Geburtsbericht - Montagsblogserie

Veröffentlicht am von

Geburtsbericht - Montagsblogserie

Geburtsberichte_Montagsblog

 

Mein Geburtsbericht beginnt tatsächlich 12 Stunden vor der Geburt.

 

Es ist Mittwoch der 21.02.2018. Ein Tag vor dem errechneten Geburtstermin. Heute habe ich einen Termin beim Frauenarzt und frage mich, wie oft ich wohl noch mit großer Kugel hier auftauchen werde. Kaum am CTG angeschlossen, schlägt der Kleine nochmal Purzelbäume und genießt wohl nochmal die letzten Stunden in Mamas Bauch. Der Ärztin gefiel das allerdings gar nicht. Der Kleine ist zu aktiv und wir sollten das nochmal im Krankenhaus checken lassen.

Also sind wir erstmal nach Hause, haben die Kliniktasche geholt und sind dann sofort weiter ins Krankenhaus gefahren. Für mich stand fest, wenn ich heute da bleiben muss, werde ich das Krankenhaus nicht mehr ohne Baby verlassen. Deswegen habe ich mir geschworen, wenn ich nur zur Beobachtung in der Klinik bleiben soll, fahre ich wieder nach Hause. Somit haben wir die Tasche erstmal im Auto gelassen und sind dann in den Kreissaal gegangen. Kaum angekommen, kam ich auch sofort dran, weil meine Ärztin mich schon angekündigt hat. Auch hier wurde ich wieder ans CTG angeschlossen und tatsächlich habe ich dann die ersten Wehen gespürt. Es war ein sehr leichtes ziehen und noch sehr unregelmäßig, aber bis zu diesem Moment konnte ich mir unter Wehen noch gar nichts vorstellen. Nun, da waren sie. Ganz leicht, ein bisschen unangenehm aber nicht schmerzhaft. Auf dem CTG-Streifen wurden sie ebenfalls erkannt und die Herztöne waren auch hier wieder sehr unregelmäßig. Nach einer kurzen Ultraschalluntersuchung sagte die Ärztin mir dann genau das, was ich nicht hören wollte. SIE MÜSSEN ZUR BEOBACHTUNG HIER BLEIBEN.

 

Aber nicht mit mir! Ich Sturkopf habe mich dann auf meine Verantwortung hin, selber entlassen.

 

Mein Mann war natürlich stinksauer. Denn für ihn hieß es, seine Frau heute Nacht mit einem unguten Gefühl alleine zulassen, weil er um 18 Uhr die Nachtschicht antreten muss.

Wir sind also gemeinsam wieder nach Hause gefahren und wenige Minuten später ging es für ihn zur Arbeit. Kaum war er aus dem Haus, hatte ich doch ein mulmiges Gefühl. War es richtig wieder nach Hause zu fahren? Was ist wenn jetzt was passiert?

Aber was ein Zufall, stand wenige Minuten später meine Mama vor der Tür. Sie wollte doch nur mal kurz vorbeischauen. Ja. Ein Mama-Herz weiß genau wann es gebraucht wird. Die Ablenkung war Balsam für die Seele. Gegen 21 Uhr hat sie mich dann wieder alleine gelassen und ich konnte mir noch in Ruhe mein Mittwoch-Abend-Programm ansehen. Im TV liefen zu der Zeit immer Geburtssendungen, die ich mit großer Freude geschaut habe. Um ca. 22.30 Uhr ging ich ins Bett und schlief auch recht zügig ein.

 

Um 23.30 Uhr wurde ich wach. Ich merkte, wie das Bett und meine Beine nass wurden. Vor Schock traute ich mich nicht zu bewegen, aber ich merkte, dass es immer mehr Wasser wurde. Also bin ich schnell ins Bad gestürmt und habe mich erstmal ein paar Minuten aufs Klo gesetzt. Als es allmählich besser wurde, ging ich zurück ins Schlafzimmer und rief meinen Mann an.

SCHATZ, DIE FRUCHTBLASE IST GEPLATZT. Während er sich auf den Weg machte, bin ich nochmal schnell unter die Dusche. Wer weiß, wann ich das nächste Mal dazu kommen werde. Ich trocknete mich gerade ab, da stürmte schon mein Mann ins Bad. So schnell war er noch nie Zuhause. Er schnappte sich die Taschen und schützte den Beifahrersitz mit Handtüchern und Wickelauflagen.

Um ca. 00.00 Uhr machten wir uns dann auf den Weg. Auf der Fahrt rief mein Mann dann unsere Eltern an und kündigte dem Kreissaal mit, das wir unterwegs sind. Die Hebamme sagte nur. IST ES DAS ERSTE KIND? LASSEN SIE SICH ZEIT. WIR HABEN HIER NOCH GUT ZU TUN.

Oh je. Ist es da so brechend voll?! Bitte nicht! Im Auto hatte ich nur eine Wehe, die aber schon ordentlich zu spüren war. Also kein Vergleich zu denen am Mittag.

Am Krankenhaus angekommen, ging es mir noch super. Ich spürte nur einen seltsamen Schmerz im Rücken. Mein Mann wollte extra auf dem Storchenparkplatz direkt am Einfang parken, aber ich sagte ihm er soll doch lieber auf dem normalen Parkplatz, weil er bei dem anderen nur ein paar Stunden stehen darf und ich die paar Schritte schon schaffen würde. Doch wer hätte es gedacht. Kaum ausgestiegen, kam eine Wehe nach der anderen. Alle 20 Meter musste ich Pause machen und die Wehen veratmen. Wir haben tatsächlich 20 Minuten bis zur Kreissaaltür gebraucht. Wir klingelten an der Tür. BITTE WARTEN SIE NOCH EINEN MOMENT.

Die Minuten vor der Tür waren für mich die Hölle. Ich hatte nur eine Wehenpause von einer Minute und dieser fiese Schmerz im Rücken wurde immer stärker. Mein Mann musste mich regelmäßig ans Veratmen erinnern. So oft geübt Zuhause und trotzdem wieder vergessen. Ab diesem Punkt habe ich auch die Zeit aus den Augen verloren. Ich glaube wir standen so eine gute Stunde vor der Tür aber für mich fühlte es sich an wie eine Ewigkeit. Ich wusste nicht, was für mich gerade am besten ist. Erst bin ich vor der Tür hin und her gelaufen, dann habe ich mich an den Tresen gelehnt und zum Schluss habe ich mich auf die Bank gelegt. Dort habe ich dann einen starken Druck nach unten gespürt. Für mich war es sehr schwierig zu deuten. Muss ich jetzt aufs Klo oder ist das schon dieser berühmte Druck nach unten? Ich erklärte es meinem Mann und er klingelte nochmal. Dann kam auch endlich die Hebamme. Wir durften rein. Im selben Raum, in dem ich schon vor ca. 9 Stunden am CTG angeschlossen wurde. Für mich der perfekte Raum. Denn hier war die Badewanne. Ich habe immer von einer Wassergeburt geträumt.

Auch jetzt wurde ich wieder an den Wehenschreiber angeschlossen. Ich fragte sofort nach einer PDA aber die Hebamme sagte, dass das CTG erstmal eine halbe Stunde laufen soll. Ich dachte nur. BITTE NICHT! Dann musste mein Mann mich erstmal verlassen, weil er mich noch am Empfang anmelden sollte. (Entschuldigung, aber kann man sowas nicht nach der Geburt klären?!)

Die Hebamme hatte nebenbei noch 2 andere Geburten und ließ sich deswegen nur selten bei mir Blicken. Für mich war das schrecklich. Alleine mit der Situation und den Schmerzen klar zu kommen. Der Druck nach unten wurde immer stärker und ich konnte ihn nicht mehr aufhalten. Ich bekam leichte Panik und stöhnte extra etwas lauter vor mich hin, damit mal jemand nach mir sieht. Daraufhin kam auch die Ärztin. Ich sagte ihr, dass ich drücken muss, doch sie sagte ich soll es noch ein wenig aufhalten. Sie zog mir die Hose aus und untersuchte mich. OHHH. WIR HABEN SCHON 10cm! ABER ER LIEGT NOCH ZIEMLICH WEIT OBEN. ES DAUERT NOCH EIN BISSCHEN.

Ich dachte nur. Bitte lass meinen Mann schnell wieder hier sein!

Und dann kam er auch. Um 02.08 Uhr. Zeitgleich mit der Hebamme. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ab diesem Moment waren die Wehen nicht mehr schmerzhaft, sondern ich spürte nur diesen Druck nach unten und die Schmerzen im Rücken. Die Hebamme meinte, wir müssen jetzt noch den Kreissaal wechseln und ich sollte nochmal aufs Klo gehen, aber ich konnte wirklich keinen Schritt mehr gehen. Ich habe gespürt, es ist jetzt gleich soweit. Mein Sturkopf hat sich mal wieder durchgesetzt. Sie untersuchte mich nochmal und rief die Ärztin dazu.

Sie sagte ihr, dass wir nicht mehr wechseln können, da er sich jetzt auf den Weg macht.

Mein Mann stellte sich an mein Kopfende und die Ärztin und Hebamme machten sich bereit.

Ab hier sind meine Erinnerungen nur noch gestückelt. Ich durfte endlich dem Druck nachgeben und pressen. Erst war ein bisschen Angst dabei, dass man sich alles aufreißt aber ich drückte einmal mit voller Kraft und sollte dann eine kurze Pause machen und husten. Und Schwups. Da war er schon. Der Kopf. Es war gar nicht so schlimm. Bei der nächsten Wehe habe ich nochmal all meine Kraft zusammen genommen und dann war er da. Der erste Schrei. Mein Sohn. Mein Leben. Am 22.02.2018 um 02.38 Uhr. Nur 3 Stunden nachdem die Fruchtblase geplatzt ist.

Sie legten mir den Zwerg auf den Bauch und mein Mann durfte die Nabelschnur durchschneiden. Kaum zu glauben, aber man hat den Schmerz tatsächlich sofort vergessen. Es war der schönste Moment in meinem Leben!

 

Nach der Geburt haben sich Ärztin und Hebamme nochmal bei uns entschuldigt, dass sie uns so lange vor der Tür warten ließen. Sie haben niemals damit gerechnet, dass der kleine Mann es so eilig hat und in nur 3 Stunden das Licht der Welt erblickt. Für sie war es selbstverständlich, dass die Geburt des ersten Kindes immer länger dauert. Doch jede Geburt, jede Gebärende und jedes Kind sind anders! Ich hatte eine schöne Geburt, aber würde es nicht diesen Hebammenmangel geben, wäre sie wohl traumhaft schön gewesen.


Das Schreiben von Kommentaren ist nur für registrierte Benutzer möglich.
Anmelden und Kommentar schreiben Jetzt registrieren