Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

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Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

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...es war ein kalter Herbsttag. Deine Oma fragte einige Tage vorher, ob ich Zeit und Lust hätte, mit ihr einen gemütlichen Frauenabend zu machen. 

Ich wählte einen Freitag, an dem dein Papa auf einer Weihnachtsfeier war. 

Ich bereitet ein tolles Essen vor und besorgte einen schönen Wein. 

Wir machten es uns gemütlich, aßen und tranken und lachten dabei. 

Nach einer Weile, sagte deine Oma zu mir, sie müsste mit mir sprechen. Ich war erschrocken, denn aus dem lachenden Gesicht wurde eine ernste Miene. Sie holte ein Foto aus ihrer Tasche. Dort war ein Mann zu sehen, der mich als Baby auf seinem Schoß hielt. Ich fragte sie, wer das sei. 

Sie musste schlucken und fing an zu weinen. Sie erzählte mir, dass dieses mein Erzeuger sei. Mehr konnte sie nicht sagen, sie war bitterlich am Weinen. Ich schaute sie mit großen Augen an und hielt das Bild in meiner Hand. Sie versuchte mir zu erklären, wie es so kam. Warum ich jetzt erst nach 27 Jahren davon erfahren würde. Zum Schluss sagte sie nur, dass es ihr unendlich Leid tut und sie verstehen könne, wenn ich nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte. Ich schaute sie weiterhin nur an, ohne groß etwas sagen zu können. Sie weinte weiter. Ich bat sie darum, nach Hause zu gehen. Weiterhin war ich Emotionslos. Sie nahm mich in den Arm und entschuldigte sich. Kurze Zeit später, rief dein Opa mich an. Er weinte ebenfalls. Es sagte mir, dass er mich unendlich lieben würde. Ich wäre seine Tochter, und da würde sich nie etwas dran ändern. Er weinte und weinte. Ich war weiterhin sprachlos und bat darum, mit Zeit zu geben. 

 

Ich habe mir zwei Tage Zeit gelassen- habe nachgedacht. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass mich diese Erkenntnis in keiner Art und Weise beeinflusst, deinen Opa, meinen Papa, weniger zu lieben, als vor dem Gespräch. Auch deiner Oma machte ich keinerlei Vorwürfe. Klar hätte man früher mit mir sprechen können, aber sowas bespricht man auch nicht eben mal beim Abendbrot. Ich liebe deine Oma und deinen Opa, meine Eltern. Und dein Opa ist mein Papa, kein anderer Mensch könnte dieses jemals sein. 

 

Damit möchte ich Dir sagen:

,,Hör immer auf dein Herz, das betrügt dich nicht. Liebe wen du lieben magst und lass dich bin keinem beirren“ 

Deine Mama, die Tochter deines Opas und deiner Oma

 


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