Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

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Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

Briefe_amK_12-07Mein kleines Herz,

ich will nur, dass Du weißt, wie sehr ich Dich liebe. Bei allen Reibereien, die wir schon hatten und die wir noch haben werden, sollst Du niemals vergessen, dass ich Dich für immer liebe. Egal was kommt und was passiert. Das sag ich Dir jeden Abend, wenn ich Dich ins Bett bringe. Auch und gerade dann, wenn unser Tag wieder ganz besonders anstrengend war. Weil ich Dein Blitzableiter bin für all die Gefühle, die in Dir sind. 

Du warst schon immer besonders sensibel. Schnell war Dir alles zu viel, Du hast so viel geweint und warst nur auf meiner Brust mit Deinem Leben zufrieden. Das war natürlich anstrengend für mich, weil ich in der Zeit nichts anderes machen konnte, als Dich auf mir liegen zu lassen, damit Du besser in dieser Welt ankommen kannst. Du hast praktisch ganze erste Lebenshalbjahr auf mir drauf verbracht. Viele hat das gestört. Sie sagten, dass ich Dich zu sehr verwöhne und dass Du deshalb so schreckhaft auf Fremde reagierst, weil ich Dich ja ständig umsorge. Das war mir aber egal. Ich hab gelächelt und mir still gedacht: „Ach, wenn nur Du mal verwöhnt worden wärst..!“ Die Wochen vergingen und wurden Monate, bald schon Jahre. Eine kleine Schwester kam dazu, den großen Bruder hattest Du bereits bei Deiner Geburt, auch wenn Euch 13 Jahre trennen und Ihr zwei irgendwie nie das klassische Geschwisterpärchen werden konntet. 

Das Zusammenleben mit Dir ist manchmal wirklich sehr anstrengend. Denn Du forderst so viel von mir. Es gibt Tage, an denen ich nicht in der Lage bin, all Deinen Forderungen nachzukommen und muss Dir dann die eine oder andere versagen. Dann bist Du wütend, traurig und weinst und bis sauer auf mich und ich fühl mich schlecht, weil ich nicht möchte, dass Du diese negativen Gefühle hast. Und doch bin ich auch stolz darauf, dass Du in der Lage bist, mir diese negativen Gefühle zu zeigen. Auch, wenn das für mich manchmal schwer zu ertragen ist. Es gibt Stimmen in meinem Umfeld, die Dein Verhalten tyrannisch finden und ja, manchmal empfinde ich das selber so. Aber ich weiß auch, dass Du Deine Gefühle voll auslebst und ausleben darfst und musst. Wie sonst sollst Du später wissen, was Du fühlst, wenn ich Dir das heute verbiete? Und wie sonst sollst Du lernen, wie Du mit Deinen Gefühlen umgehen sollst, wenn Du sie heute nicht ausleben darfst? Du musst noch früh genug lernen, Dich zurück zu nehmen, Deine Gefühle verbergen lernen, Frust aushalten lernen. Bis dahin bin ich weiterhin Dein Blitzableiter und fange Dich und Deine starken Gefühle wieder und wieder auf. Das ist meine Aufgabe als Deine Mama und ich tue es gerne für Dich, damit Du irgendwann als großes, starkes Mädchen in die Welt hinaus gehst und sie für Dich eroberst. Und das wirst Du auch, mein kleines Mädchen. Das Leben mit Dir zehrt manchmal sehr an meinen Kräften, aber spätestens abends, wenn Du im Bett liegst und ich Deine kleine Hand halte und Du mich anlächelst, wenn ich Dir sage, wie sehr ich Dich liebe, merke ich immer wieder, dass es mir das wert ist. Weil Du etwas ganz Besonderes bist. Ich will nur, dass Du das weißt.

In Liebe, Mama

Nicole S.

 
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