Geburtsbericht - Montagsblogserie

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Geburtsbericht - Montagsblogserie

Geburtsbericht_22-07„Wir müssen Sie ab dem 10. überschrittenen Tag nach Entbindungstermin einleiten.“ - und genauso beginnt die Geschichte eines neuen Lebens. Wie sehr habe ich gehofft, dass du keine weiteren 10 Tage in mir verweilen möchtest. Aber du kleiner Dickkopf wolltest mich schon von Beginn an eines Besseren belehren. 

Es kam also wie es kommen musste und ich wurde mit einer Tablette am Muttermund eingeleitet. Auf eigene Gefahr bin ich sogar noch mit meinem Mann nach Hause, um die letzten Dinge zu erledigen. Dort bemerkte ich diesen immer wiederkehrenden Schmerz im Rücken und Unterbauch. Nach 2 Stunden sagte ich meinem Mann es sei vielleicht besser wieder ins Krankenhaus zurück zu kehren. Dort wurde zunächst mal wieder mein Muttermund abgecheckt (wie sehr ich diese Fummelei da unten innerlich verflucht habe). Die Schwester meinte es seien 2cm und es sei super für die erste Geburt. Ich grinste, aber innerlich hätte ich gern schon die 10cm geknackt, denn die Schmerzen wurden stärker. Sie schloss mich (wieder einmal) ans CTG an. Die Herztöne meines Zwerges schlugen ganz schnell und dies machte mich noch nervöser. Neben mir saß eine Frau mit demselben Schicksal der Einleitung, doch bei ihr wurde plötzlich alles abgebrochen, denn die Herztöne ihrer Kleinen seien sehr schlecht. Sie musste also zu einem Not-Kaiserschnitt. Nach einer gefühlten Stunde sah ich wie sie an meinem Raum in ihrem Bett mit ihrem Baby im Arm vorbeigeschoben wurde und ich beneidete sie. Ich beneidete sie dafür, dass sie „fertig“ war und es hinter sich hatte. Es war fast so als hätte ich geahnt, was auf mich noch alles zukommen würde. 

Meine Wehen fingen um 14 Uhr an, inzwischen hatten wir 18 Uhr und mein Muttermund war bei 6cm. Die Schwester nahm mich dann bereits mit in den Kreissaal und versprach mir, dass wir beide das Kind heute noch kriegen würden. Um 20 Uhr habe ich dann die lang ersehnten 10cm erreicht und ich dachte mir „klasse, also kann es doch losgehen!“. Falsch gedacht! Die Oberärztin kam und checkte alles und meinte, dass mein Kleiner sich noch nicht richtig ins Becken gedreht hätte. Und nebenbei bemerkt, mein Kleiner hatte dazu noch einen überdurchschnittlich großen Kopf. Na wenn das mal keine Challenge war. Also musste ich weiterhin diese verdammt starken Schmerzen ertragen. Ich schrie wie eine wildgewordene Furie und stellte mich auf die Zehenspitzen bei jeder einzelnen Wehe. Um 22 Uhr verabschiedete sich plötzlich die Hebamme, die doch das Kind mit mir kriegen wollte und ich wollte einfach nur noch aufgeben. Ich war mit meinen Kräften am Ende und diese Schmerzen nahmen mir jegliche Angst vor dem Tod. Ich weinte so sehr, jedoch nicht wegen der Schmerzen, sondern wegen meiner eigenen Mutter. Ich bereute jeden Streit, jedes böse Wort, jede Undankbarkeit und jeden Streit mit ihr.

Die nächste Hebamme empfahl mir doch ein Bad zu nehmen, doch dies hat genauso wenig geholfen wie auf dem Hüpfball rumzukreisen. Um 22 Uhr wurden die Schmerzen so heftig, dass ich das Gefühl hatte, jeden Moment den kompletten Kreißsaal vollbrechen zu müssen. Die Hebamme schickte deshalb meinen Mann los, er solle mir was Süßes besorgen, denn meine Energie ließe nach. Er kam mit einer Cola und Kinder Riegeln zurück und ich wollte weder das eine noch das andere, aber ich trank die Cola schnell und schrie weiterhin wie eine Verrückte. 

Um 23 Uhr kam dann die Oberärztin und meinte, dass mein Kleiner sich leider noch immer nicht richtig hineingedreht hätte, es fehle aber nicht mehr viel. Sie ordnete um 00 Uhr dann die PDA an mit der Bemerkung „wenn es nach der PDA nicht mehr klappt, müssen wir einen Kaiserschnitt machen“. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Einerseits wäre den Schmerzen ein Ende gesetzt, aber andererseits hätte ich also 10 Stunden Höllenqualen „umsonst“ ausgehalten??? Ich war psychisch und physisch am Ende. 

Doch dann kam die PDA und ich fühlte mich als würde ich vom Licht am Ende des Tunnels zurückgeführt und auf eine Wolke gesetzt worden sein. Ich meckerte sofort, weshalb man mir dieses Zeug nicht schon viel früher gegeben hätte. Die Begründung war, dass ich doch so tapfer durchgehalten habe und man es ganz ohne machen wollte. Hach, wie viele Mittelfinger in diesem Moment in meinem Kopf umherschwirrten. Unzählbar. 

Die Schmerzen waren weg und ich wäre am liebsten eingeschlafen. Doch es musste irgendwie weitergehen. Die Schmerzen, und mit ihnen die Wehen, waren weg und das war nicht gut. Also bekam ich einen Wehentropf und sollte und durfte ab da an (endlich!!!!) bei jeder Wehe pressen. Ich presste so fest ich konnte, doch nach mehr als 12 Stunden besaß ich nicht mehr viel Energie hierzu. Die Oberärztin und die Anästhesistin haben sich abwechselnd auf meinen Bauch mit ihren Unterarmen gelegt und so fest gedrückt wie sie konnten. Ich habe aus Angst um mein Kind jedoch automatisch gegen sie gehalten und so meinte die Hebamme, sie sollen das besser lassen. Denn ohne würde ich besser pressen können. Es war absolut kein schönes Gefühl, zu wissen, dass von außen mit solch einer Kraft gedrückt wird, um mein Kind rauszuquetschen. Scheinbar tat sich was und alle 3 (Oberärztin, Hebamme und Anästhesistin) verlangten von mir, ich solle so weiteratmen und pressen wie bisher. Ich freute mich, doch dann tuschelten Oberärztin und Anästhesistin wieder untereinander. Alsdann kam die Oberärztin und meinte zu mir „wir helfen Ihnen jetzt ein bisschen“. Die eine fuhr ein Gerät herein und die andere besorgte sich etwas, was ich nicht sehen konnte. 

Das Gerät wurde eingeschaltet und erinnerte mich an einen alten Staubsauger. Es schlürfte regelrecht und ich dachte mir nichts dabei. Nun denn wurde ich unten „erweitert“ und die Saugglocke (das war also das mir bis dahin unbekannte Gerät) machte ihren Job. 

Auf einmal war mein Kleiner einfach da, aber ich spürte es nicht, weil ich seit der PDA dort unten nix mehr spürte. Ich war glücklich, kaputt, verwirrt, zerstreut, traumatisiert und vor allem war ich einfach nur müde. Mein Kleiner trug eine leichte Verformung auf dem Kopf dank der Saugglocke, doch das war nicht schlimm. 

Man legte ihn mir auf die Brust und er sog sofort daran, als hätte er nie was anderes getan. Ich lachte während mein „Garagentor“ unten wieder „geflickt“ wurde und dachte mir nur „du bleibst ein Einzelkind“. Das dachte ich wirklich, aber der Mensch ist vergesslich und so wird es wohl nicht mehr lang dauern bis Mama nochmal Bock auf Schmerzen hat.

Die Geburt war der Anfang einer niemals endenden Liebesgeschichte und öffnete mir die Augen in Bezug auf das gesamte Leben. 

Ohne dich - kein mich - ohne mich - kein dich. In Liebe deine Mama. 

 
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