegangen seid.

 

7. Geschenke

Natürlich gibt es auch einige Geschenke. Aber ihr habt die Kommunion wegen des Glauben empfangen daher seid dankbar über Kleinigkeiten und über Dinge, die etwas mit Religion zu tun haben.

 

8. Das Essen

Auch die Frage was man essen soll, was man kochen soll oder doch in welches Restaurant man gehen soll und welche Küche es dort gibt, ist wichtig. Denn bei vielen Gästen sollte jeder mit dem Essen zufrieden sein.

 

9. Dekoration

Die perfekte Dekoration ist für das gesamte Ambiente verantwortlich und kann den schönen Tag noch besonderer machen. Die richtige Deko schafft eine festliche Atmosphäre. Ihr könnt bei der Dekoration auch auf das Motto des Gottesdienstes zurückgreifen.

 

10. Fotografieren

Man sollte es vermeiden während der Kirche Bilder zu schießen um den Gottesdienst nicht zu stören. Aber im Anschluss darf und soll auch viel fotografiert werden, damit der Tag für immer in Erinnerung bleibt. Gerade weil auch viele von weit weg gekommen sind.

 

 

 

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Geburtsbericht - Montagsblogserie

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Mein Geburtsbericht beginnt tatsächlich 12 Stunden vor der Geburt.

 

Es ist Mittwoch der 21.02.2018. Ein Tag vor dem errechneten Geburtstermin. Heute habe ich einen Termin beim Frauenarzt und frage mich, wie oft ich wohl noch mit großer Kugel hier auftauchen werde. Kaum am CTG angeschlossen, schlägt der Kleine nochmal Purzelbäume und genießt wohl nochmal die letzten Stunden in Mamas Bauch. Der Ärztin gefiel das allerdings gar nicht. Der Kleine ist zu aktiv und wir sollten das nochmal im Krankenhaus checken lassen.

Also sind wir erstmal nach Hause, haben die Kliniktasche geholt und sind dann sofort weiter ins Krankenhaus gefahren. Für mich stand fest, wenn ich heute da bleiben muss, werde ich das Krankenhaus nicht mehr ohne Baby verlassen. Deswegen habe ich mir geschworen, wenn ich nur zur Beobachtung in der Klinik bleiben soll, fahre ich wieder nach Hause. Somit haben wir die Tasche erstmal im Auto gelassen und sind dann in den Kreissaal gegangen. Kaum angekommen, kam ich auch sofort dran, weil meine Ärztin mich schon angekündigt hat. Auch hier wurde ich wieder ans CTG angeschlossen und tatsächlich habe ich dann die ersten Wehen gespürt. Es war ein sehr leichtes ziehen und noch sehr unregelmäßig, aber bis zu diesem Moment konnte ich mir unter Wehen noch gar nichts vorstellen. Nun, da waren sie. Ganz leicht, ein bisschen unangenehm aber nicht schmerzhaft. Auf dem CTG-Streifen wurden sie ebenfalls erkannt und die Herztöne waren auch hier wieder sehr unregelmäßig. Nach einer kurzen Ultraschalluntersuchung sagte die Ärztin mir dann genau das, was ich nicht hören wollte. SIE MÜSSEN ZUR BEOBACHTUNG HIER BLEIBEN.

 

Aber nicht mit mir! Ich Sturkopf habe mich dann auf meine Verantwortung hin, selber entlassen.

 

Mein Mann war natürlich stinksauer. Denn für ihn hieß es, seine Frau heute Nacht mit einem unguten Gefühl alleine zulassen, weil er um 18 Uhr die Nachtschicht antreten muss.

Wir sind also gemeinsam wieder nach Hause gefahren und wenige Minuten später ging es für ihn zur Arbeit. Kaum war er aus dem Haus, hatte ich doch ein mulmiges Gefühl. War es richtig wieder nach Hause zu fahren? Was ist wenn jetzt was passiert?

Aber was ein Zufall, stand wenige Minuten später meine Mama vor der Tür. Sie wollte doch nur mal kurz vorbeischauen. Ja. Ein Mama-Herz weiß genau wann es gebraucht wird. Die Ablenkung war Balsam für die Seele. Gegen 21 Uhr hat sie mich dann wieder alleine gelassen und ich konnte mir noch in Ruhe mein Mittwoch-Abend-Programm ansehen. Im TV liefen zu der Zeit immer Geburtssendungen, die ich mit großer Freude geschaut habe. Um ca. 22.30 Uhr ging ich ins Bett und schlief auch recht zügig ein.

 

Um 23.30 Uhr wurde ich wach. Ich merkte, wie das Bett und meine Beine nass wurden. Vor Schock traute ich mich nicht zu bewegen, aber ich merkte, dass es immer mehr Wasser wurde. Also bin ich schnell ins Bad gestürmt und habe mich erstmal ein paar Minuten aufs Klo gesetzt. Als es allmählich besser wurde, ging ich zurück ins Schlafzimmer und rief meinen Mann an.

SCHATZ, DIE FRUCHTBLASE IST GEPLATZT. Während er sich auf den Weg machte, bin ich nochmal schnell unter die Dusche. Wer weiß, wann ich das nächste Mal dazu kommen werde. Ich trocknete mich gerade ab, da stürmte schon mein Mann ins Bad. So schnell war er noch nie Zuhause. Er schnappte sich die Taschen und schützte den Beifahrersitz mit Handtüchern und Wickelauflagen.

Um ca. 00.00 Uhr machten wir uns dann auf den Weg. Auf der Fahrt rief mein Mann dann unsere Eltern an und kündigte dem Kreissaal mit, das wir unterwegs sind. Die Hebamme sagte nur. IST ES DAS ERSTE KIND? LASSEN SIE SICH ZEIT. WIR HABEN HIER NOCH GUT ZU TUN.

Oh je. Ist es da so brechend voll?! Bitte nicht! Im Auto hatte ich nur eine Wehe, die aber schon ordentlich zu spüren war. Also kein Vergleich zu denen am Mittag.

Am Krankenhaus angekommen, ging es mir noch super. Ich spürte nur einen seltsamen Schmerz im Rücken. Mein Mann wollte extra auf dem Storchenparkplatz direkt am Einfang parken, aber ich sagte ihm er soll doch lieber auf dem normalen Parkplatz, weil er bei dem anderen nur ein paar Stunden stehen darf und ich die paar Schritte schon schaffen würde. Doch wer hätte es gedacht. Kaum ausgestiegen, kam eine Wehe nach der anderen. Alle 20 Meter musste ich Pause machen und die Wehen veratmen. Wir haben tatsächlich 20 Minuten bis zur Kreissaaltür gebraucht. Wir klingelten an der Tür. BITTE WARTEN SIE NOCH EINEN MOMENT.

Die Minuten vor der Tür waren für mich die Hölle. Ich hatte nur eine Wehenpause von einer Minute und dieser fiese Schmerz im Rücken wurde immer stärker. Mein Mann musste mich regelmäßig ans Veratmen erinnern. So oft geübt Zuhause und trotzdem wieder vergessen. Ab diesem Punkt habe ich auch die Zeit aus den Augen verloren. Ich glaube wir standen so eine gute Stunde vor der Tür aber für mich fühlte es sich an wie eine Ewigkeit. Ich wusste nicht, was für mich gerade am besten ist. Erst bin ich vor der Tür hin und her gelaufen, dann habe ich mich an den Tresen gelehnt und zum Schluss habe ich mich auf die Bank gelegt. Dort habe ich dann einen starken Druck nach unten gespürt. Für mich war es sehr schwierig zu deuten. Muss ich jetzt aufs Klo oder ist das schon dieser berühmte Druck nach unten? Ich erklärte es meinem Mann und er klingelte nochmal. Dann kam auch endlich die Hebamme. Wir durften rein. Im selben Raum, in dem ich schon vor ca. 9 Stunden am CTG angeschlossen wurde. Für mich der perfekte Raum. Denn hier war die Badewanne. Ich habe immer von einer Wassergeburt geträumt.

Auch jetzt wurde ich wieder an den Wehenschreiber angeschlossen. Ich fragte sofort nach einer PDA aber die Hebamme sagte, dass das CTG erstmal eine halbe Stunde laufen soll. Ich dachte nur. BITTE NICHT! Dann musste mein Mann mich erstmal verlassen, weil er mich noch am Empfang anmelden sollte. (Entschuldigung, aber kann man sowas nicht nach der Geburt klären?!)

Die Hebamme hatte nebenbei noch 2 andere Geburten und ließ sich deswegen nur selten bei mir Blicken. Für mich war das schrecklich. Alleine mit der Situation und den Schmerzen klar zu kommen. Der Druck nach unten wurde immer stärker und ich konnte ihn nicht mehr aufhalten. Ich bekam leichte Panik und stöhnte extra etwas lauter vor mich hin, damit mal jemand nach mir sieht. Daraufhin kam auch die Ärztin. Ich sagte ihr, dass ich drücken muss, doch sie sagte ich soll es noch ein wenig aufhalten. Sie zog mir die Hose aus und untersuchte mich. OHHH. WIR HABEN SCHON 10cm! ABER ER LIEGT NOCH ZIEMLICH WEIT OBEN. ES DAUERT NOCH EIN BISSCHEN.

Ich dachte nur. Bitte lass meinen Mann schnell wieder hier sein!

Und dann kam er auch. Um 02.08 Uhr. Zeitgleich mit der Hebamme. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ab diesem Moment waren die Wehen nicht mehr schmerzhaft, sondern ich spürte nur diesen Druck nach unten und die Schmerzen im Rücken. Die Hebamme meinte, wir müssen jetzt noch den Kreissaal wechseln und ich sollte nochmal aufs Klo gehen, aber ich konnte wirklich keinen Schritt mehr gehen. Ich habe gespürt, es ist jetzt gleich soweit. Mein Sturkopf hat sich mal wieder durchgesetzt. Sie untersuchte mich nochmal und rief die Ärztin dazu.

Sie sagte ihr, dass wir nicht mehr wechseln können, da er sich jetzt auf den Weg macht.

Mein Mann stellte sich an mein Kopfende und die Ärztin und Hebamme machten sich bereit.

Ab hier sind meine Erinnerungen nur noch gestückelt. Ich durfte endlich dem Druck nachgeben und pressen. Erst war ein bisschen Angst dabei, dass man sich alles aufreißt aber ich drückte einmal mit voller Kraft und sollte dann eine kurze Pause machen und husten. Und Schwups. Da war er schon. Der Kopf. Es war gar nicht so schlimm. Bei der nächsten Wehe habe ich nochmal all meine Kraft zusammen genommen und dann war er da. Der erste Schrei. Mein Sohn. Mein Leben. Am 22.02.2018 um 02.38 Uhr. Nur 3 Stunden nachdem die Fruchtblase geplatzt ist.

Sie legten mir den Zwerg auf den Bauch und mein Mann durfte die Nabelschnur durchschneiden. Kaum zu glauben, aber man hat den Schmerz tatsächlich sofort vergessen. Es war der schönste Moment in meinem Leben!

 

Nach der Geburt haben sich Ärztin und Hebamme nochmal bei uns entschuldigt, dass sie uns so lange vor der Tür warten ließen. Sie haben niemals damit gerechnet, dass der kleine Mann es so eilig hat und in nur 3 Stunden das Licht der Welt erblickt. Für sie war es selbstverständlich, dass die Geburt des ersten Kindes immer länger dauert. Doch jede Geburt, jede Gebärende und jedes Kind sind anders! Ich hatte eine schöne Geburt, aber würde es nicht diesen Hebammenmangel geben, wäre sie wohl traumhaft schön gewesen.

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Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

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...es war ein kalter Herbsttag. Deine Oma fragte einige Tage vorher, ob ich Zeit und Lust hätte, mit ihr einen gemütlichen Frauenabend zu machen. 

Ich wählte einen Freitag, an dem dein Papa auf einer Weihnachtsfeier war. 

Ich bereitet ein tolles Essen vor und besorgte einen schönen Wein. 

Wir machten es uns gemütlich, aßen und tranken und lachten dabei. 

Nach einer Weile, sagte deine Oma zu mir, sie müsste mit mir sprechen. Ich war erschrocken, denn aus dem lachenden Gesicht wurde eine ernste Miene. Sie holte ein Foto aus ihrer Tasche. Dort war ein Mann zu sehen, der mich als Baby auf seinem Schoß hielt. Ich fragte sie, wer das sei. 

Sie musste schlucken und fing an zu weinen. Sie erzählte mir, dass dieses mein Erzeuger sei. Mehr konnte sie nicht sagen, sie war bitterlich am Weinen. Ich schaute sie mit großen Augen an und hielt das Bild in meiner Hand. Sie versuchte mir zu erklären, wie es so kam. Warum ich jetzt erst nach 27 Jahren davon erfahren würde. Zum Schluss sagte sie nur, dass es ihr unendlich Leid tut und sie verstehen könne, wenn ich nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte. Ich schaute sie weiterhin nur an, ohne groß etwas sagen zu können. Sie weinte weiter. Ich bat sie darum, nach Hause zu gehen. Weiterhin war ich Emotionslos. Sie nahm mich in den Arm und entschuldigte sich. Kurze Zeit später, rief dein Opa mich an. Er weinte ebenfalls. Es sagte mir, dass er mich unendlich lieben würde. Ich wäre seine Tochter, und da würde sich nie etwas dran ändern. Er weinte und weinte. Ich war weiterhin sprachlos und bat darum, mit Zeit zu geben. 

 

Ich habe mir zwei Tage Zeit gelassen- habe nachgedacht. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass mich diese Erkenntnis in keiner Art und Weise beeinflusst, deinen Opa, meinen Papa, weniger zu lieben, als vor dem Gespräch. Auch deiner Oma machte ich keinerlei Vorwürfe. Klar hätte man früher mit mir sprechen können, aber sowas bespricht man auch nicht eben mal beim Abendbrot. Ich liebe deine Oma und deinen Opa, meine Eltern. Und dein Opa ist mein Papa, kein anderer Mensch könnte dieses jemals sein. 

 

Damit möchte ich Dir sagen:

,,Hör immer auf dein Herz, das betrügt dich nicht. Liebe wen du lieben magst und lass dich bin keinem beirren“ 

Deine Mama, die Tochter deines Opas und deiner Oma

 

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Mutter-Kind-Kur - Kurtagebuch Celenus Fachklinik Bromerhof, Isny im Allgäu

AchtsamkeitKurtagebuch Celenus Fachklinik Bromerhof, Isny im Allgäu

 

30.01.2019 bis 20.02.2019

 

Mutter-Kind-Kur mit 2 Kindern ohne Begleitperson

 

Fazit vorweg: Mehr als nur eine Kur

 

Tag 1 - 30.01.2019 - Mittwoch

 

Ankunft

 

Wir sind - wie soll’s auch anders sein - wieder die letzten die anreisen... Dennoch ausnahmsweise mal nicht zu spät. Von der Dame am Empfang werden wir freundlich willkommen geheißen und persönlich auf unser Zimmer begleitet. Zimmer Nummer 123. Perfekt, wie sich noch herausstellen wird, denn einszweidrei können sich auch die Kids schnell merken. 

 

Wir bekommen eine Empfangsmappe, kurz die nötigsten Informationen und werden alleine gelassen um uns erstmal in unserem Zimmer wohnlich einzurichten.

Bad mit Wanne (aber ohne Tageslicht), Zimmer mit einem Bett, einer kleinen Couch und dem dazugehörigen Couchtisch, ein Schreibtisch mit einer Art Tresor, ein Sessel, ein Kleiderschrank und ein Nachtkästchen. Alles harmonisch zusammenpassend. Lediglich der Sessel hat schon deutlich bessere Tage gesehen, was uns aber eigentlich egal ist, denn er wird hier nur als „der Stuhl“ benutzt und trägt die Klamotten die schon getragen wurden aber noch zu gut für die Wäsche sind. Kennt ja jeder. Eine Tür führt in ein kleines Zimmer mit Stockbett. Wer oben und wer unter schläft wird noch heiß diskutiert - aber um das vorweg zu nehmen: es schlafen beide zusammen oben. Unser Zimmer liegt zwar im ersten Stock, ist aber an der Fensterfront ebenerdig, was uns eine Terrasse beschert. Direkt mit Aufgang zum Spielplatz. Aufgrund des circa einem Meter hohem Schnee aber aktuell beides nicht wirklich nutzbar. Braucht es aber auch nicht.

 

Die Empfangsdame, die eigentlich wirklich sehr nett ist (man muss bedenken dass die Damen alle drei Wochen genau das gleiche sagen und genau die gleichen Fragen gestellt bekommen) ist ab und an etwas „forsch“. Nimmt man sich aber mal vor Augen und bekommt das in den drei Wochen leider auch ab und an unter Fremdscham mit was die netten Damen sich anhören müssen, vermutlich jeden Kurgang erneut, ist das forsche plötzlich nicht mehr forsch sondern Eigenschutz der Mitarbeiterinnen. Sobald diese merken dass man keine bösen Absichten hat, kann man wirklich immer auf ein Lächeln und Freundlichkeit stoßen! Es gilt auch hier: Wie man in den Wald ruft, so kommt es auch zurück... 

 

Noch im Zimmer wurden wir darauf hingewiesen, dass wir uns bitte noch bei der Krankenschwester zur Aufnahme melden sollen. Und das war im gesamten Kurgang nur eine von drei Personen die mehr als unfreundlich waren. Aber auch hier denk ich mir wieder: alle drei Wochen zu, keine Ahnung wie vielen, Patienten das genau gleiche sagen: nicht ganz einfach und ich habe Rücksicht. Der Dame sind wir danach allerdings auch nicht mehr begegnet. 

 

Ab 17:00 Uhr gibt’s Essen. Es gibt ein sehr großes, abwechslungsreiches Buffet. Größer als wir es oft in Hotels mit AllInklusive hatten. Für Vegetarier allerdings, auch das wird sich in den nächsten drei Wochen behaupten, wird es schnell eintönig und man muss sich mit weniger zu Frieden gegeben. 

An der Auswahl der Brot und Semmelsorten (wir kommen aus Bayern, das sind Semmeln, keine Brötchen) dagegen ist mit 7-8 Sorten wirklich groß!

Kurz nach 17:00 Uhr ist für uns uns deutlich zu früh, wir essen meist erst gegen 14.00 Uhr Mittag und vor 19:30 eigentlich nicht zu Abend, aber nach 2-3 Tagen hier hat man sich schnell an die Zeiten gewöhnt. 

 

Kein Betreten ohne gründliche Desinfektion. Zum Glück! Ich bin sehr beruhigt, dass die Hygiene groß geschrieben wird, gerade bei so vielen und auch kleinen Kindern eine große Herausforderung!

 

Vor dem Essen bekommen wir noch einen rosa Block und einen Essensplan für die nächsten drei Wochen für Mittags, aus denen wir die Gerichte für jeden von uns dreien aussuchen und in den Block eintragen können. Haben wir auch brav gemacht. Es hätte sich nur empfohlen, dass wir die Namen der Person davor geschrieben hätten, die sich für das Gericht entschieden hat. Hätte uns in den darauf folgenden Tagen zumindest einige Rätsel erspart. Naja, 50:50 Chance bestand ja, man konnte immer zwischen zwei Gerichten wählen. Ich schreibe im weiteren Verlauf je Tag das Menü gerne mit auf.

 

Eine feste Sitzordnung gibt es nicht. Jeder darf sitzen wo er lustig ist - und auch wann. Klar gibt es Stoßzeiten, aber wenn man nicht ganz Menschenscheu ist, findet man immer einen Platz. 

 

Nach dem Essen versuchen wir erst mal und zurecht zu finden. Gar nicht so leicht. Hauptgebäude, Nebengebäude, Stockwerke, Räume... Irgendwie versteh ich gar nichts. Beschwere mich innerlich noch darüber, dass es hier keinen Plan gibt. Habe ihn vier Tage später dann gefunden. Auf der Rückseite der Behandlungskarte, die man eigentlich immer und überall dabei hat... Zu dieser aber später mehr.

 

Erdgeschoss: Hier befindet sich der Haupteingang, die Kinderwelt Brommelhausen, das Café, die Rezeption, die Ergotherapie, die Terminplanung und der Speisesaal. Auch die drei Tafeln für das Rahmenprogramm (dazu komme ich noch) und Ausflugstipps gibt es dort. Toiletten gibt es zwar, aber nur für Kinder - und auch nur während der Öffnungszeiten der Kinderwelt. Außerhalb muss man hoch auf das Zimmer. Das System hat sich mir anfangs nicht erschlossen, als wir dann aber mit Fieber im Bett lagen war mir einiges klar. Dazu aber auch später, wir sind noch am Anfang und gesund.

 

Den restlichen Abend verbringen wir im Zimmer, lesen, spielen Karten, malen und schlafen gegen 22:00 Uhr auch ein.

 

Tag 2 - 31.01.2019 - Donnerstag

 

Die ersten Tränen.

 

Menüauswahl: Hähnchenschnitzel mit Tomatennudeln oder Quarkstrudel mit Vanillesosse 

 

Behandlungsplan:

 

Psychosoziales Aufnahmegespräch

Ärztliches Aufnahmegespräch

 

Im folgenden nenne ich nur meine Behandlungen, oder die gemeinsamen Behandlungen mit den Kids und mir. Auf die Einzelbehandlungen der Kinder gehe ich nicht näher ein, war ich ja auch gar nicht dabei und außer „gut“ bekomm ich selten mehr als Antwort auf meine Frage wie es gewesen ist. Kennt man ja...

 

Der Tag begann mit einem auswahlreichen Frühstücksbuffet. Egal welchen Ernährungsstil man wählt, schlägt man sich wacker durch. Laktoseintolerant, Low Carb, Vegetarisch, Glutenfrei - was nicht am Buffet für alle liegt wird speziell für den jeweiligen Patienten vorbereitet. Ich muss jedoch einwerfen, dass es wirklich immer mindestens einen gibt der meckert - und das unüberhörbar - meist ist es immer die selbe Person. Ich hab mich in der Zeit hier dann oft gefragt was sich die Patienten denn vorstellen? Einzelbekochung mit Rezeptwunsch? Es muss doch jedem klar sein, dass das weder möglich, noch gewollt ist. Es ist eben eine Kantine, deutlich besser als das berühmte Krankenhausessen, aber eben kein 4 Sterne Restaurant. Ich rufe es noch mal hervor: das muss einem aber doch auch vorab schon klar sein! Ich hatte in den drei Wochen nicht nur einmal Mitleid mit den Kantinenarbeitern, sogar mit den zwei Personen die meine Rangliste der drei unfreundlichsten Mitarbeiter voll machen. Ich komme auch hier noch näher dazu.

 

Zurück zum Frühstück: 

Milch, warm und kalt oder als Kakao, Tee, Kaffee, Wurst, Käse, Obst, Tomaten und Gurken, Aufstriche, Honig, Joghurt, Müsli - um nur ein paar der Dinge aufzuzählen. Es gibt, wie schon erwähnt, keine Tischordnung, man sitzt eben da wo Platz ist. Noch schaut jeder jeden recht skeptisch an, Schubladen werden geöffnet, Personen kategorisiert und Stempel verteilt. Irgendwie ist von jeder Art Mutter etwas dabei. Die Ruhige. Die die brüllt. Die Schüchterne. Der Klassenclown. Die Überforderte. Das Modepüppchen. Die Ökofrau. Wie es eben immer ist. Im übrigen, auch hier stellte sich wieder raus, dass bei den meisten die Schubladen zwar passten, der warme Charakter aber zuletzt diese unsichtbar macht und einfach nette Frauen daraus formt, die irgendwie doch alle gleich und einfach herzlich sind. Zumindest die meisten, wie es eben auch immer ist. Erste Gespräche sind bis dahin nicht entstanden. Zumindest nicht mit oder von mir. Menschen sind eben nicht ganz mein Ding, ich brauche etwas länger um den einen oder anderen symphatisch und vertrauenswürdig zu finden.

 

Der erste Besuch in der Kinderbetreuung steht an. Der Große tut sich nicht schwer, will sofort dort bleiben und findet direkt in den ersten 15 Minuten den Anschluss den er die Kur über auch zu seinem besten Freund macht. Ein herrliches Kind, selten so einen liebevollen und lustigen Jungen kennengelernt, das Herz auf der Zunge tragend.

 

Die Kleine hingegen tut sich schwer, was allerdings auch im heimischen Kindergarten immer und immer wieder der Fall ist. Vielleicht übertrage ich aber auch meinen ersten, sich zum Glück als Falsch herausstellenden Eindruck auf sie. Alles hier ist hektisch, kurz angebunden, gestresst, sieht unstrukturiert aus, herzlos und unfreundlich. Selbst ich fühle mich in diesem Moment hier nicht erwünscht und deutlich unwohl. 

 

Weil ich nicht hinterfrage und einfach abstemple.

 

Auch in der Kinderbetreuung werden die Erzieherinnen alle drei Wochen vor neue Kinder gesetzt, vor neue unfreundliche und überfürsorgliche Mütter gestellt, müssen innerhalb Minuten koordinieren und sollen in den Augen jeder einzelnen Mutter sich am besten nur um das jeweils eigene Kind kümmern. Wenn man mal den Kopf einschaltet: unmöglich! Wenn ich so im Nachhinein darüber nachdenke, wäre ich an deren Stelle vermutlich heulend, gestresst und überfordert davon gelaufen. Und die, jetzt im Rückblick äußerst liebevollen Betreuer und Erzieher haben einfach nur versucht zu überleben. 

 

Und das alle drei Wochen auf‘s Neue. 

 

Sag mir einer, dass er bei knapp 15-20 Kindern (ich bin nicht all zu gut im Schätzen) und den dazugehörigen Müttern - die alle Termindruck haben und dennoch ihre Kinder nicht loslassen möchten, die pausenlos Fragen stellen, die drei Minuten vorher schon eine andere gestellt hat und eigentlich auch im Infoblatt beantwortet stehen, die ihre Kinder einfach weinend stehen lassen, die Allergien und Besonderheiten noch erklären, oder nicht mal dran denken in den nächsten drei Wochen ihrem Kind zuzutrauen, dass sie auch mal ohne Mama klar kommen - noch freundlich zu lächeln und mit jeder einzelnen erstmal einen netten Kaffeeplausch zu halten. Mein erster Eindruck dennoch: Hier lasse ich meine Kinder nicht. Harsch und unfähig sich um meine Kinder zu kümmern war mein Gefühl, zum Glück im Nachhinein sehr daneben. Jetzt wenn ich so nachdenke habe ich fast ein schlechtes Gewissen wegen dieser Gedanken...

 

Hilft nichts, ich muss los. 

 

Das anschliessende psychosoziale Aufnahmegespräch war Tränenreich (mir lag eh noch das ungute Gefühl der Betreuung im Magen) und naja, ich bin zugegebenermaßen auch nicht ganz ohne Grund hier. Zumindest sollte ich mir das spätestens jetzt eingestehen. 

 

Die letzten Wochen und vor allem Tage vor der Kur habe ich noch nach Ausreden gesucht warum ich hier nicht her muss. Wie man sieht nicht ganz erfolgreich. Und das ist auch gut so.

 

Das ärztliche Aufnahmegespräch hingegen war recht kurz und knapp. Bei beiden Gesprächen ging es hauptsächlich darum was ich hier erreichen möchte und in welchen Angeboten grob meine Interessen liegen. Kurz gesagt: Achtsamkeit wieder finden, die Beziehung zur kleinen Tochter verbessern und wieder mehr auf den Körper achten. Ehrlich gesagt hätte ich am liebsten alles ausprobiert, einfach um zu sehen was zu mir passt und was nicht. Unter all den Angeboten die ich mitmachen konnte, habe ich das auch, dazu aber auch später mehr.

 

Mittagszeit. Die Ruhezeiten werden von den meisten bislang missachtet. Nervt mich, obwohl ich selbst keine Kinder habe die mittags noch schlafen. Aber ich bin ein Ordnungshüter. Nervig, ich weiß. Wenn ich mich an was halten muss, dann sollen das die anderen auch. Gerechtssinn oder so. Oder auch Neid, dass die anderen Spaß haben und ich mich in der Zeit von 12.00-14.00 Uhr im Zimmer (alternativ auch außerhalb der Klinik) aufhalten muss. Wie man es sehen mag. Zwei Tage später hatte sich das allerdings erledigt: Ermahnungen zur Ruhe in jedem einzelnen Postfach an der Rezeption. Richtig so, Danke! Und ja, ich weiß wie unsympathisch mich das gerade macht, so Leute mag man eben nicht. Ich im übrigen auch nicht.

 

Wir erweitern anschließend unseren Kreis und gucken uns einmal das erste Nebengebäude an:

 

Krankenstation, Abenteuersaal, Werkraum, Lehrküche, Tagungsraum, Waschküche, Gerätezimmer, Fußpflege. Ich bin mir fast sicher dass da noch ein oder zwei Räume waren, erinnern welche das sind kann ich mich leider nicht mehr. Wir haben diese nie besucht.

 

Der Abenteuersaal war dann auch erstmal unser Ziel. Kletterwand, Rutsche, Sprossenwand, Turnmatten, kleine Indoorspielburg und Platz zum Toben und Spielen. Genau das Richtige! Allerdings muss ich gestehen, dass wir nicht ein einziges mal länger als 30-35 Minuten dort waren, denn die Geräuschkulisse ist nicht ohne. Eine Idee wie man das Problem lösen könnte habe ich aber auch nicht, der Raum ist schließlich da um mal Kind sein zu können und Kinder sind eben auch einfach mal ausgelassen und laut.

 

Der Große ist weg. Irgendwie verfolgt uns ein Fluch: Jedes Mal im Urlaub oder bei Ausflügen schafft er es wieder - er verschwindet. Diesmal tippen wir das, er schafft es heute gleich zweimal. Das Gebäude ist doch recht weitläufig. Viele Stockwerke, Türen, Gänge und Gebäude. Mit der Zeit findet man sich gut zurecht was heute allerdings noch nicht der Fall ist. Bei der ersten Suchaktion fand ich das völlig entspannte Kind unten am Empfangsspielplatz. Beim zweiten Mal rief mich die Rezeption an und ich holten den Großen total verzweifelt am Empfang ab. So hatte jeder sein Horrorszenario durch und ich musste die weiteren drei Wochen nicht mehr ermahnen einfach zu gehen ohne mir Bescheid zu geben. Hat ja auch was.

 

Heute ist auch Kinderfest, mit Rätseln, Turn- und Spielstationen, Kinderschminken und Brommel dem Maskottchen. Der Große hat den Mann (oder die Frau?) im Hasenkostüm durchschaut, die Kleine hat erst ein bisschen Angst und findet es dann noch richtig toll. Alle hier geben sich sichtlich Mühe den Familien ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern.

 

Natürlich wollten wir auch das Schwimmbad noch ausprobieren. Ein Schwimmbad zwischen einem hohem Schnee, meterlangen Eiszapfen und klarem Sonnenschein. Herrlich! Und wir sind hier auch noch alleine! Ein Schwimmbecken mit schätzungsweise 1,60 Meter Tiefe und ein warmes Babybecken ein Stück daneben. Alles was man braucht. Nach circa 30 Minuten sind wir nicht mehr ganz unter uns, die ersten Bekanntschaften entstehen. Wie soll es auch anders sein, über die Kinder.

 

Anscheinend ging das nicht nur mir so, denn beim Abendessen war schon zu bemerken, dass sich Familienpaare fanden, kleine Grüppchen bildeten und die skeptischen Schubladenblicke langsam wichen. Auch in den nächsten Tagen wurde spürbar, dass so langsam alle merkten das wir in einem Boot sitzen und sich das die nächsten drei Wochen auch nicht ändern würde. Akzeptanz wurde deutlich, aber das sollte sich noch ändern in der zweiten Woche. Leider.

 

Tag 3 - 01.02.2019 - Freitag

 

Wenig Schlaf

 

Menüauswahl: Truthahngulasch mit Reis oder Nudelauflauf

 

Behandlungsplan:

 

Begrüßung

Moorpackung

Massage

Elternsprechstunde

 

Die Nächte sind für mich hier nicht optimal, liegt aber weder am Bett, noch an der Ruhe, noch dass ich nicht ausgelastet oder müde bin. Eher die Einsamkeit ohne den Herzmenschen, ohne Hund und Katze und bewusst auch ohne Fernseher. Zuhause schlafe ich oft beim TV ein, zumindest aber schon mehr als 10 Jahre neben dem Liebsten. Hier nicht. Es ist ruhig, ich muss mich mit mir selbst beschäftigen. 

 

Ich kann das aber nicht mehr.

 

Mein Leben besteht aus Stress. Aus 60-80 Stunden Wochen, aus Trauer, aus Schmerz und aus Überforderung. Ich habe daheim keine Zeit mich mit mir zu beschäftigen. Nein, die habe ich mit Ausreden schlichtweg einfach nicht. Brauchte ich auch meiner Meinung nach nicht, dachte ich zumindest. In den letzten Wochen wurde ich ein klein wenig einem besseren belehrt, zum Glück!

 

Dennoch, die Nächte hier sind für mich ein Graus. Ich habe Panikzustände, Verfolgungswahn, höre Geräusche, mein Tinnitus wird zum Dauerbegleiter. Ich würde am liebsten die ganze Nacht weinen, das Licht ist auf Flutbeleuchtung und die Timeline der Sozialen Netzwerke mein bester Freund. Selbst Lesen geht in diesem Zustand nicht mehr. Jede Zeile muss ich 3-4x lesen um überhaupt wahrzunehmen was darin steht. Zum Glück schlafe ich jede Nacht trotzdem aus Erschöpfung ein. 

 

Normalerweise lese ich gerne Krimis, habe ich mir allerdings aber seit gestern Abend abgewöhnt. Macht die Sache mit den Panikattacken einfach nicht besser wenn man von abgeschlagenen Köpfen nicht los kommt. Ab sofort also Fantasie. Geht auch. Zeigen zumindest die insgesamt 11 gelesenen Büchern die ich in diesen 22 Tagen gelesen habe. 

 

Ziemlich müde ging es daher erstmal zum Frühstück und wieder in die Kinderbetreuung. Jetzt lernt man die Erzieherinnen doch langsam etwas kennen. Nett, freundlich, einfühlsam, fröhlich und aufmerksam. Zumindest die meisten und vor allem die mit denen wir zu tun hatten. Auch hier habe ich mich nicht nur einmal für Eltern fremd geschämt. Was die sich dort anhören müssen ist ebenfalls kein Spaß, noch weniger als am Empfang. Dafür in mir noch mehr Scham! 

 

Es gibt in den folgenden Tagen nur eine Situation mit der ich nicht ganz zufrieden bin. Jedoch kann ich hier nicht genau Urteilen was und wie es sich zugetragen hat und will mit daher nicht anmaßen das etwas falsch war. Es fühlte sich lediglich falsch an, war aber auf die Dauer gesehen belanglos, außer eben in diesem Moment. Das ganze trägt sich aber erst Morgen zu, weswegen ich nicht zu viel vorweg nehmen möchte.

 

Die Begrüßung wurde in verschiedene Gruppen aufgeteilt und war bis auf sehr viele Fakten nicht sonderlich erwähnenswert. Wenn man die Infomappe vorab schon aufmerksam liest kennt man das meiste schon. Dennoch schön zu sehen wer hier dahinter steckt und ein paar interessante Informationen waren auch noch dabei.

 

Zwischen den Behandlung hat man oft Leerläufe und darf in diesen Zeiten die Kinder immer wieder holen und zum Beispiel 20 Minuten später (oder auch länger) wieder bringen. Die Betreuung ist also kein Muss sondern eine optimale Kannlösung. Wer Zeit für sich braucht lässt sie eben auch mal dort, wer, wie ich aber gerne mehr Zeit mit den Kids wie im Alltag verbringen möchte, holt sie eben wieder und gibt sie nach Bedarf ab. 

 

Beide Kids sind glücklich, der Große möchte noch bleiben, die Kleine hat mich mal ganz für sich alleine. Und ich sie. Das erste Mal dass mein Herz tanzt in dieser tollen drei Wochen. Dabei ist doch noch gar nichts passiert, oder? Innerlich eben doch. Wurde mir aber auch erst 2-3 Tage später bewusst.

 

Moorpackung und Massage habe ich direkt hintereinander, ohne Kinder. Schön, aber auch hier wieder mein Problem: jeweils 20 Minuten ohne Ablenkung und ich mit mir alleine. Ich kann das einfach nicht mehr und komme damit überhaupt nicht klar. Unbestritten, die Behandlungen sind toll, der Körper fließt dahin, aber der Kopf blockiert. Viel mehr setze ich mich nun unter Druck. Ich muss lernen wieder Ruhe zu können. Ja, Ruhe zu können. Bescheuert!

 

Der Kopf ist so voll dass ich mich an die Elternsprechstunde nicht mehr erinnere. Da gewesen muss ich aber sein, schließlich ist eine Unterschrift in meinem Tagesplan mit den Behandlungen. Die Behandlungen im Plan sind Pflicht und werden bei erfolgreicher Teilnahme vom Kursleiter unterschrieben. Ich wollte alles wahrnehmen, auch deswegen weil es einfach ein tolles Gefühl ist wenn alles abgehakt ist.

 

Beim Abendessen merkt man eine komische Stimmung und nach einigen Minuten ist auch klar was ist: Müdigkeit, bei allen. Der Körper hat sich noch nicht umgestellt auf die Bett- und Essenszeiten, kommt mit dem Lärm noch nicht klar und ich glaube auch in einigen Köpfen tut sich mittlerweile so einiges was den Geist einfach schafft. Auch die Kinder sind nun am Tag drei mit ihrer Energie durch Euphorie am Ende und sind Quenglig. Es würde mich ja schon interessieren ob das in jedem Kurgang ähnlich ist. Ich berichte in zwei Jahren, wenn ich wieder hier bin.

 

Von meiner Kollegin habe ich ein Malbuch geschenkt bekommen. Ein Malbuch für Erwachsene mit Schimpfwörtern drin. Meine nun allabendliche Lieblingsbeschäftigung neben dem Lesen. Zeit für mich. Ohne Fernseher, ohne WLAN, mit Tinnitus und Panikattacken. Und Heimweh. Starkem Heimweh.

 

Tag 4 - 02.02.2019 - Samstag

 

Heimweh und Angst

 

Menüauswahl: Maultaschen mit Salat oder Makkaroni mit Tomatensoße

 

Behandlungsplan: 

 

Puppentheater (Rahmenprogramm)

 

Das besagte Heimweh schlug heute Morgen ruckartig um. Was ist wenn ich nach Hause muss? Wie wird es dann? Die Kleine blüht hier auf, es ist alles einfacher (aber irgendwie auch anstrengender) als daheim. So viele Vorsätze sprudeln in mir auf und ich habe Angst sie nicht halten zu können im Alltag. Ich habe nun tatsächlich Angst vor dem sich anbahnenden Ende hier im Bromerhof, dabei wollte ich gar nicht hier her. Bescheuertes Ding so ein Kopf...

 

Am Wochenende finden keine Behandlungen statt. In dieser Zeit gibt es aber Ausflüge oder das Rahmenprogramm. Oder wie bei uns: Besuch vom Papa!

 

Samstags gibt es dennoch den neuen Behandlungsplan für die kommende Woche und ich war tatsächlich etwas aufgeregt zu sehen was denn auf mich wartete.

 

Morgens waren wir noch beim Puppentheater. Ernsthaft das Beste welches ich je gesehen habe. Bärenstarker Typ! Ich weiß dass das Theater für Kinder war, trotzdem: Ich habe nicht weniger gelacht!

 

Der Papa kommt recht bald danach und wir gehen Schlitten fahren im herrlichsten Sonnenschein! Schlitten, Rutscher, Räder, Roller, Schaufeln etc. kann man hier gegen Gebühr ausleihen. Mit zwei Holzschlitten und voller Montur sind wir zum Wasserspeicher rauf und obwohl wir nicht wirklich weit von hier wohnen hat mir die Aussicht dort oben dem Atem verschlagen. Der Bromerhof liegt perfekt! 

 

Den restlichen Nachmittag verbringen wir in der Cafeteria mit dem Herzmann (dem der Lärmpegel schnell zu viel wird - Männer...) und auf dem Zimmer. Besucher können hier tageweise kommen, mitessen unter Anmeldung, oder sogar übernachten. Wer möchte und selbst zahlt sogar den gesamten Kurgang, inkl. Behandlungen. Der Abschied fällt mir spürbar schwer. 

 

Mittlerweile gehören wir auch einer kleinen Gruppe an. Ich. Die, die fremde Menschen nicht leiden kann. Aber hier geht es wohl nicht nur mir so. Fast jeden Abend spielen wir nun schon im Aufenthaltsraum (der tagsüber als Schule genutzt wird) Kartenspiele, malen oder trinken Tee. Eigentlich gehört jeder irgendwie inzwischen einem kleineren oder größeren Grüppchen an. Vermutlich ist das immer so.

 

Tag 5 - 03.02.2019 - Sonntag

 

Tiefpunkt

 

Menüauswahl: Rindergulasch mit Spätzle oder Germknödel

 

Behandlungsplan: -

 

Heute ist das Wetter nicht optimal, es schneit und aktuell ist es nicht mal sicher ob mein Mann uns heute noch mal besuchen kann. Ohne Ketten ist es irgendwie fast unmöglich heute hier herauf zu kommen. Selbst die Autobahnen sind dicht und in mir macht sich etwas breit was ich lang nicht mehr hatte: Einsamkeit. Dabei bin ich das ja gar nicht... Aber es fühlt sich so an. Verloren hier oben, enttäuscht weil das andere Teil vom Herz vermutlich heute nicht zu Besuch kommt und alleine. Die Tränen laufen. Nicht wenig...

 

Der Große hat Hausaufgaben mitbekommen. Er ist ja eigentlich in diesen drei Wochen auch in der Schule. Schulkinder werden für die Zeit zwar freigestellt, bekommen in den meisten Fällen den verpassten Stoff aber als Hausaufgabe mit und um Himmels Willen, das ist nicht gerade wenig. Wir kümmern uns heute bei dem Wetter also erst mal darum. Widerwillig, aber dennoch letztendlich kooperativ kann ich den Großen zumindest zu Mathe bewegen. Hilft ja nichts, gemacht werden muss es früher oder später, was er auch einsieht. Die beiden schreiben auch noch die ersten Seiten des Briefes an den Kindergarten und die Schule. Wir haben extra einen Fotodrucker dabei, dass die beiden auch ihre Erlebnisse auf Bildern zum geschriebenen kleben können. Ich kann hier nur noch anmerken, dass es nicht unbedingt die beste Idee ist die 5-Jährige ihren Brief selbst schreiben zu lassen. Zumindest nicht für absolut ungeduldige Mütter wie mich, deren 5-Jährige Tochter noch nicht schreiben kann. Aber um kurz zu Spoilern: Wir haben es geschafft. Alle leben noch. Der Brief ist fertig.

 

Plötzlich steht der Herzmann doch in der Tür und wir haben einen gefühlsreichen, innerlich warmen Nachmittag zu viert auf dem Zimmer bis es wieder dem Abschied gilt.

Und wieder ist da ein Loch.

Er fehlt einfach. Sehr.

 

Tag 6 - 04.02.2019 - Montag

 

Körperliche Grenzen

 

Menüauswahl: Fischroullade mit Reis oder Spaghetti mit Gemüsebolognaise

 

Behandlungsplan:

 

Kinderschwimmen

Marte Meo Aufnahmegespräch

Kindersport

Training Stability (Rahmenprogramm)

Einweisung Ergometer

 

Zu allem übel hätten wir gestern Abend noch die zwei Personen im Speisesaal, die zu den drei Mürretieren hier gehören. Ich wiederhole nur noch mal, dass hier alle wirklich sehr nett, hilfsbereit, freundlich und auch liebevoll sind. Vom Reinigungspersonal bis zum Chefarzt, wenn man die alte  Hierarchieordnung hier aufnehmen möchte. Meine letzten Worte gelten aber nicht für die zwei ältesten Damen im Speisesaal. Sie würden sich bis zum Ende der Kur noch einen nicht ganz netten Spitznamen einheimsen, aber das ist vorgegriffen.

Eine der beiden läuft durchgehend und ohne Pause (wie ein bekanntes Batteriemännchen) durch den Speisesaal und schimpft über alles und jeden. Gänzlich egal ob es die Kollegen oder die Patienten sind. Nur mit Mitarbeiterin 2 redet sie normal. Ihre häufigsten Schimpftiraden heimsen sich die Essensreste ein. 

Zur Erklärung: Wenn man sich Essen holt, darf man es, auch wenn die Verpackung noch geschlossen ist, nicht zurück legen. Generell gilt äußerste Hygiene im Speisesaal und noch mehr am Buffet. Dadurch bleibt aber auch oft etwas auf dem Teller, gerade bei den Kindern. Ich brauche niemandem erzählen, dass Kinder oft viel größere Augen als Mägen haben, oder? Geht ja selbst dem ein oder anderen Erwachsenen noch so. Das nächste Problem ist dann auch, dass man sich z.B. was vom Buffet nimmt was dann nicht schmeckt und dann eben auch nicht auf isst. Wie man sich somit denken kann, Nein, wie man sogar weiß wenn man Kinder hat, bleibt Essen auf den Tellern übrig. Im Bromerhof ist es üblich, dass man Besteck, Restmüll, Teller, Essensreste und Co in die vorgegebenen Behälter füllt, also selbst abräumt. Natürlich wird einem dann das Ausmaß der Menge der Essenreste auf einem Haufen deutlicher bewusst als wenn die Teller je Gast einzeln in die Küche zurück gehen. Für Mitarbeiterin 1, die uns auch später noch mal im Kaffee lieblich begegnet, ein gefundenes Fressen. Wortwörtlich. In den 45 Minuten die wir an diesem Abend im Speisesaal verbrachten waren es 45 Minuten die durch Schimpfen mit Mitarbeiterin 2 über die Tatsache verbracht wurden. Und auch darüber dass es den beiden Verbündeten hier viel zu laut sei. Komisch. Bei knapp 40-50 Kindern im Saal. 70% davon unter 4 Jahren... Meine lieben Damen, entweder es ist die falsche Berufswahl oder es währe etwas Offenheit und Toleranz angebracht. Ihr wart auch mal Klein und seid nicht aus dem Kniggebuch gefallen... Bitte nehmt euch das ein wenig zu Herzen. Mitarbeiterin 2 ist ohne Mitarbeiterin 1 im Laufe der nächste Tage aber ganz anders. Ich glaube hier stacheln sich beide in einer Schicht einfach besonders hoch. 

 

Heute Morgen sind wieder die netteren Küchenmitarbeiter da und alles ist gut. Irgendwo weint ein Kind, andere Mütter nicken bedächtig, dort schimpft jemand, am anderen Ende zerschmettert ein Teller, ein Kind singt, viel Kaffee und Augenringe überall. Also alles normal.

 

Das Wetter ist nicht so toll. Schneeregen. Für ein Iglu ist aber Zeit. Wieder kommt dieses warme Gefühl der Glückseligkeit in mir auf.

 

Aber: immer wieder kommen Nachrichten aus der Firma oder dem „realen“ Leben die einen schnell wieder auf den Boden der Tatsachen holen. Oder in ein Loch noch weiter runter ziehen. Je nach dem. Ich wiederhole: Ich bin nicht ohne Grund hier.

 

Ausblenden.

 

Marte Meo. Aufnahmegespräch.

Noch hatte ich keine Ahnung was das überhaupt ist. Bevor ich das jetzt ausführlich beschreibe, hier die Erklärung: KLICK

Lesenswert und interessant. Ich bin neugierig! 

 

Und euphorisch. Ich habe mich zum Training Stability angemeldet. Klingt doch toll! Nicht anstrengend oder so.

 

Von. Wegen.

 

Die Trainerin, schätzungsweise Anfang 60, stählerne Muskeln, weltoffenes, freundliches und selbstbewusstes Gesicht macht mich kaputt. Also ernsthaft. Muss man als Sporttherapeutin auch einen gewissen Hang zum Quälen haben? Eine Maschine von Frau die einen zerstört. Mit einem unheimlich sympathischen Lachen im Gesicht und einer Art die den Ehrgeiz weckt. Es kann ja wohl nicht angehen, dass eine über 60 Jährige Frau mich, mit meinen 30 Jahren unter den Tisch trainiert. Nein, kann es auch nicht. Sie streckt mich sogar zu Boden. Selbst 3 Tage später kann ich mich nur aus dem Bett seitlich rollen. Die Bauchmuskeln brennen noch immer wie loderndes Feuer. 

 

Zu meiner Freude habe ich danach noch „Einweisung Ergometer“, klingt ebenfalls harmlos. Und ein zweites Mal werde ich eines besseren belehrt... Einweisung steht hier eher für Treten bis zur Belastungsgrenze um den optimalen Puls zur Fettverbrennung und auch für das Ausdauertraining zu finden. Ebenfalls wieder bei der ehrwürdigen Frau die ich nie vergessen werde und wegen der ich mir geschworen habe endlich meinen Hintern wieder aus dem Sofa zu bringen! 

 

Mit Puddingbeinen und brennenden Muskeln schlafe ich heute ausnahmsweise mal früher ein. Ich denke der Körper war durch. Ein zufriedenstellend und glückliches Gefühl.

 

 

Tag 7 - 05.02.2019 - Dienstag

 

Glücklich. Unendlich Glücklich.

 

Menüauswahl: Leberkäse mit Kartoffelsalat oder Kaiserschmarren 

 

Behandlungsplan:

 

Walking

Schule

Entspannungsgruppe

Haslauer Wanne

Ponyreiten (Rahmenprogramm)

Lehrküche mit Kindern

Training Reduktion

Basteln Windlichter (Rahmenprogramm)

 

Wach von 2:00 Uhr bis 4:00 Uhr. So langsam kommen die Erkenntnisse. Warum bin ich wirklich hier? Was verändert sich? Was lerne ich? Was kann ich Zuhause auch umsetzen? Was muss sich ändern in meinem Leben?

 

Ein paar Dinge sind mir bereits jetzt klar:

 

  • weniger Fernsehen. Wir sind hier seit einer Woche bereits komplett ohne TV oder auch andere digitale Zeitfresser. Digital Detox. Ich habe durchschnittliche Bildschirmzeiten am Handy von 3-4 Stunden pro Tag. Ok gut, ich arbeite auch damit, dennoch sind das JEDEN TAG mindestens 2-3 Stunden die man sichtlich sinnvoller nutzen könnte. Wie oft wünsche ich mir 27 Stunden Tage... Könnte ich haben wenn ich allein nur das Handy beschränke. TV, Konsolen, LapTop mal abgesehen. Ich ärgere mich sehr dass ich erst auf Kur muss um mir das klar werden zu lassen... Auf jeden Fall ist das einer der Punkte die ich nach unserem Aufenthalt hier auch Zuhause umsetzen möchte. 
  • mehr Momente. Fast täglich gibt es hier Minuten oder gar Stunden die mich vollends glücklich machen weil es die Kinder sind. Wieso schaffe ich das Zuhause nicht?! Wenn ich so zurück denke, gibt es das alle 1-2 Monate mal. Ich meine damit so richtige glückliche Momente die im Gedächtnis bleiben. Natürlich ist das in der Umgebung hier einfacher, aber zumindest ein Mal pro Woche muss das doch auch daheim möglich sein. Es sind oft ganz banale Sachen, man muss sich aber darauf einlassen. Irgendwie hatte ich das verlernt...
  • Achtsamkeit. Ich bin eben doch nicht nur Arbeitskraft und Mutter. Ich bin auch noch Ehefrau. Und ich bin ich. Beides habe ich deutlich vernachlässigt, wenn nicht sogar komplett ausgeblendet. Es tut mir gut wieder zu lernen in mich rein zu hören, mir Zeit für mich zu nehmen und zu lesen, zu malen, mich auszupowern oder zu schreiben. Ganz ohne Beschäftigung geht es noch nicht, dann kommen die Angstzustände noch viel schlimmer, aber wenn der Kopf abgelenkt ist und dennoch entspannt geht es mir sehr gut. #jedeWocheeinBuch ist nun mein Ziel. Mich zwingen runterzufahren. Mich zwingen zu entschleunigen. 

 

Walking. Zeit zum Nachdenken unter Anstrengung in wundervoller Naturumgebung. In meiner Erinnerung gibt es im Leben meiner Tochter keinen Tag an dem sie nicht geweint hat. Mindestens einmal immer. In 5 Jahren. Gestern nicht. Nicht ein einziges Mal. Nicht ein Jammern, kein Meckern, keine Träne. Nichts. Mir wird deutlich bewusst wie wichtig diese Kur für sie ist und auch, wieviel ich Zuhause wohl falsch oder zumindest nicht richtig gemacht habe. Ich würde mich auch jetzt noch nicht als schlechte Mutter bezeichnen, aber seither noch viel weniger als die beste Mutter für sie. Und genau das sollte ich sein. Nicht perfekt, aber die beste Mutter die ich sein kann. Ich habe das unterschätzt. Sowas steht irgendwie auch in keinem Ratgeber...

 

Der Große hat auch hier Schule, jedoch besteht hier keine allbekannte Schulpflicht. Die Schule im Bromerhof ist auch mehr Hausaufgabenbetreuung wie Unterricht. Wie soll das auch sonst funktionieren wenn sechs Kinder aus unterschiedlichen Bundesländern zusammen gesteckt werden. Jedes Kind hat unterschiedliche Lernstände und Schulsysteme. Ich finde das gut gelöst. Drei Tage in der Woche für 1 1/2 Stunden und es gibt keine Hausaufgaben. Der Große befindet sich somit im Schulparadies. Sieht er anders.

 

Währenddessen befindet sich die Kleine in Brommelhausen, der Kinderbetreuung und ich habe Entspannungsgruppe. 

Noch komme ich damit nicht klar. Fantasiereisen haben bei mir keine Chance weil mein Kopf noch zu voll ist und ich nicht loslassen kann. Die Angst vor den Panikattacken ist zu groß, der Tinitus zu aggressiv und die Scham sich von der Gruppe etwas anmerken zu lassen zu groß. Die Gruppenleitung macht das toll, sie hat eine sanfte Stimme, wirkt zumindest beruhigend auf mich und würde ich los lassen wäre ich bei ihr gut aufgehoben. Aber soweit bin ich noch nicht. Meine innere Stimme wird immer lauter und mir wird immer klarer, dass ich da alleine gar nicht raus komme und selbst mit Hilfe das vermutlich noch ein langer Weg wird. Meine Angstzustände und auch den Verfolgungswahn habe ich schon mehr als 15 Jahre, also mehr als mein halbes Leben, den Tinitus schon weit mehr als drei Jahre. Närrisch wenn man glaubt dass das in ein, zwei Sitzungen weg geht. 

 

Ich mache einen Termin bei der Psychotherapeutin in meinem Ort aus. Nächster Erfolg innerhalb der Kur. Und ich wollte nicht mal hier her...

 

Direkt im Anschluss und wieder mit Gedankenkarussel gehe ich zur Haslauer Wanne. Eine Art Kleopatrabad in einer Wanne mit 42 Grad Temperatur in der man fast schwerelos liegt. Link zur näheren Erklärung hier: KLICK

 

Trotz diesem WirrWarr im Kopf fühle ich mich hier sehr wohl. Hier wäre ich gern öfter auch wenn ich mit meinen Gedanken wieder 20 Minuten ohne Ablenkung auf mich alleine gestellt bin. Ich fühle mich so wohl dass ich mich mehrfach zwingen muss wach zu bleiben.  Die kurzen Nächte nagen eben doch an mir.

 

Beim Mittagessen nehme ich unbewusst die ersten Nießer und Huster war. Das wird noch ein Spaß.

 

Wir gehen Ponyreiten. Nur die Kleine und ich. Der Große möchte lieber in die Betreuung, was mich in meinem mittlerweile positiven Gefühl in die Erzieher bestärkt. 

Für 15 Euro kann man im Nachbarbauernhof ein Pony „mieten“. Ich war nicht darauf vorbereitet, dass man das kleine Wesen ohne Begleitung führt und somit hätte ich vermutlich einen der dämlichsten Ausdrücke im Gesicht die die Besitzerin je gesehen hat, dennoch war diese Stunde mit dem langhaarigen Teddy eines der schönsten Erlebnisse die ich mit meiner Tochter je hatte. Sie auf dem Rücken von diesem liebevollen, aber sturen Tier, mitten in dieser herrlichen Landschaft bei schönstem Sonnenschein. Wie im Märchen. 

 

Mein Akku hat einen Balken mehr. 

 

Zur Lehrküche kommen wir zu spät. Ich wollte einfach den eben erlebten Moment nicht los lassen. Aber auch dort, mit beiden Kindern, geht es mir gut. Das Herz blüht weiter auf, es macht richtig Spaß! Wir sind für die Waffeln zuständig. Insgesamt werden fünf Gerichte von sieben Kindern gekocht und im Anschluss gemeinsam gegessen. Anstrengend, aber ein Erlebnis welches ich nicht missen möchte. Den Stolz in den Augen der Kinder zu sehen war unglaublich schön.

 

Und was macht man nach dem Essen? Natürlich. Sport. Unter den Augen einer über 60 Jährigen Maschine! Frau D., wenn sie das irgendwann mal lesen, sie sind eine der imponierendsten Personen denen ich in meinem bisherigen Leben je begegnet bin. Unser Gespräch beim Walking werde ich nie vergessen! Sie haben mich motiviert, gequält und meinen Ehrgeiz geweckt. Wir sehen uns in 30 Jahren! Obwohl ich befürchte dass sie auch dann noch 10x fitter sind als ich es je sein werde!

 

Obwohl ich k.o. bin und selbst Muskelkater hinter dem Ohr (?!!!!) habe sind wir noch beim Windlichter basteln, was durch Anmeldung und ein Unkostenbeitrag von 4 Euro pro Kind dazu gebucht werden konnte. Eine halbe, unbeschwerte Stunde später gehe ich mit zwei glücklichen Kindern, zwei wunderschönen Windlichtern und einem tanzenden Herz in‘s Bett.

 

Meinen unsichtbaren Verfolgern Hallo sagen.

 

Tag 8 - 06.02.2019 - Mittwoch

 

Krank.

 

Menüauswahl: Schweinebraten mit Kartoffelpüree oder Blumenkohl mit Kartoffeln

 

Behandlungsplan:

 

Lehrküche Erwachsene

Schule

Ärztliches Zwischengespräch

Massage

Moorpackung

Bewegungsübungen (Rahmenprogramm)

Knobeln mit Kindern (Rahmenprogramm)

 

Der Große hat Halsweh. 

Wir melden uns bei der Krankenschwester und bekommen dennoch das OK für die Kinderbetreuung. Sicher ist sicher. 

 

Ich freue mich richtig auf die Lehrküche, denn heute sind wir Erwachsenen dran. Von acht gemeldeten Teilnehmern (wie angemerkt: die Anwendung sind Pflicht) kommen zwei, darunter ich. Der Rest und wie sich dann zeigte ein Drittel der Patienten ist krank. Die andere Mama und ich holen die Kinder und kochen nun doch mit Nachwuchs. So sind wir wenigstens sechs inklusive der Diätassistentin um das gekochte auch aufzuessen. Diesmal sind wir für die Marmelade zuständig. Wieder ein richtiger Spaß! Wir durften sogar ein paar Gläser mit nach Hause nehmen.

 

Als ich den Großen von der Schule abhole hat er bereits alles an Hausaufgaben aus der Heimatschule erledigt und ich kann ihn für die restliche Zeit von der Schule abmelden. Ist doch auch mal was. Findet er auch.

 

Ein Paket von der Oma! Besser gesagt zwei. Klappt also auch dass man Post hier her senden lässt. Einfach Name und Zimmernummer noch mit drauf. Die Freude der Kinder ist sehr groß! Ich habe meine Mama gebeten uns Klamotten nachzusenden, ich habe einfach zu knapp kalkuliert zwischen den Papabesuchen bei denen auch die schmutzigen Kleider mit den sauberen getauscht werden. Natürlich könnte ich hier waschen, bringt in dem Falle aber nichts wenn man das dreckige dem Mann mitgegeben hat, das sauerere aber nicht im Austausch erhalten hat.

 

Auch die Bargeldsituation hat meine Mama gelöst. Wir sind mit 50 Euro angereist. Viel zu wenig. Letztendlich waren es 350 die wir „gebraucht“, eher verbraucht haben. Rahmenprogramm, Ponyreiten, Kiosk, Cafeteria, Malbücher, Eis essen, Ausflüge… Der nächste Bankautomat ist 35 Minuten einfacher Fußweg weg und der Klinikbus hat leider nicht mit unseren Behandlungszeiten zusammen gepasst. Da uns der Papa hergebracht hat sind wir auch ohne Auto hier (braucht man außer für Geld auch eigentlich nicht). 35 Minuten einfach laufen die Kids mir aber nicht mit ohne dass es lautstarkes Gezeter gibt. Der doch recht unsichere Postweg war daher meine Rettung bis wir am kommenden Freitag mit dem Papa in Isny waren.

 

Das ärztliche Zwischengespräch tagesabschließend geht schnell. Mir geht es soweit gut, am Plan ändern will ich nichts und als wir fast fertig sind klingelt doch das Telefon. 

 

Ein Anruf aus Brommelhausen. Die Kleine weint und ich soll sie abholen. Als ich oben ankomme sitzt sie komplett aufgelöst alleine an einem Tisch. Ohne Zuneigung. Ich gebe zu, das ist nur meine Momentaufnahme, und mir ist auch bewusst, dass sie Erzieherinnen sich nicht nur um sie kümmern können, aber es hat mir das Herz zerrissen wie sie da alleine, komplett gebrochen sitzt und weint. Mein Vertrauen in die Betreuung war ein wenig erschüttert. Ich hab sie an dem Tag auch nicht mehr hingebracht. 

 

Während den anschließenden Terminen war sie oben mit dem Großen im Zimmer. Zwar ohne Aufsicht, aber durch die bereits geknüpften Kontakten weiß man wer im Nebenzimmer ist, wo man hin kann, und wer auch mal nach dem rechten schaut wenn ich weg bin. Ohne Netzwerk geht es eben auch hier nicht, oder zumindest nur schwer.

 

Die Situation in der Kinderwelt ging mir auch abends noch Nahe, da aber mit mehr Abstand. Ich kann nicht mal sagen ob die Erzieherin nur aufgestanden ist um ihr ein Taschentuch zu holen und ich eben genau in dem Moment rein kam. Ich weiß es nicht und hätte es, als ich sie so sah, auch nicht wahr genommen. Meine Wogen waren wieder ein wenig geglättet, denn auch die Kleine wollte Morgen wieder hin. Vermutlich sah es für mich daher schlimmer aus als es war.

 

Tag 9 - 07.02.2019 - Donnerstag

 

Ein Groschen mehr

 

Menüauswahl: Putenschnitzel mit Spätzle oder Zwetschgenstrudel

 

Behandlungsplan:

 

Einzelgespräch Psychotherapeutisch

Wassergymnastik

Turngarten (Rahmenprogramm)

Training Reduktion

Marte Meo Basisgesprächskurs

Yoga

 

Beide haben Halsweh. Der Große Fieber. Kinderbetreuung fällt daher für uns aus und die Kids bleiben auf dem Zimmer.

 

Es gibt abends zwar eine Art Horchwache, bei der ein Mitarbeiter in den gewünschten Zimmern immer mal nach dem Rechten schaut. Die Eltern können in der Zeit am Rahmenprogramm teilnehmen, ins Schwimmbad oder auch nur mal durchatmen im Café. Wir selbst haben das nicht genutzt, dafür sind die beiden einfach schon zu groß, aber das Angebot finde ich wirklich hilfreich. Tagsüber gibt es das nicht, aber wie ich schon schrieb, die beiden bekommen das auch hervorragend alleine hin. Schließlich ist man meistens nur 20, 45 oder 60 Minuten weg und die Kinder wissen wo man sich befindet.

 

Der nächste Groschen ist gefallen.

 

Beim psychotherapeutischen Einzelgespräch. 

Wenn man eine Entscheidung trifft, reden drei Bereiche im Körper mit. Der Kopf, der Bauch und das Herz. 

Mein Herz ist schüchtern und müde. Ich denke es ist ausreichend was ich damit sagen will. Ein einstündiges Gespräch mit Tränen hier zusammenzufassen ist schlichtweg nicht in meinem Sinne. Ich habe aber noch zwei für mich wertvolle Tipps erhalten:

  • den Tinitus kann ich übertönen. Wenn man nicht mehr dran denkt, verschwindet er. Solange man ihn aber hört und er nervt geht das nicht. Also: mit Musik, Meeresrauschen oder Regenprasseln einschlafen. Nun, ein paar Tage später, kann ich berichten dass das hervorragend funktioniert.
  • dem Herz einen Stundenplan schaffen. Ja, richtig gelesen. Man schreibt sich Unmengen an Terminen in seinen Kalender. Aber Zeit für sich nicht. Warum nicht? Hat etwas wie ein Buch lesen, malen, Badewanne, etc. nicht den Wert wie ein Besuch beim Frauenarzt oder der Elternsprechtag? Zugegebenermaßen klingt das auch in meinem Kopf etwas lächerlich. Aber ich werde es versuchen, denn Sinn macht es allemal.

 

Mit den neuen Erkenntnissen starte ich in die Wassergymnastik. Wie. Cool. Ist. Das. Denn?! Ich bin ein Sportmuffel und habe auch einiges zu viel auf den Rippen, aber das macht einen heiden Spaß! Warum geht das denn nur 30 Minuten? Das könnte ich Stunden machen! Angezogen und auf dem Zimmer angekommen google ich erstmal ob es das Zuhause auch gibt. Gibt es und ihr wisst was ich demnächst Freitag Abend mache. Somit wäre der nächste Meilenstein der Kur erreicht: Ich habe eine Sportart gefunden die Spaß macht! 

 

Nach dem Reduktionstraining muss ich abbrechen. Schwindel, Fieber, Kopfschmerzen. Die Nebenhöhlen sind dicht. Jetzt weiß ich auch warum die Hygiene so groß geschrieben wird und warum ein Fieberthermometer auf der Packliste steht.

 

Wir gehen trotzdem dem mittlerweile allabendlichen Ritual nach und kochen uns Tee. Im Zimmer selbst gibt es keine Küche aber auf jedem Stockwerk eine Teeküche mit Wasserkocher, Flaschenwärmer, Kühlschrank, Spüle, Tee und Besteck. Außerhalb der Kantine gibt es kostenlos nur Wasser. Still, Medium und mit viel Kohlensäure. Es ist abends daher schon toll wenn man sich noch einen Tee machen kann. Teebeutel sind in verschiedenen Sorten vorhanden.

 

Tag 10 - 08.02.2019 - Freitag

 

Das erste mal Ausserhalb

 

Menüauswahl: Backfischfilet mit Kartoffel oder Folienkartoffeln mit Quark

 

Behandlungsplan:

 

Interaktion Eltern mit Kind

Kindersport

Physiotherapie Gruppe

Zirkusweltprojekt

Einzelförderung Marte Meo

Wassergymnastik

Walking

Märchenstunde (Rahmenprogramm)

 

Die ersten Briefe sind fertig und die Kids werfen ihr allerersten selbst geschriebenen Kuverte eigens in den Klinikbriefkasten. Briefmarken haben wir im Kiosk geholt. Dort gibt’s noch allerhand anderes: Hygieneprodukte, Malsachen, Postkarten, Spielzeug, Andenken, Getränke, Süßigkeiten, Trinkflaschen, Spiele und noch einiges mehr. 

 

Wir sind alle immer noch krank, aber Fieberfrei. Mit OK der Krankenschwester dürfen die Kinder wieder in die Betreuung und ich kann meinem Plan weiter nachgehen.

 

Unser Marte Meo Film wurde heute gedreht. Ich war anfangs recht traurig warum ich ein Kind auswählen musste, mit welchem der 10-minütige Film aufgenommen wird, habe aber bei der Auswertung schnell verstanden warum es nicht notwendig wäre dies mit einem weiteren Kind zu wiederholen. Anfangs dachte ich weiterhin, dass man sich in den 10 Minuten, in denen mir bewusst ist, dass man mich beobachtet, sich auf einfache Art und Weise verstellen kann. In gewissen Momenten oder Verhaltensweisen ist das auch so, aber seine innerlichen Muster eben nicht. Ich bin ab diesem Zeitpunkt sehr gespannt auf die Auswertung am Montag.

 

Gerade in solchen aufregenden und auch spannenden Momenten bin ich froh wenn mein Mann bald zu Besuch kommt. Es klingt blöd aber irgendwie ist es doch einfacher wenn man ein Teil der Nervosität und auch Spannung durch Sprechen abgibt. 

 

Wir fahren zu viert nach Isny in die Stadt. Trotz dessen dass wir nur 30-35 Minuten entfernt wohnen, waren wir hier noch nie. Eine hübsche kleine Stadt mit verträumter Fußgängerzone in der man fündig wird. Fast egal nach was man sucht, aber eigentlich sind wir hier um zu essen. Eine kleine Gaststätte in der Innenstadt ist unser Ziel. Burger, Pommes, Spätzle, Flammkuchen - eine schöne Abwechslung zur Kantine im Bromerhof. Wie ruhig es hier ist im Gegensatz zum Speisesaal wird mir allerdings erst beim Frühstück zurück in der Klinik bewusst. 

 

Wir haben die Märchenstunde verpasst. Sowas mag ich ja garnicht! Sich für etwas anmelden und dann nicht erscheinen... Ich habe es, zu meiner Verteidigung, schlichtweg durch die Familienzeit in Isny einfach vergessen! Schade, alle schwärmen... Aber wir kommen damit klar.

 

Mein Mann fährt anschließend auch wieder. Übernachten, obwohl möglich, macht für uns einfach keinen Sinn. Theoretisch können wir und täglich spontan sehen durch die geringe Entfernung, schränken es aber auf das Wochenende ein. Trotzdem ist es immer wie ein Loch im Herz wenn der Abschied für den Tag wieder ansteht. Gerade auch, weil ich somit alleine schlafen muss und das ein gefundenes Fressen für die Panikattacken ist.

 

Erst Recht wenn sich die Tür um 22:52 plötzlich alleine schließt und in‘s Schloss klickt. Der erste Abend an dem ich über 30 Minuten wie erstarrt in meinem Bett sitze, mit den Augen nach etwas suche was als Waffe tauglich wäre und mein Verstand wie in einen Tiefschlaf fällt. Jetzt, wenn ich den Abend bei Tageslicht rekonstruiere ist mir klar was passiert sein muss, in dem Moment selbst wäre denken unmöglich gewesen. Ich vermute, dass die Kleine die Tür nicht richtig geschlossen hatte als sie in der Teeküche war und der Wind abends dies dann eben übernommen hat. Ein banaler Auslöser der mir, einer doch nicht ganz Intelligenzlosen Frau, den Verstand komplett ausgeblasen hat. Ich ärgere mich fürchterlich über mich wenn das passiert. Ich weiß doch dass da nichts ist, niemand gerade herein gekommen ist und auch niemand hinter dem Vorhang oder unter dem Bett ist. Dennoch ist die Angst echt. Ich weine die halbe Nacht. Aus Wut, Angst und Verzweiflung. Das kann so nicht weiter gehen. Letztendlich schlafe ich unter Flutbeleuchtung für 2-3 Stunden doch ein.

 

Tag 11 - 09.02.2019 - Samstag

 

Da draussen ist Jemand

 

Menüauswahl:  Schnitzel mit Kartoffelsalat oder Gemüseragout mit Reis

 

Behandlungsplan: -

 

Ich bin müde. Irgendwie ist der Teufelskreis nicht zu durchbrechen. Müdigkeit trübt die Wahrnehmung wodurch der Wahn noch stärker wird, der mich dann noch weniger schlafen lässt. Bis ich dann vor Erschöpfung 12-13 Stunden durch schlafe. Und das alles obwohl ich ganz genau weiß dass ich mir das alles nur einbilde... Warum ist das in meinem Kopf? Es soll einfach aufhören!

 

Mittlerweile ist Halbzeit. Ich sehe das mit gemischten Gefühlen. Ich freue mich auf Zuhause, ganz klar, aber ich habe auch ein wenig Bauchweh davor. Was ist wenn ich meine Vorsätze und auch die hier gelernten Ansätze nach wenigen Tagen oder Wochen wieder über Bord werfen oder vernachlässige? Es muss sich was ändern in meinem Leben. Ich muss endlich den Schritt gehen, den Mut zusammen nehmen und Veränderungen schaffen. Aber was ist wenn der selbe alte Trott einzieht? Schon wieder habe ich Angst. Ein toller Dauerbegleiter auf einer Kur auf der man auch entspannen soll. Läuft...

 

Heute kommt der Papa schon morgens und meine Gedanken sind erstmal wieder fröhlich. Da mein Mann das hier irgendwie alles zu laut und zu fremd findet, was es anfangs auch wirklich ist, fahren wir nach Kempten ins Forum, einem Shoppingcenter. Einfach mal raus, andere Menschen sehen, anderen Lärm hören und auch ein Stück Freiheit. Ich fühle mich im Bromerhof zwar nicht eingesperrt, dennoch ist man in einer Art Parallelwelt.

 

Zu unserer Freude ist auch unser Hund dabei. Hätte er sich überschlagen und Luftsprünge machen können, als er und sieht, hätte er es getan. Mein Herz jedenfalls tut es. Wie sehr er mir doch fehlt... Er ist ein Tollpatsch, eine Nervensäge, ein Schlitzohr und dennoch vermisse ich ihn, das alles und noch viel mehr. Ich freue mich doch wieder mehr auf zu Hause. Trotz Sorgen die dort auf mich warten.

 

Mittags steht der Abschied auch schon wieder an. Zum Glück nur bis Morgen. Wir sitzen mit einer kleinen Familie am Tisch die wir auch ins Herz geschlossen haben. Der Kleine ist dunkelhäutig. Dinge die für mich normalerweise keine Rolle spielen, für die weitere Erzählung aber unabkömmlich sind.

Mein Großer und der Kleine spielen „Ich sehe was, was du nicht siehst“ um sie noch so lange relativ ruhig am Tisch zu halten bis wir fertig gegessen haben. „Es ist gelb...“, „Es ist rot...“, „Es ist blau...“, soweit alles entspannt. „Es ist Hautfarben.“ Das hat mein Sohn gerade nicht gesagt, oder? Mein Gesicht färbt sich zu einer weiteren Hautfarbe und ich habe doch recht große Angst wie die Mütter reagiert. Was hat sie schon erlebt? Wie groß ist der Hass den sie bisher aushalten musste gegenüber ihrem Sohn? Sie lacht. Ich bin erleichtert! Im weiteren Gespräch erkenne ich, dass mein Sohn nicht bemerkt hat, dass der Kleine anders aussieht. Für ihn ist es einfach nur ein Kind, mehr nicht. Für mich ist es eine wundervolle Erkenntnis. Im Boden versinken würde ich dennoch gerne ein paar Minuten.

 

Nachmittags verbinden wir einige Zeit im Café. Mitarbeiterin 1 ist auch da. Ich habe sie vor ein paar Tagen ja bereits erwähnt. Im Bromercafe dürfen bis 20:00 Uhr, ausserhalb der Ruhezeiten mittags, auch Kinder. Dort wird gespielt, sich unterhalten, gelesen, Kontakte geknüpft oder einfach mal durchgeatmet. Es gibt Kaffee, Kuchen, Snacks, Wein, Bier, Tee, Kindercocktails und vieles mehr. Dadurch, dass dort aber auch immer Kinder sind, die sich ebenfalls unterhalten, weinen, sich lauthals freuen wenn sie bei einem Spiel gewinnen oder wütend sind wenn sie verlieren, ist es eben auch ein recht hoher Lärmpegel. Die Tür geht auf, schliesst sich, geht auf, schliess sich, geht auf, … Stühle werden gerückt, Geschirr klappert, naja, eben alles was mit Kindern so ansteht. Mitarbeiterin 1 ist leider auch das zu viel. Es ist nicht der Fall, dass es übermäßig laut ist oder Kinder brüllen, Nein, es ist lebhaft. Mitarbeiterin 1 ruft mehrfach hinter der Theke hervor: „Müsst ihr so laut sein?“,  „Könnt ihr euch nicht benehmen?“ und läuft irgendwann auch durch die Reihen und spricht die Kinder in harrschem Ton direkt an. Jede Mutter weiss, dass wenn man das Kind „angreift“ die Mutter zum Löwen wird. Die Stimmung erhitzt sich und Mitarbeiterin 1 zieht sich dahin murmelnd hinter die Theke zurück. Ich verstehe sie, sie ist schon älter, ihr ist das zu viel. Ich verstehe jedoch nicht, warum sie dann genau hier arbeitet. Einem Ort mit circa 70 Familien und doppelt so vielen Kindern. Auch in mir steigt Wut auf. Möge sie doch bitte die Eltern ansprechen, nicht die Kinder verängstigen. Es ist meine Aufgabe die Kinder zu bändigen, nicht ihre, auch wenn ich an diesem Tag nicht von ihrer Ansprache betroffen bin. Ich sitze nur hier und beobachte. Sichtlich sieht man ihren Unmut, die Machtlosigkeit und das Unglück in ihren Augen. Sie möchte hier nicht sein. Ich auch nicht mehr und gehe hoch.

 

Mittlerweile mischen sich die anfänglichen Gruppen wieder bunt durch, neue entstehen, alte werden kleiner oder noch größer, andere bleiben genau so wie sie ab dem ersten Tag waren. Immer wieder bekommt man nun mit wie schlecht gesprochen wird. Über den Bromerhof, die Mitarbeiter, andere Patienten, irgendwas. Ja, irgendwas ist ja immer. Sobald das eigenen Leben nicht mehr aufregend genug ist, wird geredet. Oft wünsche ich mir, dass viele sich erst einmal mit der Person unterhalten oder hinterfragen der sie gerade das Messer in den Rücken rammen. Aber das ist weder meine Aufgabe, noch habe ich den Elan dafür mich einzumischen. Ich verteidige mein Umfeld, für den Rest habe ich keine Kraft. Und, ganz ehrlich, auch keine Lust. Manche Menschen kann man nicht belehren. Es hat sich über Jahrzehnte in den Köpfen dieser festgesetzt, sie sind so. Das gibt es überall.

Allerdings muss das doch an jeder Mutter nagen? Das Gefühl, oder die Angst, dass über sie selbst auch so gesprochen wird? Oder denken die nicht in diese Richtung? Mir selbst jedenfalls gibt es ein schlechtes Gefühl wenn ich über andere schlecht spreche und auch wenn ich Angst haben muss, dass jemand über mich so spricht. Irgendwie ist es mir aber auch egal. Zumindest rede ich mir das ein.

 

Ich habe heute den Schlüssel zum dritten Mal im Zimmer vergessen. Mittlerweile kennt man an der Rezeption schon meinen Namen. Ach ja. Darf ich vorstellen? Ich. Ganz normal…

 

Durch die Sonne ist heute viel abgetaut, die Dachlawinen fallen den ganzen Tag schon auf unsere Terrasse. Draussen spielt ein Kind genau in diesem Bereich, eine andere Mutter warnt die Mutter des Kindes, stösst aber auf taube Ohren. Sie ist nicht von hier, ich denke ihr ist nicht bewusst, dass das tödlich sein kann und sogar ein Autodach eindrückt. Ich bin immer wieder erschrocken wie ausgebrannt manche Eltern hier sein müssen, sie sind so sehr mit sich selbst im Kampf, dass sie Gefahren und Bedürfnisse der Kinder kaum noch wahr nehmen. Es gibt auch in den nächsten Tagen immer wieder Situationen die mich sehr erschrecken.

 

Die Dachlawinen machen meine Nacht zum Alptraum. Völlig übermüdet versuche ich zu schlafen, aber alle 20-30 Minuten kracht es draussen vor der Tür mit einem gewaltigen Schlag. Für Menschen wie mich, die unter Angstzuständen, Panikattacken und Verfolgungswahn leiden fast nicht mehr aushaltbar. Da draussen ist jemand, obwohl mein Verstand genau weiss, dass dort niemand sein kann. Dennoch, da ist Jemand. Ich kann nicht mehr. Es muss aufhören. Bitte. Jetzt. 

 

Irgendwann schlafe ich ein und wache kurze zeit später am nächsten lauten Knall auf. Heute schlafe ich nicht mehr. Ich stehe am Rand meiner Grenzen. Ja, ich bin nicht ohne Grund hier.

 

Tag 12 - 10.02.2019 - Sonntag

 

Das Bad steht unter Wasser

 

Menüauswahl: ganztägiges, riesiges und auswahlreiches Buffet

 

Behandlungsplan: -

 

Ich habe noch nie so deutlich über meine Ängste und Psychosen gesprochen. Noch nie. Und jetzt, jetzt lesen es bis zu 300.000 Menschen. Meine Familie, mein Umfeld. Ich bin nicht sicher ob ich das alles doch nur für mich schreiben sollte. Nein, es muss raus. Ich bin krank und möchte es nicht länger verstecken. Es gehört zu mir und ich muss mich dafür nicht schämen. Tue ich aber.

 

Mein Mann kommt zum Brunch und ich bin sehr glücklich. Auch er weiss bisher nicht von meinen Zuständen. Man merkt das äusserlich nicht. Ich flüchte mich seit Jahren in die Arbeit, bin ein Workaholic, weil ich dann keine Zeit habe für diese Zustände. Der Kopf ist viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt. Und jetzt, hier, kommt alles raus.

 

Ich bin froh dass es die Möglichkeit gibt, dass Besucher mitessen können. Ich musste ihn lediglich beim Küchenpersonal anmelden und wir geniessen sogar knapp 30-45 Minuten zu zweit, denn die Kinder spielen oben mit einer anderen Patientenfamilie. Es ist toll, wie eine riesige Familie. Auch wenn immer wieder jemand schlecht redet, es gibt auch immer jemand der zuhört, hilft oder einfach nur da ist.

 

So langsam komme ich sogar mit dem Heimweh klar. Der Mensch gewöhnt sich irgendwann an fast alles. Gerade durch den immer wiederkehrenden Zusammenhalt fällt es mir leichter, zumindest so lange es hell ist.

 

Mittlerweile habe ich schon alle meine mitgebrachten Bücher gelesen, weswegen ich neue direkt hier her bestelle. Auch Kratzbücher für die Kinder, die sie seit sie hier sind sehr gerne abends machen. Erst ein paar Tage später entdecke ich die Bücherei im Haus. Hier fühle ich mich wohl. Am liebsten wäre ich die ganze Nacht hier. In einer Bücherei leben Geschichten, hier kann auch meine Kopfgeschichte leben, leider hat die Bücherei nachts aber nicht auf und fragen ob ich den Schlüssel haben kann, möchte ich auch nicht. Ich müsste dadurch nämlich zugeben, dass ich nachts ein ausgeprägtes Problem habe und das werde ich nicht. Müsste ich mir ja eingestehen, dass es wirklich ein Problem ist.

 

Die Bücherei befindet sich im Hauptgebäude im zweiten Stock. Dort ist auch der Entspannungsraum. Das Schwimmbad, die Turnhalle, der Gymnastikraum und der Wellnessbereich befinden sich im Aussengelände, welches unterirdisch mit einem Gang verbunden ist. 

 

Am Wochenende ist keine Kinderbetreuung. Es gibt im Gang an der Eingangshalle aber eine Liste mit Babysittern oder man unternimmt einfach etwas mit den Kindern ausserhalb des Hofes. Wir haben auch überlegt ob wir zu Sealife nach Konstanz fahren oder ins Spielzeugmuseum in Ravensburg. Letzt endlich entscheiden wir uns aber für das Zimmer und geniessen die Zeit zu viert mit Karten spielen, Kuscheln, malen und einfach Ruhe. Die Kinder erzählen so viel, über den Therapiehund Simba aus der Kinderbetreuung, den vielen Freunden die sie gefunden haben, was sie erlebt haben und noch viel mehr. Es ist toll zu hören wie sie den Aufenthalt hie mit eigenen Augen sehen und wahrnehmen. Vieles deckt sich mit meinen Gefühlen.

 

Als der Papa fährt gehen die beiden noch in die Badewanne und ich lese. Ein tolles Buch, es reisst mich mit und ich bekomme die Kinder nur noch dumpfe als Hintergrundgeräusch mit. Ein fataler Fehler. 

 

Das Bad steht unter Wasser.

 

Vor lauter Unbeschwertheit und Spaß haben die Kinder das ganze Bad überflutet. Die Kleidung, Schuhe, ALLE (!) Handtücher, sämtliche Taschentücher und die komplette Dreckwäsche. Ich hätte jetzt und zwar genau jetzt gerne einen Vortrag über Gelassenheit. Meine Nervengrenze ist erreicht und ich putze eineinhalb Stunden das Bad, mit mucksmäuschenstillen Kindern.

 

Den restlichen Abend spricht niemand mehr auch nur noch einen Satz. Vielleicht war ich zu hart. Es tut mir leid.

 

Tag 13 - 11.02.2019 - Montag

 

Reue

 

Menüauswahl: Hackbällchen mit Kartoffelpüree oder Penne mit Gorgonzolasosse

 

Behandlungsplan:

 

Kindersport

Walking

Einzelförderung Marte Meo

Kinderschwimmen

Ergometer (freiwillig)

Interaktion Sport Eltern mit Kind

Basteln Schneemann (Rahmenprogramm)

 

Beim Frühstück entschuldige ich mich für meinen lauten Ton bei den Kindern. Ich erkläre ihnen dass ich traurig wahr weil sie das gemacht haben und wir sitzen, zwischen vollen Tischen, zu dritt heulend im Speisezimmer. Irgendeiner weint eben immer.

 

Zum Glück haben wir einen Wäscheständer im Zimmer. Ich habe keine Ahnung wie ich sonst diesen triefenden und tropfenden Berg von gestern Abend aufhängen soll. Zwei Tage später sind dann auch die Filzlederpantoffeln der Kinder wieder steintrocken.

 

Heute Nachmittag haben wir frei und meine Mama kommt zu Besuch. Es hat wirklich Vorteile wenn man um die Ecke wohnt. Ich habe den Kindern zwar vorher gesagt, dass die Oma mal kommt, aber nicht wann. Diese Freude als die Überraschung gelingt - unbeschreiblich! Die nächste halbe Stunde führen die Kinder ihre Oma aufgeregt durch das Gebäude, zeigen, erzählen und strahlen. Wir bleiben im Café für eine Stunde und beschliessen dann in eisiger Kälte und viel Wind dennoch die Bollerwagen auszuleihen und einen Spaziergang zu machen. Eine Stunde voller toller Gespräche, Freudenstrahlen, viel lachen und unendlicher Zeit. Zuletzt würde ich gerne noch in Isny in die Buchhandlung (die Bücherei hatte ich zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht entdeckt), denn meine Bücher habe ich nach Hause bestellt, statt hier her. Bis diese nun weitergeschickt oder mitgebracht sind dauert es noch und ich habe keinen Lesestoff mehr. Zuletzt bleibt meine Mama noch zum Abendessen und fährt dann, glaube ich, glücklich nach Hause. Ich denke es tat ihr gut zu sehen wie wir uns hier entwickeln und dass wir in sorgfältigen Händen sind. Ich glaube, dieses Gefühl einer Mama hört einfach nie auf.

 

Ein Kind übergibt sich im Flur. Da bin ich wieder, auf dem Boden der Tatsachen. Habe ich etwas gegen eventuellen Magen-Darm-Anflug dabei? Ich glaube nicht. So langsam kristallisiert sich heraus was ich hier wirklich brauche und was nicht.

 

Seife, zusätzlich zu den normalen Hygieneartikeln. Einen Föhn, Bademäntel, Handtücher und Waschlappen. Ja, auch das bereits erwähnte Fieberthermometer. Eine Reiseapotheke schadet auch nicht, hat man ja gemerkt.

 

Spielzeug für das Zimmer. Beschäftigung auch für Erwachsene. 100-200 Euro Bargeld, Waschmittel, Taschentücher und einen Schreibblock.

 

Outdoorsportschuhe, Indoosportschuhe, ausreichend sehr viel Sportkleidung, dick und dünn, Winterkleidung am besten mit Schneehose, Handschuhe, Schal, Mütze, Badesachen, Schwimmflügel.

 

Wechselkleidung, bequeme Kleidung, Schlafkleidung, Indoorkleidung, Outdoorkleidung. Also wirklich, Kleidung kann man hier kaum genug haben. Ich ziehe mich teilweise 4-5x am Tag um, weil zu jeder Behandlung etwas anderes notwenig ist.

 

Gleiches gilt bei den Kindern. Schneeschuhe, Gummistiefel, Turnschuhe, Hausschuhe - ja, auch ein Schuhgeschäft könnte ich hier eröffnen.

 

Bettwäsche bekommt man nicht, kann man hier auch jederzeit tauschen lassen. Einen Rucksack auch nicht unbedingt, empfiehlt sich aber. Die Kinder haben am ersten Tag in der Betreuung einen Stoffbeutel bemalt und beschriftet, dieser ersetzt hier die Kindergartentasche.

 

Und eine Trinkflasche. Pro Kopf. Auch für Erwachsene. Zwar kann man diese hier auch kaufen, kann man sich aber sparen wenn man pro Person schon eine mitnimmt. Es gibt im Erdgeschoss einen Wasserspender den man mit diesen Flaschen nutzen darf. Tassen sind auf den Zimmern nicht gerne gesehen, besser unzerbrechliche, wiederverschliessbare Trinkflaschen mit großer Öffnung am Schaft. Ab- und ausspülen kann man diese in den Teeküchen auf den einzelnen Etagen.

 

Heute merke ich wieder einmal, dass die hauptsächliche Gesprächstherapie unter den Patienten selbst stattfindet. Nicht nur einmal habe ich geweint im Gespräch mit anderen, sondern auch andere im Gespräch mit mir. Es ist scheusslich welche Schicksale einem hier zuteil werden, welche Geschichten über erlebtes man erfährt und welches Leid man spürt. Hier sind nicht einfach nur Mütter (und Väter) die gestresst und ausgebrannt sind, Nein, hinter jedem Lächeln hier steckt eine unschöne, traurige Geschichte. Zumindest kommt es mir so vor. Ich habe längst nicht mit allen Gesprochen die hier anwesend sind.

 

Es wird mir auch heute Abend wieder einmal bewusst, dass dies die letzte volle Woche ist, die gerade stattfindet. Ich werde wehmütig und ängstlich. Was ist denn danach? Geht alles weiter wie davor? Schaffe ich es aus dem allem Auszubrechen und wirklich etwas zu ändern? Allerdings verwerfe ich den Gedanken dies mal schnell. Es ist jetzt, ich sollte geniessen so lange es geht. Aufsaugen, Erfahrungen sammeln, lernen, Kraft tanken und wenn es soweit ist kann ich mir immer noch Sorgen darum machen was nach der Kur sein wird.

 

Tag 14 - 12.02.2019 - Dienstag

 

Bin ich hier richtig?

 

Menüauswahl: Seelachsfilet mit Reis oder Milchreis

 

Behandlungsplan:

 

Walking

Ergometer (freiwillig)

Hydroluxwanne

Marte Meo Basisgesprächskurs

Vortrag: Stress in der Familie

Basteln T-Shirts bemalen (Rahmenprogramm)

 

Noch vor dem Frühstück wird mir bewusst, dass man Kleidung und Trinkflaschen besser beschriftet. Naja, haben wir jetzt eben die gleiche Jacke in zwei Nummern zu klein. Wird schon wieder auftauchen…

 

Auch heute gibt es in der Kinderwelt wieder Programm. Es ist wirklich toll wie viel Mühe sich hier gegeben wird. Jeden Tag gibt es neue Projekte, eine Disko, Themenwelten, Basteleinheiten, Kino - und stolze Kinder die von all dem Berichten und ihre Werke vorzeigen. Ja, es ist hier anders wie in einer normalen Tageseinrichtung für Kinder, aber nicht schlechter. Die Kleine hat mittlerweile schon eine Lieblingserzieherin und wie ich sehe ist es nicht nur bei ihr genau diese Frau. Unzählige Fotos von ihr und vielen vielen anderen Kindern hängen eingerahmt an der Wand. Allesamt glücklich und gut aufgehoben so wie es scheint.

 

Leider ist das Schwimmbad zu. Angeblich weil er Wasserfilter nicht funktioniert, aber man weiss ja nie. Hoffentlich bleibt das nicht den Rest der Kur so, alleine schon deswegen, weil mir Wassergymnastik einen solchen Spaß macht und ich dies nicht verpassen möchte. Ich schwing mich daher auf das Ergometer, das jederzeit zur freien Verfügung steht, sobald man die Einweisung mitgemacht hat. Lediglich ein Pulsgurt ist dann noch notwenig. Kann man sich aber an der Rezeption leihen. Ich glaube wir werden keine Freunde, das etwas andere Fahrrad und ich, aber ich habe schliesslich ein Ziel - und das erreicht sich bekanntlich nicht von alleine.

 

20 Minuten in denen ich wieder Zeit zum denken habe, über Gott und die Welt, über die anderen Patienten hier und was sie zu dieser Kur bewegt hat. Jeder kommt aus einem anderen Grund. Manche wegen der Kinder, manchen wegen sich selbst. Manche bereits krank, manche noch kurz davor. Manche nach schrecklichen Ereignissen, manche nach langen Leidenswegen, manche nach Operationen und und und. Irgendwie hat kaum einer hier die gleiche, nicht mal eine ähnliche Geschichte, aber irgendwie doch alle das gleiche Ziel: Raus. Raus aus dem Stress. Aber ich? So wirklich gehöre ich hier nicht her. Zumindest fühle ich mich so.

 

Herausgerissen aus meinen Gedanken werde ich durch ein klingelndes Handy im Nebenraum. Handys sind nur in der Cafeteria und den eigenen Zimmer erlaubt. Dennoch klingelt in einer von circa drei Behandlungen mindestens einmal eines oder jemand tippt darauf rum. Selbst beim Yoga, und das nicht nur einmal, sondern ganze sechs mal von der gleichen Person. Und dabei soll man entspannen. Natürlich. Selbst im Speisesaal, wenn Eltern dort mit ihren Kindern sitzen, wird das Handy unter dem Tisch gehalten und die Mütter oder Väter versinken in der digitalen Welt. Genau so wie ich Zuhause. Ich schäme mich. Wie konnte ich das bisher nicht sehen? Erst jetzt fällt mir auf, dass jedes Mal wenn Mutter oder Vater an diesem Ding hängen, die Kinder irgendwie hilflos, vergessen und absolut alleine wirken. Oft reagieren die Eltern nicht mal auf Ansprache (wie ich), sprechen fast 10-15 Minuten kein Wort mit ihren Kindern und nehmen sie nicht mal war. Nein, jetzt wie ich das sehe will ich das nicht mehr. Ich habe mein Smartphone hier eh auf dem Zimmer, schaue gerade mal morgens und abends drauf, oder wenn die Kids gerade nicht bei mir oder vertieft im Spiel sind. So möchte ich das beibehalten. Nichts in der sozialen Onlinewelt kann so wichtig sein, dass man dabei seine Kinder ignoriert und nicht mehr beachtet. Man muss auch nicht ständig erreichbar sein. Warum auch? Wenn wirklich etwas ist erreicht man mich auch anders.

Ich bin ganz froh dass es kein allgegenwärtiges WLAN gibt. Obwohl mich das vor Kurantritt schon sehr abgeschreckt hat. Zwar habe ich mein eigenes WLAN dabei, nutze das aber nur für Facetime, Überweisungen, das verschicken von Fotos an die Angehörigen und um meinen Panikattacken nachts keine absolute Macht zu schenken. Ablenkung ist einfach unumgänglich. Sei es Musik, stumpfe Bastelvideos oder eben doch Social Media.

 

Tag 15 - 13.02.2019 - Mittwoch

 

Use it, or loose it.

 

Menüauswahl: Schnitzel mit Kartoffeln oder Nudeln mit Tomatensoße 

 

Behandlungsplan:

 

Walking

Marte Meo Abschluss

Wassergymnastik (ausgefallen)

Ernährungsberatung

Filmvorführung „Zwischen zwei Welten“

Filmvorführung „Brüllfalle“

 

Nachdem der Wecker geklingelt hat merke ich wieder: Es ist kein Urlaub, es ist eine Kur. Ich muss morgens früh aufstehen, die Behandlungen sind Pflicht, die Ernährung wird beobachtet, ich bin ohne Mann hier, Sport ist ein Muss und spätestens bei den Termin mit den Ärzten sollte das Urlaubsflair etwas verschwinden. Dennoch ist es auf der anderen Seite auch wieder wie Urlaub. Es kommt immer ganz drauf an ob man auf die Termine Lust hat oder nicht, ob einen die Sehnsucht übermannt oder nicht oder ob man, wie ich heute, gerne ausschlafen würde oder nicht. Nein. Es ist noch dunkel draussen und der Wecker schreit ganz laut: „KEIN URLAUB“.

 

Gleich auf dem Weg zum Frühstück werde ich auch daran erinnert, dass hier nicht jeder meine Erziehungsmethode teilt. Ein „Halt jetzt dein Maul“ von der Mutter an das circa zweijährige Kind lässt einen schnell wach werden. Kaffee brauche ich heute nicht mehr. Hätte auch gar nichts gebracht, denn der Schock über diese Aussage sitzt tief. Das schöne an diesen Momenten ist jedoch, dass die eigene Wahrnehmung der doch nicht ganz schlechten Erziehung in den Vordergrund rückt. Ich bin ein wenig stolz, dass der Umgang meinerseits mit meinen Kindern deutlich harmonischer ist, auch wenn ich manchmal ebenfalls aus der Haut fahre. Aber eine Beleidigung, Demütigung, Schimpfworte oder psychische Gewalt an den Kindern versuche ich doch gängist zu vermeiden. Ich glaube die Mutter hat meinen schockierten Blick gesehen, zumindest dreht sie sich den Rest der Kur von mir weg. Aus Scham? Oder weil ich mit meinem Blick böse geurteilt habe? Ich weiss es nicht. Womöglich auch nur Zufall und ich bilde mir das ganze nur ein.

 

Seit 14 Tagen sind wir nun hier und ich möchte mein Gewicht prüfen. Nach sieben Tagen hatte ich immerhin schon ein Kilo weniger! Heute die Ernüchterung: 2 Kilo mehr als bei Anreise. Ja, selbst schuld! Es ist beachtlich welche Mengen ich hier esse, trotz Sport und meinem Ziel der Reduktion. Das Essen ist leider überhaupt kein schlechtes Krankenhausessen und ich undiszipliniert wie ein Faultier dass einen Marathon laufen soll. Ich rede mir ein dass es an der Kleidung liegen muss und an Wassereinlagerungen. Oder Nein, es muss am Muskelaufbau liegen. Ach ja, im Ausreden finden wenn es um mein Gewicht geht bin ich Weltmeister. Immer Jammern darüber, dass ich zu dick bin aber auch. Herrlich.

 

Auch heute reisen wieder zwei weitere Mutter-Kind-Familien ab. Ich verstehe nicht ganz warum man das tut. Monatelang warten viele teilweise auf diese Zeit, wollen raus aus dem Alltag - und wenn sie dann hier sind wollen sie wieder zurück. 

Vielleicht kann ich mir nur einfach nicht die Beweggründe vorstellen. In andere Köpfe hereinsehen gehört leider nicht zu meinen magischen Kräften, aber ich kann möglichst urteilsfrei sein, was mich der Magie zumindest ein Stück näher bringt. Es wird schon seine Gründe haben.

 

Von einer anderen Teilnehmerin erfahre ich, dass die Abreisenden, wenn dies nicht auf ärztliche Empfehlung geschieht, die 80 Euro pro Tag selbst übernehmen müssen. Zusätzlich zu der Zuzahlung von 10 Euro pro Kalendertag. Allein das würde mich schon abhalten einfach so zu gehen.

 

Ich habe selbst die 220 Euro Zuzahlung für 22 Tage bei der Krankenkasse eingereicht. Wenn man nämlich ohne chronische Erkrankung über 2% vom haushaltlichen Jahreseinkommen für z.B. Medikamente, Behandlungen etc. bezahlt, bekommt man entweder das darüber zurück oder eine Befreiungskarte. Bei chronisch kranken Menschen wie mir liegt diese Grenze sogar nur bei einem Prozent.

 

Auf den Nachmittag habe ich wenig Lust. Zwei Vorträge, über drei Stunden zuhören und nicht bewegen. Es gibt deutlich Spannenderes. Von wegen. Beide Filme, sowohl die Brüllfalle, bei der es nicht nur um das Brüllen, sondern allgemein um die verschiedenen Erziehungsfallen geht, als auch der Film über di digitalen Welten in der Kindheit sind durchaus interessant und werden die weitere Kindheit meiner Beiden verändern.

 

Im ersten Film werden verschiedene „falsche“ Erziehungsmethoden dargestellt. In einer dieser Fallen stecke ich bis zum Hals. Bewusst war mir das aber nicht.

 

Unter vielem sind das die Methoden, die mir aus dem Film hängen geblieben sind:

 

  • Brüllfalle
  • „Wenn, dann…“-Falle
  • Inkonsequenzfalle

 

Da waren bestimmt noch einige mehr. In der „Wenn, dann…“ Falle finde ich mich jedoch einzig und allein - und das auch noch mehr als mir recht ist, wieder. Eigentlich besteht meine Erziehung daraus. Täglich, mindestens 20x. Aber ja, das ist im groben genommen Erpressung. Ich bin in diesem Moment wirklich ratlos wie ich die Kinder denn dann erziehen soll.

 

Zum Glück zeigt der Film, den man hier übrigens auch privat erwerben kann: KLICK, deutlich auf, warum es uns manchmal so schwer fällt an die Kinder heran zu kommen. Auf der Webseite der Filmemacher ist folgendes Zitat zu finden:

 

„Warum hören unsere Kinder nicht ,wenn wir etwas von ihnen wollen? Wollen die uns ärgern? Natürlich nicht! Aber warum kommen manche Nachrichten ,wie Eis essen, spielen etc. bei unseren Kindern an und andere ,weniger angenehme bleiben ungehört und ohne Reaktion?

Teil 2 zeigt in anschaulichen Modellen ,warum Kinder für Erwachsene oft nur schwer zu erreichen sind. Hier werden Begriffe wie KINDER-GUT-TU-FILTER und HÜLLENWESEN eingeführt. Begriffe ,die Eltern sich immer wieder in Erinnerung rufen können, um das "Nein", "Gleich" "Später" ihrer Kinder besser zu verstehen.

Eltern, die ihre Kinder als HÜLLENWESEN betrachten, können die Beziehung zu ihnen viel relaxter gestalten. Sie wissen, dass ihre Kinder sie mit einem "ich muss erst noch zu Ende spielen" nicht provozieren wollen. Sie rechnen erst gar nicht mit einem sofortigen "ok, mache ich", weil sie wissen: Kinder haben meistens etwas Wichtigeres zu tun, als die Anliegen ihrer Eltern zu erfüllen.“

 

Nicht nur einmal kamen mir die Kinder vor als wären sie irgendwie hinter einer Schalldichten Mauer. Nach dem Film habe ich auch das verstanden. Erziehung ist nicht einfach, aber es wird für mich gesehen einfacher, wenn man weiss warum etwas so ist wie es ist. Die Erkenntnis über eine Situation lässt mich gelassener sein und leichter die richtige Methode finden.

 

Auch der folgende Film, digitale Welten, spornt mich zum nachdenken an. Der Satz, der sich am meisten eingebrannt hat, ist: Kinder bis zum jugendlichen Alter sollten 40 Minuten Spielzeit in der realen Welt haben um 10 Minuten digitale Spielzeit zu verbringen. Sozusagen ist alles was darüber ist schädlich für die Entwicklung. Zumindest wird dem Kind dann die Chance auf Entwicklung genommen und die Synapsen sterben. Meine Kinder dürfen nur am Wochenende fernsehen, eigentlich. Für aber nur 2 Stunden wöchentlich müssten beide Kinder 8 Stunden Freispielzeit in der realen Welt haben. Dazu zählt entdecken, erkunden, zwischenmenschliches, Phantasie, eben alles wobei alle fünf Sinne gebraucht werden. Digitale Medien sind nur für zwei Sinne ansprechend, die restlichen drei verkümmern.

Auch diesen Film werde ich mir selbst immer und immer wieder ansehen, denn auch mich schockiert das für mich selbst. Sind meine Bildschirmzeiten doch enorm hoch. Der Theorie nach müsste ich genau gleich viel Zeit im realen Leben für Lesen, Malen, Sport, Natur und vieles mehr aufbringen um meine Synapsen nicht verkümmern zu lassen. Und plötzlich bekommt das Wort Work-Life-Balance für mich eine ganz andere Bedeutung. Wenn ich so weiter mache verdumme und verkümmere ich irgendwann. Use it, or loose it. Meine Güte, und für die Erkenntnis muss ich erst 30 Jahre alt werden… 

 

Der erste Abend an dem ich einschlafe wie jeder, müde, fast unmittelbar und ohne Angst. Warum genau weiss ich nicht, spielt in diesem Moment aber auch keine Rolle. Ich bin einfach nur froh dass es so ist.

 

Tag 16 - 14.02.2019 - Donnerstag

 

Valentinstag ohne Mann

 

Menüauswahl: Spaghetti Bolognaise oder Kartoffelrösti

 

Behandlungsplan:

 

Einzelgespräch Psychosoziales

Ergometer (freiwillig)

Yoga

Physiotherapie Gruppe

Turngarten

Marte Meo Basisgesprächskurs

Vortrag: Stress in der Familie

Ergometer (freiwillig)

Basteln Lesezeichen (Rahmenprogramm)

 

Heute ist Valentinstag und mein Mann nicht da. Eigentlich halten wir von diesem Tag nicht viel. Es ist einer wie viele andere. Hier hingegen verletzt es mich schon ein wenig. Ich bin nämlich eifersüchtig. Nicht nur eine Mama läuft mit einem großen Strauss Blumen herum, nicht nur ein Papa ist zu Besuch da oder schickt eine Aufmerksamkeit. Irgendwie fühle ich mich einsam. Ich bin doch nicht eifersüchtig, ich habe einfach nur Sehnsucht. Nach ein paar Minuten freue ich mich sogar mit mit den vielen Mamas die hier freudestrahlend durch die Reihen laufen und stolz ihre Geschenke zeigen. Mir hingegen wäre es viel lieber jetzt in den Armen meines Mannes zu liegen und die letzten 13 Jahre passieren zu lassen. Er fehlt mir sehr.

 

Die Situation mit meinem Großen, die hier seit ein paar Tagen herrscht macht es mir auch nicht einfacher emotional mich der Sehnsucht abzuschotten. Ich bin unter anderem mit dem Ziel hier her gefahren, die Bindung zu meiner Tochter zu verbessern. Bislang erfolgreich. Was ich jedoch nicht bedacht hatte, dass mein Sohn damit Schwierigkeiten haben könnte. Eifersucht und Wut gegenüber ihr, denn in seinen Augen nimmt sie ihm meine Zeit weg. 

Wieso sagt einem denn vorher keiner dass man ständig irgendwas falsch macht als Mutter? Zumindest fühlt man sich oft so. Ich bin ab und an kurz davor meine Seele an den Teufel zu verkaufen und auch nur einen umdetaillierten Fahrplan für die Kindeserziehung zu erhalten. Dann machst du das und in der Situation dies… Traumvorstellungen.

Ich kann es wenigstens im psychosozialen Einzelgespräch zum Thema machen und mir zumindest eine Richtlinie holen, die vielleicht funktionieren könnte. Der Ratschlag: Die Gefühle wecken, die ihn zu einem stolzen großen Bruder machen. 

 

Und es wird funktionieren wie die nächsten Tage zeigen.

 

Der Gesprächskreis „Stress in der Familie“ hat mich vorher eigentlich wenig interessiert. Wir sind eigentlich eine sehr harmonische Familie mit wenig Streit oder Argwohn. Dennoch, und so ist es meistens in Vorträgen, Kreisen, Sitzungen und Co, man nimmt immer neue Erkenntnisse mit. 

 

Die drei für mich wichtigsten Erkenntnisse sind:

 

Hilfe holen und zulassen. Alles große auf der Welt hat niemand alleine erschaffen, wir können auch unsere Kinder nicht alleine groß ziehen ohne uns selbst zu verlieren. Ich bin doch eher der Typ Mensch der Hilfe eher ablehnt und erst recht nicht danach fragt. Zwischenmenschliche Beziehungen fallen mit generell nicht leicht, kann man denke ich hier auch gut rauslesen. Noch habe ich keinen Ansatz wie ich das verbessern kann, ich denke aber dass auch dieser Weg sich früher oder später noch zeigt.

 

Die zwei weiteren Erkenntnisse, die mir hoffentlich auch im Gedächtnis bleiben, sind in Form von zwei „Merkblättern“ verteilt worden. Ich habe diese grafisch umgesetzt und werde sie Zuhause so aufhängen, dass ich sie täglich auch bewusst wahrnehmen kann. Die beiden Prints habe stelle ich gerne als Download zur Verfügung: KLICK

 

Die Kinder waren fast den ganzen Tag in Betreuung und haben sich kaum ausgetobt. Wir gehen daher noch in den Abenteuersaal, der mir ja aufgrund der enorme Lautstärke eigentlich ein Dorn im Auge ist, aber ohne Auspowern nimmt der Abend heute kein gutes Ende. Es ist auch heute wieder ziemlich voll, die meisten Kinder ohne Aufsicht, schalten das Licht an und aus, an und aus, an und aus (und so weiter) und hören nicht auf Anweisungen von den wenigen Eltern die es hier noch aushalten. Eine weiteres Kind möchte in den Saal kommen, öffnet die Tür ruckartig nach innen und wird kreidebleich. Das Mädchen hinter der Tür schreit, blutet und hat ,wie sich wenige Minuten später herausstellt, keinen Fußnagel mehr. Leider befindet sich an der Tür kein Klemmschutz für die Finger und auch unter der Tür ist der Spalt nicht mit einem Gummi geschützt. Diese zwei Dinge, sowie auch eine Schalldämmung an der Decke sind meine größten Kritikpunkte an den Spielplätzen oder Kinderaufenthaltsmöglichkeiten hier im Bromerhof. Vielleicht könnte man in den nächsten Kurgängen die Kinder Eierkartons bemalen lassen, die man dann an der Decke befestigt um den Schall zu brechen? Ich weiss es nicht, aber es ist nicht optimal gelöst so wie es ist. Die Kinder sind trotz alle dem müde und glücklich.

 

Marte Meo - aus eigener Kraft

So langsam kommt dieser Erzeihungsstil immer mehr in meinem Inneren an.

Beobachten, Folgen - oder positiv leiten, Benennen, Bestätigen. 

Im Grunde mache ich das jeden Tag, unbewusst und von ganz alleine, jedoch nicht in Stresssituationen. Gerade das folgen und bestätigen sind dann in meinem Erziehungsrepertoire nicht mehr vorhanden. Auch das positiv leiten klappt normalerweise eher selten, leite ich meist doch  eher bestimmend. Wird man sich den einzelnen Bausteinen jedoch erstmal bewusst und lässt sich Zeit um diese auch in schwierigeren Situation Platz zu finden, kommt man, zumindest ich, deutlich ruhiger und glücklicher durch den Tag. Vom verinnerlichen dieser Methode bin aber auch ich noch ganz weit weg. Auch hier wird es mindestens 66 Tage Zeit brauchen um eine Routine zu werden und selbst dann darf man nicht aufhören an sich selbst zu arbeiten und Fehler einschleichen zu lassen.

 

Bislang war ich abends immer mit den Kindern alleine im Zimmer oder mit den Kindern und anderen Mitpatienten zusammen um zu spielen, quatschen oder ähnliches. Heute habe ich mich allerdings das erste Mal dazu entschlossen den Abend ohne Kinder, ganz bewusst für mich zu verbringen. Meine beiden haben neue Kratzbücher bekommen und beschäftigen sich damit gern einmal 1-2 Stunden ohne die Umwelt wahrzunehmen. Mein erster Abend für mich, seit Monaten, der erste Wein, seit Wochen, das erste mal ein ruhiges Gespräch, seit Tagen. Ich habe es sehr genossen und schlafe heute mit deutlich harmloseren Panikattacken ein.

 

Tag 17 - 15.02.2019 - Freitag

 

Ich freue mich wenn's regnet, weilw enn ich mich nicht freue regnet es auch. Karl Valentin

 

Menüauswahl: Schollenfilet mit Kartoffeln oder Pfannkuchen

 

Behandlungsplan:

 

Interaktion Eltern mit Kind

Kindersport

Moorpackung

Massage

Training Reduktion

Walking

Frisör (Rahmenprogramm)

 

Heute ist ein guter Morgen. Ich bin wesentlich befreiter und habe auch ein wenig mehr geschlafen als sonst. Auch die Interaktion mit den Kindern, nicht nur heute, finde ich toll. Wegen mir könnte es das hier deutlich öfter geben. Durch diese gemeinsamen Spiele oder Bastelarbeiten kommt man sich deutlich näher und hat Erlebnisse die vielleicht auch etwas länger haften bleiben. Auch als Gruppe macht es großen Spaß. Bei meiner nächsten Kur werde ich diese Termine absolut bevorzugen, denn mein Herz hat sich in der Größe bestimmt verdoppelt in diesen Minuten.

 

Ich habe vor lauter Freude und Glückseligkeit sogar kurz meine Nasennebenhöhlenentzündung vergessen, die ich nun schon fast zwei Wochen mit mir trage, habe nun aber doch beschlossen mal drüber sehen zu lassen. Ich habe es eigentlich nicht so mit Medikamenten und bin auch nicht sonderlich wehleidig, aber zwei Wochen ist doch schon eine Spanne… Zumindest zwei Wochen ohne sichtbare Besserung. Die Krankenstation hier im Haus ist aber auch wirklich toll. Wer hat denn im Normalfall schon einen Arzt und eine Krankenschwester im Haus, die jederzeit sprechbar sind. Nach Inhalation und Sinupret geht es mir zumindest kurzzeitig besser, die Entzündung selbst braucht aber noch ein paar Tage bis diese endgültig weg ist. Hat sich anscheinend doch schon fester eingenistet als es hätte sollen.

 

Nachmittags ist die Tür der Kinderbetreuung zu. Zumindest die von unserer Gruppe. Ein Schild steht an der Tür, dass die Eichhörnchen zu einem Ausflug aufgebrochen sind und erst gegen 15.00 Uhr zurück kommen. In die Nachbargruppe, in der sie niemand kennt und sie auch noch nicht war, möchte die Kleine nicht. Zu ihrem großen Bruder darf sie nicht, diese schauen einen Film und es wäre unfair wenn nur sie diesen mit anschauen dürfte. Wird schon seinen Sinn haben. Dann nehme ich sie eben zum Sport mit. Ich muss dazu erwähnen dass meine Tochter nicht mit fremden spricht und sie daher auch nie auffällt wenn sie Beispielsweise bei Besprechungen oder ähnlichem dabei ist. Sie malt, beobachtet und wartet. 

Im Kurs angekommen bejaht die Kursleiterin meinen Wunsch auch. Eine andere anwesende Teilnehmerin jedoch beschwert sich, dass sie ihre Tochter nicht mitnehmen durfte beim letzten mal, obwohl diese krank war. 

War das nicht die Mütter die ihre Kinder schon wartend auf der Bank hatte und auch schon ihr Kind beim walken dabei hatte? Mit welchem Maß wird hier gemessen?

Und ist es nicht ein Unterschied ob das Kind fünf Jahre und gesund oder zwei Jahre und krank ist?

 

Die Trainerin knickt nun ein und ich darf mit Kind nicht teilnehmen.

 

Ich fühle mich unfair behandelt und bin sehr traurig. Ich hatte mir vorgenommen keine Behandlung ausfallen zu lassen, wie sehr viele andere. Ohne Ausreden wollte ich das durchziehen. Und dann werde ich unfair ausgeschlossen. Ich fühle mich als würde mich die Welt hassen, als hätte ich versagt weil mein Plan nicht vollendet werden kann, und sitze weinend in meinem Zimmer. Mit der Kleinen, die auch weint vor schlechtem Gewissen sie wäre schuld dass ich nicht teilnehmen kann. Es dauert Stunden um ihr das auszureden. Es ist weder ihre Schuld noch würde ich überhaupt irgendwas über das Wohl meiner Kinder stellen. In meinem Kopf ist der Tag gelaufen, aber das Herz bestimmt seit ich hier bin deutlich mehr und ich versuche sie und mich wieder glücklich zu machen. 

 

Und dann ruft auch noch die Rezeption an: Die Friseurin kommt zum zweiten Mal nicht.

 

1,2,3,4,5,6,7,8,9,10 - Mantra aufsagen und durchatmen. Mistkackscheissdreck, alles blöd. Blöd. BLÖD! Moah!

 

Und zu allem Übel ist auch noch Mitarbeiterin 1 im Speisesaal.

 

Ich zwinge mich förmlich mit meinem Selbstmitleid aufzuhören, genieße lieber die Zeit mit meinen Kindern und habe letztendlich doch noch Spaß. Bringt ja auch nichts dieses Rumgeheule über Dinge die man eben nicht in der Hand hat. Ich kann aber entscheiden wie sehr ich meine Gedanken daran verschwendet und meine Energie durch Wut daran vergeude.

 

Nach dem Abendessen kommt die Mama aus dem Training von heute Nachmittag auf mich zu und entschuldigt sich. Es war von ihr nicht in Ordnung meint sie. Ich freue mich darüber sehr und zwar nicht mal über das Gesagte, sondern den Mut überhaupt mit mir darüber zu sprechen. Ich weiß auch wie schwer es ist sich zu überwinden und mein ganzer noch vorhandener Groll erlischt. Es ist wie es ist und wir können es manchmal einfach nur hinnehmen. Hoffentlich bin ich irgendwann an dem Punkt angelangt an dem diese Erkenntnis und Einstellung nicht erst nach ein paar Stunden Eintritt. 

 

Ich freue mich sehr auf Morgen, die zweite Hälfte meines Herzens kommt nach fünf langen Tagen endlich wieder.

 

Tag 18 - 16.02.2019 - Samstag

 

Die Erkenntnis

 

Menüauswahl: Kartoffelcremesuppe mit Wienerle oder Gemüsemaultaschen

 

Behandlungsplan:

 

Ergometer (freiwillig)

Kinderyoga

 

Ich kann es heute kaum erwarten bis mein Mann da ist. Wie ein kleines Kind am Tag vor Weihnachten. Aufregung, Neugierde, Vorfreude. Ich richte mich sogar her, extra nur dafür. Irgendwie niedlich oder? Wie so ein liebeskranker Teenager. Ein glücklicher liebeskranker Teenager.

 

Da es der Mann hier aber nicht sonderlich lang aufhält fahren wir nach Isny in den Kurpark. Es ist ihm hier einfach zu laut und sein zwischenmenschliches Talent ist ähnlich dem meinigen. Quasi nicht vorhanden.

 

Der Kurpark in Isny, bei strahlendem Sonnenschein und innerlicher Ruhe, verliebten Schmetterlingen und gelassenen Kindern hat fast etwas magisches. Wir sitzen fast eine Stunde einfach nur da, beobachten Fische, unterhalten uns, betrachten die Kinder und tanken Sonne. Ich glaube wir alle vier waren in diesem Moment einfach nur glücklich und sorglos. Ein toller Zustand und ein Moment aus dem man wieder Kräfte zieht.

 

Sogar so viele, dass der Mann und ich den Nachmittag noch mit anderen Patienten auf der Terrasse verbringen.

 

Mitte der Woche habe ich mir zum Thema Achtsamkeit ein paar Bücher bestellt. Eigentlich wollte ich nur eines welches mir die Diätassistentin empfohlen hatte, aber das Thema Achtsamkeit kommt hier immer und immer wieder vor, wodurch sich mein Interesse geweckt hat. Es wurden also insgesamt sechs Bücher über Achtsamkeit in verschiedeneren Bereichen. Mein Mann hat die Bücher heute mitgebracht und ich bereits vier am ersten Tag gelesen. Und plötzlich fällt nicht mehr nur ein Groschen, auch nicht zwei, sondern ein ganzer Groschenregen beginnt. 

 

Die erste Erkenntnis, die mir einen Leitfaden mitteilt ist die, dass eine Routine im Durchschnitt 66 Tage braucht um sich festzusetzen. Möchte ich also dauerhaft etwas ändern muss ich circa 2 Monate lang täglich dies zur Gewohnheit werden lassen. Und ich möchte viel ändern in meinem Leben, bzw. mein Ändern leben. 

 

Angefangen hat meine Entwicklung bei einem 6-Minuten Tagebuch, in dem ich jeden Morgen dies ausfülle:

 

Drei Dinge für die ich Dankbar bin

Etwas was den heutigen Tag wundervoll machen würde

Meine positive Selbstbekräftigung

 

Jeden Abend wiederum:

 

Was habe ich heute Gutes für jemanden getan?

Was werde ich Morgen besser machen?

Drei tolle Dinge die ich heute erlebt habe

 

Im Buch gibt es zusätzlich auch noch fünf wöchentliche Fragen. Kann man hier kaufen: KLICK oder einfach selbst gestalten.

 

Es folgten meine zwei gestalteten Leitbilder, die ich in der Klinik erhalten habe, sowie Erkenntnisse durch Marte Meo, sowie der Brüllfalle und den digitalen Welten.

 

Bislang kam das meiste Input jedoch aus Gesprächen mit Mitpatienten oder Gesprächskreisen. Durch die Bücher hat sich das heute jedoch wieder geändert.

 

Zu jedem Themenbereich habe ich mir Stichpunkte heraus geschrieben, die mir mit Achtsamkeit in meinen Problembereichen helfen können.

 

Abnehmen:

 

Keine Diät mehr, sondern bewusst essen.

Keine Vorwürfe mehr, sondern akzeptieren.

Mahlzeiten bewusst vorab wahrnehmen: Was esse ich alles, welche Farben, welche Gewürze... Bewusst vor dem Essen zur Ruhe kommen.

Doppelt so lange kauen und die Gabel nach jedem Happen ablegen. 

Mit links essen um sich mehr konzentrieren zu müssen.

Bewusst einen Rest auf dem Teller übrig lassen um selbst wieder die Kontrolle zu erhalten.

Bei Gelüsten 10-15 Minuten abwarten und darauf achten ob sie dann immer noch da sind.

Ein Glas Wasser vor dem Essen trinken.

Nur so viel essen und auch nur das Essen was mich danach nicht traurig macht, durch ein eventuelles schlechtes Gewissen.

 

(Die Bücher sind weitaus komplexer und beinhalten noch viel mehr Tipps, Erklärungen und Anregungen. Ich habe für mich Informationen gesammelt, die ich in mein eigenes Leben integrieren möchte. Dies ist gewiss kein Allheilmittel für jeden.)

 

Beziehung:

 

Weniger urteilen, mehr akzeptieren und offen für Neues sein.

Bewusst Aufmerksamkeit schenken.

Beobachten, Folgen, Benennen, Bestätigen - Marte Meo

Dankbar sein und dies auch jeden Morgen bewusst werden lassen.

 

Kinderyoga

 

Arbeitstag:

 

In Ruhe Frühstücken. Wer den Tag schon gestresst beginnt wird das unbewusst auch über den Tag weiter tragen.

Morgens bereits im Bad Zeit für mich nehmen bevor die Kinder wach sind.

In der Mittagspause langsam Gegend mit dem Hund spazieren.

Auf unbewusste Zwischenmahlzeiten verzichten.

Vor dem Telefonieren drei mal ein- und ausatmen.

Am Abend vorher schon die Pausenmahlzeit vorbereiten um ungesundem, unglücklich machendem Essen zu entgehen.

In den Pausen oder auf dem Arbeitsweg: Handy aus

Erinnerung für kleine Bewusstseinspausen alle 60 Minuten.

Mittagessen nicht am Schreibtisch und Abstand zu bekommen.

 

Erziehung:

 

Weniger Spielzeug ist mehr und fördert die Kreativität (lieber immer mal wieder austauschen)

Ohne Kinder einkaufen, da die Kinder mit dem Angebot und der Werbung überfordert sind

Vorlesen. Kinder brauchen Geschichten.

Nur die aktuelle Situation bewerten (kein „immer“, kein „jedes mal“

Vor dem Sprechen überlegen: „Sind die Worte wahr? Freundlich? Notwendig? Passend? Gar Beleidigend?“

Vorbild sein, Kinder sind unsere Spiegel

Hilfe annehmen und holen

Soziale Gesellschaft ist wichtig, auch für Kinder

 

Ich habe mir eine Art Spickzettel geschrieben und habe vor diesen nun mindestens 66 Tage lang jeden Morgen einmal zu lesen um nicht zu vergessen, mich nicht selbst zu beschummeln und eben geschriebenes zur Routine werden zu lassen. Allerdings muss ich für meinen neuen Plan meinen Tagesablauf ändern und brauche vermutlich anfangs einen Stundenplan. Allein schon deswegen um wirklich auch Zeit zu haben für alles was ich ändern möchte. Ich bin ein Mensch der von Fakten und Struktur lebt. Ich benötige To-Do Listen die ich abhaken kann, Notizzettel, Leitfäden und Statistiken. Ich höre an, hinterfrage und ziehe meine eigenen Gedankenschlüsse daraus. 

 

Die Stundenplanvorlage, die ich benutze ist von hier: KLICK

Vielleicht hilft das ja auch dem einen oder anderen.

 

Dank einer Mitpatientin bekommt der Große heute doch noch eine neue Frisur, ich revanchiere mich die Tage noch mit ein paar tollen Fotos von den Kindern dieser Familie. Auch hier kann man nicht alles alleine schaffen und muss Hilfe annehmen. Das toll daran ist aber, dass man sich bedanken und revanchieren kann. Macht doppelt glücklich.

 

Es ist mir heute bewusst geworden, dass mir die Gespräche mit meinem Mann am allermeisten fehlen. Es ist nicht mal die körperliche Nähe, sondern die tiefen Gespräche, bei denen man auch nach 13 Jahren immer noch neues über den anderen erfährt und die nie langweilig werden. Noch am Abend sprechen wir über WhatsApp noch genau darüber und auch über andere Dinge die uns auf dem Herzen liegen.

 

Ich habe Angst vor fehlender Akzeptanz meines Mannes. Ich glaube ich habe mich hier schon verändert, zumindest habe ich neue Sichtweisen angenommen und auch viel gelernt. Vor meinem Mann möchte ich aber nicht als „Botschafter“ oder „Weltverbesserer“ dastehen, weswegen ich mich mit all dem noch sehr zurück halte. Im Laufe des Abends und vielen vielen geschrieben Worte kommt aber doch alles zum Vorschein und wir mit offenen Ohren ausgesaugt. Nicht nur das, mein Mann denkt ähnlich wie ich und ist sehr froh über die bereits erfolgte und noch anstehende Entwicklung. Er selbst möchte nächstes Jahr den Jakobsweg bestreiten und wird dann anders der gleichen Weg gehen wie ich. Achtsamkeit.

 

Tag 19 - 17.02.2019 - Sonntag

 

Eher eine spirituelle Reise als eine Kur

 

Menüauswahl: Geschnetzeltes mit Reis oder Broccoli-Nuss-Knusperecken

 

Behandlungsplan:

 

Ergometer (freiwillig)

Basteln Speckstein (Rahmenprogramm)

Zauberer (Rahmenprogramm)

 

Ich werde früh wach. Der Mann kommt heute wieder. Wirklich, man könnte meinen ich bin 14 Jahre alt, frisch verliebt und trage eine rosarote Brille. Was so ein bisschen Sehnsucht ausmachen kann.

 

Seit gestern habe ich auch keine Angst mehr vor dem nach Hause gehen. Ist es doch so, dass ich die letzten Wochen nicht mehr heim wollte, Angst hatte vor dem was danach ist. Seit gestern aber, freue ich mich auf die Herausforderung die mir/uns bevorsteht. Es war bisher eine tolle Zeit hier, mit Höhen und Tiefen, ich möchte sie nicht missen und würde auch noch länger hier bleiben wenn ich könnte, aber die Angst und der dadurch resultierende Druck ist wie weggeflogen.

 

War es doch eher eine spirituelle Reise wie eine Kur. Meine grundliegenden Probleme wurden hier nicht gelöst, das wäre auch gänzlich unmöglich gewesen, aber ich habe wirklich vieles hier aufgesogen wie ein Schwamm. Ob Zeit, Erkenntnisse, Liebe, Essen (!), Erfahrungen und Gefühle. Schon vorab hatte mein Arzt mich darauf hingewiesen, dass eine Kur nicht das richtige sei, ich eher eine Reha anzielen solle, dennoch war es richtig diese Reise hier anzutreten.

 

Gesund bin ich hier nicht geworden, aber weltoffener. Vielleicht sollte ich meine Panikattacken aber auch einfach akzeptieren und nicht mehr dagegen ankämpfen. Vielleicht könnte der Zustand aber auch einfach aufhören. Bitte. Jetzt. Sofort. Vielleicht bleibt aber auch noch alles eine Weile so wie es ist. Ich habe nämlich Angst davor mich damit auseinander zu setzen und meine minimale Kraft die ich dafür noch habe auch noch zu verbrauchen um dagegen anzugehen.

 

Tag 20 - 18.02.2019 - Montag

 

Bester Abend der Kur

 

Menüauswahl: Fischfilet mit Reis oder Krautfleckerl

 

Behandlungsplan:

 

Walking

Physiotherapie Gruppe

Training Reduktion

Moorpackung

Ergometer (freiwillig)

 

Unsere Behandlungen heute fallen komplett aus. Wir haben alle drei nun Bindehautentzündung. Wir haben den ersten Tag hier keine Verpflichtungen und fahren bereits morgens mit dem Hauseigenen Bus nach Isny in die Stadt um die Sonne einzufangen und ein wenig die Zeit zu genießen. Ich blende vollkommen aus, dass die Menschen hier arbeiten und nur ich heute frei habe.

 

So langsam werden Nummern ausgetauscht, Facebook-Freundschaften geschlossen, Brieffreundschaften unter den Kindern ausgemacht und mögliche Wiedersehen besprochen. Morgen reisen schon die ersten ab aus unserem Umfeld. Gerade die Kleine hat mit diesem Verlust sehr zukämpfen. Sie trifft es Morgen als erste. Ja, wir werden die Zeit hier vermissen. Alleine schon wegen den tollen Menschen die wir hier kennenlernen durften.

 

Aus fünf Tischen im Café wird an diesem Abend noch ein großer. Die üblichen Übeltäter verbringen den Abend und uns in einer großen Gemeinschaft. Es ist der schönste Abend den wir bisher hier verbringen durften, ein gelungener Abschluss mit all den hier lieb gewonnenen.

 

Sehr dankbar, und zugegebenermaßen mit einem leichten Schwipps, schlafe ich heute unmittelbar ein. Was Alkohol doch alles bewirkt.

 

Tag 21 - 19.02.2019 - Dienstag

 

Der letzte Tag

 

Menüauswahl: Schinkennudeln oder griechische Reispfanne

 

Behandlungsplan: 

 

Aquafit (Rahmenprogramm)

Wassergymnastik

Haslauer Wanne

Ergometer (freiwillig)

Ärztliches Abschlussgespräch

Schwimmdisco (Rahmenprogramm)

 

Leider ist im Bromerhof keine Verlängerung möglich. Ein, zwei Wochen würden uns hier noch gut tun, auch wenn das Heimweh wieder größer wird. Die Entwicklung die sich zwischen den Kindern und mir gerade tut oder auch das umdenken was in meinem Kopf gerade passiert befindet sich noch im Anfangsstadium und würde meiner Meinung nach noch ein, zwei Wochen brauchen um gefestigt zu werden.

 

Heute wird auch erst deutlich, dass es Morgen vorbei ist. Die ersten Reisen ab und die Tränen sind groß. Ich und auch meine beiden Kinder haben einige Familien hier doch sehr ins Herz geschlossen. Freunde gefunden.

 

Die Gefühle sind wirklich gespalten. Ich möchte heim und möchte hier bleiben. Beides gleichzeitig. Ich fühle mich hier sehr wohl. Zwischen den Patienten, den Mitarbeitern und auch mit mir selbst. Zumindest so lange es hell ist.

 

Ich bin nicht hier her gekommen um Freunde zu finden. Und doch habe ich hier Bekanntschaften geschlossen die noch zu wertvollen Freundschaften werden können.

 

Nach und nach passiert heute in meinem Kopf noch einmal alles Resümee.

 

Auch die Gesamtausgaben dieser drei Wochen kann ich mittlerweile betiteln:

 

  • Kinderbetreuung 12 Euro
  • Windlichter 48 Euro
  • Ponyreiten 15 Euro
  • Einkauf DM/REWE knapp 60 Euro
  • Cafebesuche knapp 70 Euro
  • Briefmarken und Süßkram im Kiosk 10 Euro
  • T-Shirt bemalen 10 Euro
  • Bücher bestellt 60 Euro
  • Lesezeichen 6 Euro
  • Speckstein basteln 12 Euro
  • Zauberer 8 Euro
  • Kleidung für die Kinder 30 Euro

 

341,- Euro. Zusätzlich zu der Zuzahlung von 220 Euro Eigenanteil liegen wir für drei Wochen bei 561 Euro. Sagen wir es mal so: Das war es wert. Günstig ist allerdings etwas anderes. Es liegt aber auch hier wieder in eigenen Ermessen was man ausgibt und wofür. Für mich gesehen war es jeder einzelne Cent wert.

 

Die letzte Anwendung, Haslauer Wanne... 

Fast 40 Minuten Zeit zum Nachdenken. Doch, das hier wird mir sehr fehlen.

 

Ich hatte vor den Nachmittag und Abend im Café zu verbringen, mit all den übrig gebliebenen lieb gewonnenen Menschen, aber die Neuankömmlinge machen es fast unmöglich. Mit hoch rotem Kopf, zitternd, Hitzewallungen sitze ich am Tisch. Menschen die ich nicht kenne sind tagsüber in meiner Nähe eigentlich kein Problem. Das Wissen jedoch, dass diese fremden, potentiell gefährlichen, Menschen diese Nacht in unmittelbarer Nähe sind ist zu viel für mich. Bislang ist mir nicht aufgefallen dass man diesen Stress äußerlich sieht, hab ich ihn ja eigentlich nur im Dunkeln wenn ich alleine bin. Ich muss aus dieser Situation raus. 

 

Wieso kann das nicht einfach aufhören? Ich bin doch intelligent genug, dass das alles gar nicht so ist und trotzdem schiebt mein Kopf Krimifilme vom Feinsten. Wie soll ich denn heute Nacht schlafen wenn es mir jetzt schon so schlecht geht? Wie kann es sein dass diese Attacken mein Leben vor allem hier bestimmen? In einer fremden Umgebung, mit fremden Menschen, alleine. 

 

Kurze Zeit später verletzt sich die Kleine, wir sollen ins Krankenhaus zum Röntgen. Somit war auch für uns gestern der letzte Abend, denn danach wieder zurück zu fahren um zu schlafen und morgen früh endgültig abzureisen hat wenig Sinn.

 

Der Abschied von unserer Kurfamilie ist herzzerreißend. Die Tränen fließen, bei allen...

 

Tag 22 - Abreise - 20.02.2019 - Mittwoch

 

Zurück im Alltag

 

Menüauswahl: -

 

Behandlungsplan: -

 

Zuhause. Ein komisches Gefühl. Ein Auge lacht, ein Auge weint. Es kommt mir nicht vor als wäre ich drei Wochen weg gewesen. 

 

Eine unvergessliche Zeit und Entwicklung. Ich kann nur Danke sagen.

 

 

Und immer noch weiß ich nicht ob ich das hier geschriebene auch veröffentliche. Niemand hier weiß wer ich bin, aber jeder, egal ob Patient oder Mitarbeiter kann mit ziemlicher Sicherheit mir diesen Text zuordnen. Will ich das wirklich? Will ich dass bis zu 300.000 Menschen wissen wie es in mir aussieht? Und wieder beginnt das Gedankenkarussel. Ob das jemals aufhört?

 

 

Bonus:

 

So, und da wir ja nur knapp 30-40 Minuten vom Bromerhof entfernt wohnen und die Ausflugsmöglichkeiten hier gut kennen, hier ein paar Geheimtipps die nicht unten bei den Flyern stehen (zumindest nicht als wir da waren):

 

Zugspitze

Burgruine Eisenberg und Hohenfreyberg

Schloss Neuschwanstein und Hohenschwangau

Weißensee

Fendt Forum

Kempten Forum

Ulmer Münster

Skylinepark

Märchenpark Schongau

Bergbahn in

Park mit Kocevs

Minigolf Kempten

Bachtelweiher Garten

Sommerrodelbahn Wertach

Baumkronenpfad Ziegelwies

Allcart Kaufbeuren

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Fetales Alkoholsyndrom - Das unsichtbare Handicap - Donnerstagsblogserie

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Menschen mit FAS verstehen 

 

Familien mit FAS-Kindern können ein Lied davon singen, wie anders ihre Schützlinge ticken. Die von mir zusammen getragenen Beispiele dürften aber auch allen anderen Eltern nicht unbekannt sein – kann man diese oder ähnliche Geschichten auch bei kleinen Kindern oder unseren “viel geliebten Pubertieren” erleben. Der Unterschied zum Menschen mit FAS – bei ihm bleiben eben jene Verhaltensmuster ein Leben lang:

 

Das Kind, der Jugendliche, der Erwachsene mit FAS….

 

…… gelobt hoch und heilig Besserung, doch eine Stunde später schon ist alles wieder Schall und Rauch

…… eignet sich hemmungslos Sachen an ohne zu fragen und verleiht diese dann auch noch fröhlich weiter

……. will stundenlang um die Anordnung eines Verbotes diskutieren – immer und immer wieder

…… steht nach dem Wecken zwar auf und macht sich fertig, legt sich dann aber in voller Montur wieder ins Bett und schläft weiter, wenn noch fünf Minuten Zeit bis zum Verlassen des Hauses sind

….. hat nahezu täglich zu beklagen, dass etwas kaputt oder verloren gegangen ist

…… isst unbekümmert und ohne jegliches Unrechtsbewusstein den kompletten Geburtstagskuchen des Bruders alleine

…… geht aus dem Haus ohne sich zu verabschieden und merkt das nicht

…… realisiert Schuldgefühle erst, wenn er darauf hinwiesen worden ist, was er getan hat

…. hat den Schrank gerade mit auf Kante gelegten Kleidungsstücken ordentlich gemacht, eine halbe Stunde später sieht der Schrank aus, als habe ein Einbrecher etwas gesucht

….. gibt bei Geschehnissen drei Versionen wieder, von denen eine glaubhafter ist als die andere, wahrscheinlich aber erst die zwölfte Version der Wahrheit entsprechen könnte

… schafft es immer, dass nach dem Zwiebel hacken die halbe Küche mit Zwiebelstückchen übersät ist

….. muss stets mehr Zeit einplanen, um wegzukommen, weil immer irgendetwas fehlt oder vergessen wurde

….. ist völlig aufgebracht, weil er für eine Tat zu unrecht beschuldigt worden ist, aber Minuten vorher bei genau der gleichen Tat erwischt worden war

…. braucht nur eine winzige Ablenkung, um die ihm aufgetragene Aufgabe, die bereits aufwändig begonnen worden war, komplett zu vergessen und in eine andere Welt abzutauchen.

 

Menschen mit FAS stoßen aufgrund ihres Verhaltens und Benehmens viel auf Ablehnung und Unverständnis. Was macht es so schwer, Menschen mit FAS zu verstehen und ihre Behinderungen als solche anzunehmen? Welchen Rat geben Sie?

Dr. Murafi:

Im besonderen ergibt sich Ablehnung aus der Diskrepanz der altersgemäßen Entwicklung hinsichtlich der körperlichen Reife und der Fähigkeit im Small-Talk, also der Alltagsschläue, zu brillieren, und den eben fehlenden Fähigkeiten, sich altersgemäß zu verhalten und den vorhandenen Begabungen entsprechend zu entwickeln.

In diesem Zusammenhang wird allzu gerne Willentlichkeit unterstellt, der FAS-Betroffene verhalte sich aus Absicht unangemessen und weigere sich nur, seine Begabungen auszuschöpfen. Dadurch kommt eine moralische Komponente zum Tragen. Der FAS-Betroffene wird abgewertet, in der Folge wird sich von ihm distanziert.

Darüber hinaus ist auch Hilflosigkeit und Ohnmacht für alle Beteiligten ein unangenehmes Gefühl. Das führt zu viel Stress und Ärger. Die Anforderungen an Geduld und Ausdauer sind enorm. So kommt es im Beziehungskontext zum sogenannten High-Expressed-Emotion-System. Das bedeutet, dass sich die emotionale Interaktion zunehmend aggressiv aufschaukelt. Das bleibt nicht ohne Folgen für die FAS-Betroffenen, da sie im Grunde eine hohe Neigung haben, sich anzupassen, zu gefallen und die richtigen Dinge zu tun.

(Gerade in Pflege- und Adopivfamilien mit FAS-Kindern ist dies noch bedeutsamer, da die Kinder sowieso das Gefühl haben nur Gast zu sein. Dass sie im Grunde nur geduldet werden, wenn sie die Erwartungen der sie großüzgig aufnehmenden Eltern erfüllen. Dies führt zu intensiven Spannungen und teilweise auch zu deutlichen Brüchen in der pubertären Entwicklung. Zuweilen kommt es auch zum Auseinanderfallen familiärer Kontexte, die bis dato gemeinsam gut funktioniert hatten.)

Es ist viel gewonnen, wenn sich alle, die mit FAS-Menschen zusammenkommen, klar machen, dass ihre Schützlinge keinesfalls einfach nur nicht wollen, dass sie opponieren nur des Opponierens Willen. Sie können nicht, weil sie aufgrund ihrer neurologischen und in Folge kognitiven Beeinträchtigungen nicht in der Lage dazu sind. Dabei ist es zudem wichtig zu realisieren, dass sich das auf die Lebensdauer hinaus betrachtet nicht ändern wird. Es handelt sich um irreversible Schäden im Gehirn, gegen diese weder Therapien noch Erziehung eine dauerhafte Chance auf Kompensation haben; allenfalls vorübergehend.

Menschen mit FAS brauchen deshalb immer wieder aufs Neue Unterstützung – nicht anders als Menschen mit körperlichen Handicaps. Wenn man sich alles das immer wieder aufs Neue vergegenwärtigt, erwächst automatisch ein größeres Verständnis. In der Folge sinkt die falsche Erwartungshaltung an den FAS-Betroffenen und steigert das empathische Umgangsvermögen.

 

Was hilft, sich in einen Menschen mit FAS hineinzuversetzen? 

Dr. Murafi:

Es ist immer wieder wichtig sich vor Augen zu führen, dass die Handlungsmotive der Kinder positiver sind, als sie auf den Handlungsebenen und aufgrund ihrer Reaktionsweisen vermuten lassen. Die Kinder sind selbst Opfer ihrer Problematik, erleben sich selbst als hilflos und ohnmächtig. Deshalb benötigen sie hier Unterstützung, brauchen aber gleichzeitig klassifizierte Rahmenbedingungen und Halt gebende Beziehungen. Das heißt, dass es von großer Bedeutung ist, dass die Beziehung zu dem Kind nicht in Frage gestellt wird, egal, wie es sich verhalten hat.

Trotz allen Verständnisses für das Kind darf es nicht an der Klarheit von Anforderungen an das Kind fehlen und auch nicht an pädagogischen Konsequenzen.

 

Zu welchen grundsätzlichen pädagogischen Methoden raten Sie bei FAS-Kindern?

Dr. Murafi:

Zu keinen anderen als bei allen anderen Kindern auch – zu Klarheit, wohlwollender Konfrontation, sicherem Rahmen, einfach überschaubaren Konsequenzen, Entemotionalisierung im Bereich der pädagogischen Maßnahmen. Im besonderen die Bewahrung der positiven Beziehungsebene. Grundlage für eine pädagogische Führung der Kinder sind des weiteren die Entmoralisierung und in gewisser Weise die Reduktion der eigenemotionalen Betroffenheit.

Mit Sicherheit ist die grundlegende Haltung der Pädagogik von Heim Omar eine, die am ehesten hilfreich sein kann.

(Anm. : Heim Omar, gebürtiger Brasilianer, ist Psychologe, Publizist und Professor in Tel Aviv. Er entwickelte das Konzept der Neuen Autorität, die auf sieben Säulen basiert: Präsenz, Selbstkontrolle, Unterstützungssysteme, gewaltloser Widerstand, Transparenz und Widergutmachung)

 

Was hilft außerdem bei der Erziehung – Humor, Geduld, Gelassenheit, Ausdauer?

Dr. Murafi: 

Tatsächlich hilft Humor, Geduld, Gelassenheit und Ausdauer sowie ein “Störungswissen”. Auf jeden Fall ist Selbsterfahrung bezogen auf den Umgang mit Hilflosigkeit und Ohnmacht von Vorteil. Wichtig sein sollte stets die kritische Reflexion der eigenen Motive in der Begleitung des Kindes. Unverzichtbar ist ein helfendes und stützendes Netzwerk um das Kind herum. Alleine ist das zumeist nicht zu schaffen und sollte auch nicht alleine versucht werden. Es braucht wirklich ein ganzes Dorf, um dem Kind das zu geben, was es braucht; und selbst das kann manchmal nicht reichen. Auf diesem Sektor einen adäquaten Umgang zu finden, ist mit Sicherheit der wichtigste Aspekt in der Begleitung der Kinder.

 
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10 Mütter im Interview - Streitthema Nummer 1. Impfungen... Wie steht ihr dazu?

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„Ich denke, es gibt einen Sinn weswegen es die Impfungen gibt, wenn es alles schlecht wäre, würden die Ärzte es nicht "anbieten". Ich vertraue unserer Kinderärztin und deswegen haben wir bisher alle Impfungen mitgemacht und werden es auch weiterhin tun.“ (Anne W.)

 

„Aktuell steht bei uns Grad die Windpocken Impfung im Raum. Der Kinderarzt bei dem wir sind da waren meine 3 Geschwister und ich auch schon. Ich vertraue dem Arzt vollkommen, er ist ehrlich und direkt und sagt das er damit kein Geld machen will. Er erklärt uns immer pro und Contra, sagt seine Meinung dazu, schwätzt uns nix auf. Ich bin der Meinung man muss nicht alles Impfen, das was wichtig ist sollte schon gemacht werden.“ (Janine B.)

 

„Unser Großer bekam nur die wichtigsten Impfungen...die anderen beiden haben das komplette Paket bekommen. Muss jeder selber für sich entscheiden.“ (Daniela F.)

 

„Ich finde übers Impfen sollten sich Eltern erst einmal selbst informieren, nicht einfach das Kind impfen lassen. Ich bin der Meinung, neue Impfungen haben leider noch nicht ausreichende Langezeitstudien durchlebt... und die Spätfolgen lassen sich noch nicht einschätzen, also Finger weg. Impfungen die schon lange auf dem Markt sind und Sinn machen, durchleben auch meine Kinder.“ (Marie G.)

 

„Ich lasse meine kleine Impfen, na klar kann es Nebenwirkungen haben aber lieber hab ich einmal 2-3 Nächte ein Fieberbaby als das irgendwann etwas ganz schlimmes passiert sie sogar davon sterben kann und ein Arzt sagt mir .. das hätte man mit einem Piecks verhindern können.“ (Seyda A.)

 

„Bei uns wird geimpft gegen alles was empfohlen wird. Bis jetzt hatten wir auch nie Probleme und selbst wenn es ihm einmal ein / zwei Tage Bissel schlecht geht ist es immer noch viel besser als die Krankheit komplett erleben zu müssen.“ (Julia B.)

 

„Zwischen meinem Mann und mir wurde das nie groß thematisiert. Für uns war klar, dass wir Rafael einen Schutz mitgeben wollen. Das es wichtig ist und deswegen hat unser kleiner Mann all die uns empfohlenen Impfungen erhalten. Ich habe auch nie eine Diskussion in unserem Bekannten- und Freundeskreis darüber führen müssen.“ (Verena K.)

 

„Ich habe meine Kinder impfen lassen. Ich find es wichtig zumal es leider immer mehr Krankheiten gibt die wiederkommen. Und schon oft wurde durch Impfen Krankheiten verhindert.“ (Susanne B.)

 

„Ich bin absolut gegen Impfungen. In so frühem Alter (U4, ca. 3-4 Monate) ist das Risiko, dass das Baby sich anstecken kann sehr gering. Wird das Baby auch nicht früh in die Krippe geschickt, ist es total unnötig. Die meisten Impfungen können auch später verabreicht werden. Außerdem wird mehrfach beobachtet, dass geimpfte Kinder schneller krank werden, als solche ohne Impfung (Studie aus Frankreich).“  (Emine A.)

 

„Ich bin definitiv für eine Impfpflicht, es sind so viele Krankheiten jetzt wieder ausgebrochen, die es schon einmal gar nicht mehr gab es nicht nur zum wohl des eigenen Kindes, sondern für alle zum Schutz.“ (Victoria M.)

 

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10 Tipps bei zerbrochenen Freundschaften aufgrund von Nachwuchs

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1. Deutet die Ablehnung nicht als Neid

Wenn ihr in der Freundschaft der Teil seid, der Nachwuchs bekommen hat, dann deutet die Ablehnung eurer Freundin oder eures Freundes nicht als Neid. Wahrscheinlich ist sie oder er einfach nur traurig, dass ihr nicht mehr so viel Zeit habt wie früher.

 

2. Deutet die Ablehnung nicht als „ersetzt werden“

Wenn ihr in der Freundschaft der Teil seid, der keinen Nachwuchs bekommen hat, dann deutet die Ablehnung eurer Freundin oder eures Freundes nicht so, dass ihr ersetzt worden seid. Ein kleines Kind wird niemals die Rolle einer Freundin oder eines Freundes übernehmen können.

 

3. Redet miteinander

Lasst nicht einfach den Kontakt einschlafen, sondern redet miteinander. Sprecht darüber, was euch an der jetzigen Situation stört und geht nicht einfach davon aus, dass der andere es selbst merkt. Keiner von euch kann Gedanken lesen.

 

4. Sucht die Fehler auf beiden Seiten

Versucht nicht eingleisig auf eurer Meinung zu beharren, sondern nehmt eure Scheuklappen ab und betrachtet das Problem auch einmal aus der jeweils anderen Perspektive. 

 

5. Arbeitet gemeinsam an einer Lösung

Wenn ihr eure Freundschaft retten wollt, dann muss nicht einer von euch etwas ändern, sondern ihr beide. Seht es als Hürde an, die ihr gemeinsam nehmen müsst und sucht zusammen nach Lösungsvorschlägen.

 

6. Versucht, euch Zeit zu nehmen

Wenn ihr die Person mit Nachwuchs seid, versucht euch trotz Kind Zeit für eure Freundschaften zu nehmen. Ihr wisst selbst, dass ihr eigentlich nicht auf sie verzichten möchtest, also müsst ihr auch etwas hinein investieren. 

 

7. Versucht, den neuen Menschen im Leben der Freundin/des Freundes zu akzeptieren

Wenn ihr die Person seid, dessen Freundin oder Freund Nachwuchs bekommen hat, dann merkt euch eines: Ihr seid nicht ersetzt worden. Das Kind ist jetzt zusätzlich in das Leben eures Freundes/eurer Freundin getreten, versucht es zu akzeptieren und euch darüber zu freuen, vielleicht knnt ihr dem Kind ja sogar etwas abgewinnen.

 

8. Gebt euch Zeit

Falls ihr merkt, dass eine Problemlösung schwierig zu sein scheint, dann gebt euch die Zeit, die ihr braucht. Und wenn das heißt, dass ihr euch vorrübergehend nicht mehr sehen werdet, dann ist das auch okay.

 

9. Wartet bis auch der oder die andere Nachwuchs bekommen

Viele solcher zerbrochener Freundschaften können leicht wieder gekittet werden, wenn auch der Andere Nachwuchs erwartet. 

 

10. Akzeptiert die Trennung

Falls absolut nichts mehr hilft und ihr keinen Weg findet, euch wieder aufeinander zuzubewegen, dann müsst ihr die Trennung akzeptieren. Manchmal im Leben trennen sich Wege, weil etwas nicht gepasst hat. Vielleicht ist das bei euch so ein Fall.

 
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Geburtsbericht - Montagsblogserie

Geburtsberichte_Montagsblog

 

Am 10.10.2017 schlief ich, wie gewöhnlich, am Mittag. Ich war immer so furchtbar Müde. Ich war alleine zu Hause, denn mein Mann konnte leider in der Woche vom E.T. (12.10.2017) nicht, wie geplant, zu Hause bleiben. Ich lag mit meiner Hündin auf der Couch. Wie immer machte sie sich unglaublich dick, so wachte ich auf und wollte mir Platz schaffen. Plötzlich bemerkte ich, dass meine Hose nass war. Noch im Halb-Schlaf war ich leicht verwirrt und ging zur Toilette. Da das Laufen nicht aufhörte, wurde mir klar, dass meine Fruchtblase gerissen war. Ich schnappte mir mein Handy und rief meinen Mann an. Dieser war völlig aufgelöst, da er so weit weg war, und versuchte seine Mutter zu erreichen. Allerdings hatte sie noch Kinder im Auto die sie nach Hause bringen musste. Er rief dann also seinen Vater an. Dieser wohnt nur 20 Min. weg von uns und ist dann auch sofort losgefahren. Lustiger Weise ist mein Mann wohl wie ein Blitz nach Hause gefahren, denn er kam Zeitgleich mit seinem Vater an, obwohl er eigentlich über eine Stunde gebraucht hätte. Ich schnappte mir meine Tasche und so fuhren wir ins Krankenhaus.

 

Wir kamen im Krankenhaus an und ich wurde gleich am CTG angeschlossen. Die Wehen waren deutlich zu sehen, allerdings spürte ich keine. Die Schwester gab mir eine dieser netten Einlagen, kontrollierte meinen Muttermund und verwies uns ins Wartezimmer, damit ein Arzt sich das alles nochmal anschaut. Und dort saßen wir nun ... volle 2 Stunden! In diesen 2 Stunden bekam ich spürbare Wehen. Ich lief den Gang auf und ab, bis der Arzt dann endlich kam. Er untersuchte mich kurz, gab mir ohne weitere Erläuterung eine Tablette mit den Worten das mein Entzündungswert zu hoch sei und verwies uns wieder zur Schwester die nochmal nach meinem Muttermund schauen sollte. 2cm ... wir waren nun schon seit 3 Stunden dort und ich wusste, das wird noch länger dauern. Mein Mann und ich gingen draußen spazieren und nach gefühlten 5 Stunden wieder zurück zum Kreißsaal. Dort bot man mir ein Bett und ein Zimmer an. So kam ein netter Herr und fuhr mich aufs Zimmer. Während der Fahrt nach oben wurde mir plötzlich schlecht und ich bekam einen Spuckbeutel, den ich auch sofort benutzen musste. Auf der Station wurde ich von der Schwester mit den Worten: "Sie sehen aber gar nicht gut aus" begrüßt. Die Schwester brachte uns in unser Zimmer, erklärte uns alles und schon brauchte ich einen zweiten Spuckbeutel. Sofort rief die Schwester im Kreißsaal an und ließ mich wieder nach unten bringen. Unsere Sachen können wir im Zimmer lassen, sagte sie.

 

Und da waren wir wieder. Wir warteten vor dem Wehenzimmer und kamen dann recht fix in ein Zimmer, wo ich an ein CTG angeschlossen wurde. Und auch dort verbrachten wir sehr viel Zeit. Die Wehen bekamen spürbar kürzere Abstände und die Schwester bot mir Schmerzmittel über den Tropf an. Leider hatten diese keine große Wirkung. Gegen 21 Uhr wurde mein Muttermund noch einmal kontrolliert ... 5cm ... und Schwupps wurden wir in den Kreißsaal geführt. Mittlerweile waren wir schon 6 Stunden im Krankenhaus. Dort bekam ich dann dieses durchaus modische Kittelchen und wurde wieder an sämtliche Geräte angeschlossen. Die Zeit dort verging so unglaublich langsam. Die Schwester teilte mir mit, dass mein Kind mit dem Gesicht nach oben liegt und wir jetzt versuchen werden ihn zu animieren sich zu drehen. Ich musste auf allen Vieren auf meinem Bett Knien. Das war unter den Umständen, als die Wehen mit nur noch 1 Minute Abstand kamen gar nicht so einfach. Alles versucht, nichts hat geholfen, also wieder in Rückenlage. Da ich unerträgliche Schmerzen hatte wurde mir Lachgas angeboten. Damit kam ich überhaupt nicht klar. So gegen Mitternacht und nach 100 Positionswechseln (es stellte sich später heraus das diese mehr als unnötig waren) bekam ich eine PDA. Ab diesem Moment war alles wie auf Wolken, vielleicht war es aber auch die Mischung aus den ganzen Schmerzmitteln? Egal dachte ich mir und versuchte mich auszuruhen. Ich schlummerte zwei Stunden vor mich hin. Eine Schwester kam zu mir mit den Nachrichten, dass meine Wehen aufgehört haben und ich nun einen Wehentropf bekomme. Völlig benebelt nickte ich mit dem Kopf und wurde an den Tropf angeschlossen.

 

Am Wehentropf angeschlossen ging es dann flott voran. Allerdings hörte ich dann, wie die Schwestern sich unterhielten und festegestellt haben, dass dieses blöde CTG Gerät nicht richtig funktioniert. Da wären wir dann bei den unnötigen Positionswechseln, denn geändert hat es am defekten CTG auch nichts. Eine Schwester kam mit einer riesen Nadel auf mich zu und erklärte das sie meinem Baby Blut über den Kopf abnehmen müssten da es ihm nicht gut geht. Der erste Versuch scheiterte doch der zweite klappte dann. Nach kurzer Zeit bekam ich die Aussage zu hören, dass mein Fruchtwasser umgeschlagen ist. Auf meine Frage wieso dies so ist, war die knappe Antwort der Schwester: " Ihr Kind ist sehr gestresst und hat in das Fruchtwasser gemacht". Keinerlei weitere Informationen. Ständig hörte ich die Schwestern tuscheln und langsam wurde mir etwas mulmig. Eine weitere unnötige Information war das ein Kaiserschnitt nun nicht mehr möglich ist. Super dachte ich mir. WARUM genau teilt ihr mir das dann mit? Ich war so erschöpft, hatte Kopfschmerzen und stand mittlerweile völlig neben mir. Gegen 4 Uhr und weiteren unerträglichen Wehen kamen endlich die erlösenden Worte. SIE DÜRFEN JETZT PRESSEN! Nach 45 min dann die Enttäuschung, wir würden es nicht alleine schaffen. Die Saugglocke kam zum Einsatz und um 04.59 Uhr erblickte unser kleiner Prinz das Licht der Welt. Sofort kam der Arzt reingestürmt und nahm das Kind mit. Ich hatte keine Chance, ihn überhaupt zu sehen. Mein Mann, der die ganze Zeit leise und brav in der Ecke saß war sehr blass, sagte kein Wort. Es kam eine Ärztin, die mich nun dank der Saugglocke nähen musste. Mein Mann verließ dabei den Raum und kam auch sehr lange nicht wieder. Nach 40 min waren wir endlich fertig und die Schwester sagte zu mir, ich solle mich doch bitte anziehen. Mit einer PDA ist das alleine fast unmöglich also übernahm mein Mann das, sagte aber immer noch keinen Ton.

Von unserem Kind bis jetzt immer noch keine Spur.

 

Plötzlich kam der Arzt in den Raum - ohne unser Kind. Er erklärte uns kurz, dass er eine Infektion hat, kurz beatmet werden musste und nun auf der Neo liegt. Wir waren vollkommen geschockt. Mit der Information, dass dies halt manchmal vorkommt und dass wir gleich zu ihm gebracht werden, wurden wir in ein Zimmer gebracht. Meinem Mann schossen die Tränen in die Augen. Ich fragte ihn mehrmals was los sei, bis er mir endlich eine Antwort gab. Unser Kind war komplett grün gewesen und hatte die Nabelschnur um den Hals. Die Ungewissheit, wo er ist und wie es ihm geht machte meinen Mann wahnsinnig. Mittlerweile war es 06.30 Uhr und wir waren immer noch im dem Zimmer. Mein Mann ging immer wieder zu den Schwestern und fragte, wann wir unser Kind nun endlich sehen dürfen. Die unverschämteste Antwort die wir bekamen war: " Sie müssen noch warten wir haben gerade Schichtwechsel" BITTE? Na und? Was zur Hölle soll das alles? Dieses Krankenhaus ist furchtbar, was sich im Laufe unseres Aufenthaltes mehrmals bestätigte. Um 7.00 Uhr endlich, nach 2 verdammt langen Stunden wurden wir zu unserem Kind gebracht. 

Dort lag er ruhig in seinem Kasten auf der Neointensiv, angeschlossen an tausend Kabeln. Ich sah ihn zum ersten Mal und das war kein schöner Anblick... Ich fing an zu weinen, eine Schwester holte ihn aus seinem Kasten und legte ihn mir auf die Brust. Es war das schönste Gefühl der Welt doch gleichzeitig war ich einfach unglaublich traurig.

Aber er war da... er war endlich da! Und wir waren nun Mama und Papa.

 

 

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