Geburtsbericht - Montagsblogserie

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Ich war vom ersten Tag an stets gerne schwanger. Doch irgendwann kommt die Zeit, da kann man es kaum noch abwarten sein Baby in den Armen zu halten. 

 

Und dann am 16.12.2017 machte sich unser kleines Baby auf den Weg. Seit Monaten schlief ich die erste Nacht mal wieder so richtig gut. Keine Senkwehen, keine Übungswehen, keine Ein – und Durchschlafprobleme. Als Erstgebärende denkt man sich da nichts bei…und dann platze um 7 Uhr meine Fruchtblase. Glücklicherweise sogar auf der Toilette – so ersparte ich meinem Mann eine ausgedehnte Putzaktion.

 

Uff…sollte es dann endlich soweit seit? 

Völlig überwältigt von den vielen Emotionen schrie ich durch die Wohnung: „ Schatz, die Fruchtblase ist geplatzt. Aufwachen!“ Naja, mein Mann ist eher der gemütliche Typ und das war nun natürlich kein wenig anders. 

Ich rief im Krankenhaus an und die freundliche Hebamme sagte mir, dass ich mich noch in Ruhe zu Hause duschen kann und frühstücken soll. Ruhe…sie hat gut reden. Natürlich war ich schnell wie der Blitz und stand mit Sack und Pack bereit zur Abfahrt.

Auf Station angekommen wurde ich ans CTG angeschlossen. So gut wie keine Wehentätigkeit und bei der Untersuchung war der Muttermund bei 2 cm und weich. Ich durfte erst einmal mein Zimmer beziehen. Alle 4 Std sollte ich mich wieder im Kreissaal melden, wenn sich nichts Gravierendes tut. Nach dem nächsten CTG hatten wir jedoch die gleichen Ergebnisse. Ein Arzt kam und klärte uns darüber auf, dass ich gegen 19 Uhr eingeleitet würde und zur Vorsicht antibiotisch abgedeckt würde, da das Baby quasi auf dem Trockenen liegt und durch den Muttermund Keime in die Fruchtblase gelangen könnten. Also schickte ich meinen Mann nach Hause, damit er sich noch ein wenig ausruhen konnte. Ich versuchte das gleiche, jedoch ohne Erfolg. 

Stattdessen ging ich auf große Wanderschaft im Krankenhaus. Treppen rauf und Treppen runter – ein Tipp der Hebamme vom Vorbereitungskurs. Immer in Bewegung bleiben.

Also meldete ich mich weitere 4 Std später auf Station. Immer noch kaum merkliche Wehen- Tätigkeit. Ein kleiner Fortschritt beim Muttermund, ganze 4 cm. Ich bekam dann auch die erste Antibiose. 

Und wieder hieß es warten und wandern. Zur nächsten Untersuchung war dann auch mein Mann wieder dabei und da sich weiterhin nichts tat wurde ich mit Hilfe einer Tablette eingeleitet. 

Wow, sag ich euch. Dass ich so schnell Wehen bekäme, hätte ich nicht gedacht. Keine 30 Minuten nach der Einnahme bekam ich Wehen und dann auch gleich im 2 Minuten tackt. Ab da an durften wir frei entscheiden ob wir im Kreissaal bleiben möchten oder aufs Zimmer gehen wollen. Wir nahmen die letztere Option. Ein nicht so schöner Nebeneffekt der Wehen war, dass ich andauernd auf die Toilette musste. Dann zog der Abstand der Wehen noch mal an – ca. alle 1 bis 1 ½ Minuten. Wir gingen in den Kreissaal und ich wurde dort nochmals untersucht. Ich muss sagen, diese Untersuchung war mit Abstand das Schlimmste an der gesamten Geburt. Da mein Muttermund scheinbar ein wenig versteckt lag, hatte die neue zuständige Hebamme Probleme ihn zu erreichen. Ich hatte starke Schmerzen und war völlig verzweifelt. Ich weinte und bat sie damit aufzuhören. In dem Moment verfluchte ich die Hebamme, doch sie hörte nicht auf und lokalisierte meinen Darm als Schmerzauslöser. Ich war der felsenfesten Überzeugung, dass nach zahlreichen Toilettengängen nichts mehr kommen würde. Doch ich lag falsch. Ich bekam einen kleinen Einlauf und danach fühlte ich mich wesentlich besser und die nächste Untersuchung war wieder Schmerzfrei. Jedoch war der Muttermund weiterhin bei 4 cm. 

Die Wehentätigkeit nahm weiterhin zu und sie kamen ca. alle 30 Sekunden. Mein Mann war mir eine große Stütze und massierte mir bei jeder Wehe den unteren Rücken. Eine Wohltat für mich. Ich selber versuchte mich auf meine Atmung zu konzentrieren und ging bei jeder Wehe tief in Knie. Ich versuchte im Zimmer hin und her zu laufen, jedoch war zwischen den einzelnen Wehen zu wenig Zeit verstrichen. Ich hatte nach knapp 2 Std mit diesen Wehen gefühlt keine Luft mehr zum Atmen. 

Eigentlich wollte ich gerne eine natürliche Spontangeburt, da sich aber weiterhin der Muttermund nicht weiter öffnete, entschied ich mich dann aber für eine PDA. Der Anästhesist kam gegen 1.45 Uhr und ich bekam einen Wehen Hemmer. Diese sorgten dafür, dass mein ganzer Körper zitterte und ich mich hinlegen musste. Ich bekam einen Katheter in den Rücken gelegt. Ich hatte es mir deutlich schlimmer vorgestellt, wie es dann wirklich wahr. Der Anästhesist war super klasse. Er machte mir jedoch keinen Mut, denn er glaubte nicht, dass die Geburt bald sei. Seine Erfahrungen waren eher das die Geburt aufgrund der Medikamentes der PDA zum zeitweisen Stillstand kommt. Ich nutzte die Ruhe um ein wenig zu entspannen und machte die Augen zu. 

Da ich in einem kleinen Krankhaus entbunden habe, wurde die Bereitschaft gerufen. Somit bekam ich eine neue Hebamme. Sie betrat auf ca. 3 Uhr das Zimmer und war sehr euphorisch: „Hallo ihr zwei, wie geht es euch? Also ich würde dich gerne einmal untersuchen, denn dein CTG verrät mir das du es gleich geschafft hast.“ Hmm… davon war ich jetzt nicht wirklich überzeugt. Aber sie hatte Recht. Mein Muttermund war bei 9 cm und ich spürte einen starken Druck ins Becken. Sie bat mich, dass ich mich auf die andere Seite drehe, da das Würmchen als Sternengucker (Gesicht nach oben) im Becken lag. Und tatsächlich bewirkte meine Drehung auch die Drehung des Würmchens. Gegen 3.30 Uhr war den Muttermund bei ungefähr 9,5 cm und der Druck ins Becken wurde immer stärker und intensiver. Ich wollte unbedingt pressen, durfte es aber noch. Irgendwann sagte sie dann zu mir, dass ich endlich die 10 cm erreicht habe und ich nun aktiv pressen darf. Nach 5 Presswehen war es dann endlich geschafft. 

 

Am 17.12.2017 um 4.01 Uhr erblickte unsere kleine Tochter Amy das Licht der Welt. 

Ich bekam sie sofort zum Bonding auf meine nackte Haut gelegt und betrachtete sie voller Stolz. Mein Mann schnitt dann nach einiger Zeit die Nabelschnur durch. Die Nachgeburt war dann eher unspektakulär. Dann kam die Oberärztin dazu um mich zu untersuchen und meine kleinen Verletzungen am Damm zu versorgen. Die Ärztin wurde ein wenig unruhig, da ich ihr zu stark blutete. Da sie die Blutungsquelle nicht ausmachen konnte, wurde ich zur Kürettage in den OP gebracht. 

Zurück im Kreissaal wurde mir unsere Tochter angelegt und wir genossen die ersten Minuten als Familie. 

 

Ich habe mir die Geburt immer anders vorgestellt und war auch ein wenig ängstlich. Heute kann ich sagen, dass es alles nur halb so schlimm war und ich mich tatsächlich auf eine weitere Schwangerschaft und Geburt freue.


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