Geburtsbericht - Montagsblogserie

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Als ich die 40. Schwangerschaftswoche erreicht hatte, wurde mir bewusst, dass es ab jetzt jeden Augenblick losgehen könnte. Hinter mir lag eine traumhafte Schwangerschaft, ohne morgendliche Übelkeit, ohne Stimmungsschwankungen und ohne Heißhungerattacken - eine wundersame und sorglose Zeit. 

Seit einigen Tagen jedoch machte sich still und heimlich ein Kribbeln im Bauch bemerkbar. Dieses Kribbeln im Bauch, das dem Schmetterlingsgefühl ziemlich ähnlich ist. Es ist die Aufregung vor dem Unbekannten. Davor wie letztendlich unser Baby das Licht der Welt erblickt. Denn wir haben uns zwar für die spontane Entbindung entschieden, aber wir wussten auch, dass dafür alle Voraussetzungen erfüllt sein müssen und unter Umständen eine Sectio unumgänglich ist. 

Meine Gedanken kreisten immer und immer wieder um die Frage nach dem WIE. Wie wird mein Körper mir zeigen, mich ‚as soon as possible‘ in die Geburtsklinik zu begeben. Wie unterscheide ich einen Fehlalarm vom Ernstfall? Wie kommt mein Körper mit den Strapazen einer Geburt klar? Wie reagiere und gehe ich mit den Wehen um und bin ich stark genug, sie ggf. lange zu ertragen?

Es war der zweite Sonntag im März dieses Jahres, als ich gegen 8 Uhr aufstand, um dringend das Badezimmer aufzusuchen. Ich hatte die Toilette noch nicht ganz erreicht, platschten wenige und kleine Tröpfchen auf die Fliesen der Keramikabteilung. Ich blieb verwundert stehen und überlegte kurz, ob ich gerade auf den Boden unseres Badezimmers uriniert hatte. Dann musste ich darüber lachen. Darauf folgte dann aber schnell die Frage, ob es womöglich doch schon Fruchtwasser sein könnte. Ich erinnerte mich an den Vorbereitungskurs. „Ein Blasensprung ist keine hollywoodreife Vorstellung“, sagte die Hebamme. Ich rief mir die Informationen aus dem Kurs ins Gedächtnis, die ich jetzt benötigte, um die Lage zu beurteilen und entsprechend zu handeln. Aber eins hatte ich in der gesamten Zeit bis zum Kreißsaal nicht - Panik! Ganz im Gegenteil. Ich ging zu meinem Ehemann und brachte ihm ganz schonend bei, dass wir wahrscheinlich im Laufe des Tages einen Ausflug in die Klinik unserer Wahl machen würden. Er war genauso gelassen wie ich. Aber das waren wir wahrscheinlich nur, weil ich noch keine Wehen verspürte. Wir beschlossen abzuwarten und zu beobachten, ob sich noch was tut. Die nächsten Anzeichen ließen etwas auf sich warten und wieder war es das Fruchtwasser. Diesmal aber schon ein kleines bisschen mehr. Aus dem wahrscheinlichen Besuch wurde in unseren Gedanken schnell ein definitiver Besuch, denn beim Verlust des Fruchtwassers steigt bekanntlich das Infektionsrisiko. Mein Mann wartete auf mein Startsignal. Wir informierten kurz die werdenden Großeltern, unsere Geschwister und enge Freunde.

Gegen 16 Uhr wurden wir im Kreißsaal vorstellig. Die diensthabende Hebamme untersuchte mich und es war ganz eindeutig Fruchtwasser. „Herzlichen Glückwunsch! Sie gehen nicht mehr ohne Baby nach Hause.“ Puh! Keinen Frühstart hingelegt. Wir bleiben! Und ich bleibe vor allem liegen. Denn unser kleiner Schatz ist noch nicht ganz in der Startposition. Ich muss liegend transportiert werden. Oha! Gerade bin ich noch quer über den ganzen Besucherparkplatz gelaufen und jetzt darf ich nicht mal mehr alleine von der Untersuchungsliege bis zu unserem Familienzimmer gehen. Aber gesagt, getan. Nun hieß es die weiteren Entwicklungen abzuwarten. Bis dato hatte ich aber immer noch gar keine Wehentätigkeit und der Muttermund war noch fest verschlossen. Eine Hebamme, die gegen 21:30 Uhr das letzte CTG an diesem Tag machte, verabschiedete sich mit den Worten: „Schlafen Sie sich aus für morgen. Wir werden dann die Geburt einleiten.“

Als hätte mein Körper keine Lust auf äußerliche Einwirkung, kamen die ersten Vorwehen, die aber noch so leicht waren, dass ich sie nicht besonders veratmen musste. Dann wurden die Wehen zunehmend heftiger. Gegen Mitternacht hatte ich dann schon mit starken Wehen zu kämpfen. Mein Mann und ich machten uns auf den kurzen Weg in den Kreißsaal. Ich bat um Schmerzlindernde Mittel und bekam ein Zäpfchen, das aber unter Umständen nichts mehr brachte. Wow! Das sind ja rosige Aussichten. Und tatsächlich half das Mittel überhaupt nicht. 

Im Familienzimmer angekommen, wurden meine Wehen so heftig, dass ich dachte, mein Kreislauf versagt. Zumal ich leider zwischen den Wehen gar keine Abstände mehr hatte. Als ich gerade hoffte, die eine Wehe ebbt gerade ab und ich kann Kraft sammeln für die nächste, war die nächste bereits da und drängte sich mir auf. Hat man uns im Kurs nicht versprochen, dass man zwischen den Wehen kleine Erholungsphasen hat? Wo zum Teufel sind dann meine? 

Um 1 Uhr standen wir wieder im Kreißsaal auf der Matte. Ich habe meine Situation so gut es ging geschildert. Die Hebamme schloss mich ans CTG und untersuchte anschließend meinen Muttermund. 2 Zentimeter. „Da muss sich noch einiges tun. Das wird noch dauern.“ Das kann nicht sein. „Ich habe keine Pausen zwischen den Wehen und sie sind so stark“, wiederholte ich das, was ich eingangs gesagt hatte. Das schaffe ich nicht mehr lange, dachte ich mir. Bin ich so schmerzempfindlich? Eigentlich kann ich Schmerz gut verkraften. Ich muss doch noch mehr in dieser Nacht aushalten. Wieso bin ich jetzt schon so erschöpft und am Ende meiner Kräfte? Dann folgte das, wovor ich gewarnt hatte. Mir war während der Wehen so schlecht geworden, dass ich mich vielfach übergeben musste. Als sich mein Magen komplett geleert hatte, untersuchte die Hebamme meinen Muttermund abermals. Es war 2 Uhr morgens. Innerhalb der letzten 60 Minuten um weitere 6 Zentimeter geöffnet. Das verschlug selbst der Hebamme den Atem. Denn damit hatte sie nicht gerechnet. Vorhin waren es gerade mal 2 Zentimeter. Jetzt schon 8. Endlich hatte sie wie auch wir begriffen, was da vor sich ging. Ich war nicht wehleidig. Auch wenn es meine erste Geburt war, schien unser Baby es plötzlich ganz eilig zu haben. Die Ärztin wurde dazu geholt. Sie besprachen kurz die Lage und wendeten sich anschließend mir zu. Ich bat, mir eine PDA zu geben. Die beiden Frauen sahen sich kurz verwundert an. Dann hörte ich die Ärztin reden: „Wir können Ihnen keine PDA geben. Wir würden nicht einmal mehr schaffen, den Zugang rechtzeitig zu legen, geschweige denn, das Mittel zu verabreichen, so dass es wirkt, bevor das Kind auf der Welt ist.“ 

Das war wie ein Schlag ins Gesicht. Mein erster Gedanke war, ich bekomme keine PDA. Ich muss noch viel mehr als bisher ohne PDA ertragen. Bitte nicht. Dann schoss mir aber ein zweiter Gedanke durch den Kopf. Moment mal, das Baby ist der nächsten Viertelstunde auf der Welt, schätzte die Ärztin. Das gab mir so viel positive Energie und ich war überwältigt von dem Gedanken, gleich unser Baby das erste Mal in meinen Armen zu halten. Mittlerweile hatten die Presswehen eingesetzt. Ein weiterer Arzt kam hinzu, der mir mit knappen Worten erklärte wie ich die Presswehen nutzen sollte, um dem Kind auf die Welt zu helfen. Vier Presswehen weiter sagte mein Mann zu mir, das Köpfchen wäre schon da. Von da an wusste ich, wir haben es geschafft. Und so war es auch. Mit der nächsten Wehe wurden wir Eltern eines zauberhaften Mädchens. Die Hebamme sagte die Uhrzeit an: 2:42 Uhr. Vom Einsetzen der Wehen bis zur Geburt waren knapp drei Stunden vergangen.


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