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10 Fragen im Interview: extreme Frühchenmama mit HELLP-Syndrom

COLOURBOX77796121. Was war der Grund für die frühe Geburt Deines Kindes?

Bei mir wurde ein schweres HELLP-Syndrom diagnostiziert und zusätzlich eine Präeklampsie. Beim HELLP-Syndrom fällt der Wert der für die Blutgerinnung verantwortlichen Thrombozyten gefährlich niedrig, es kommt zu erhöhten Leberwerten und eine nachlassende Blutgerinnung. Das HELLP-Syndrom ist eine der schwersten schwangerschafts-bedingten Erkrankungen und für Mutter und Kind lebensbedrohlich. 

2. Wann realisiert man diese schreckliche Nachricht?

Realisieren kann man eine solche Nachricht gar nicht, da wird man einfach "rein geworfen". Es gibt überhaupt keine Zeit, sich damit auseinander zu setzen. 

3. Kannst Du deine Gefühle in dieser Zeit beschreiben?

Es fühlt sich schrecklich an, nichts tun zu können, dem Schicksal völlig ausgeliefert zu sein. Die Angst um sein Kind ist einfach unglaublich groß, das eigene Kind wird einem ja regelrecht „entrissen“, denn ein Kaiserschnitt muss bei dieser Diagnose ganz schnell erfolgen. Und auch für meinen Mann war das wohl die schrecklichste Erfahrung seines Lebens, er musst ja nicht nur um das Leben unseres Kindes bangen, sondern auch um meines.   

4. Was würdest Du Dir wünschen, dass Mitmenschen im Umgang mit „Frühchen-Eltern“ besser oder anders machen? 

Ich würde mir wünschen, dass wir als Eltern wahr genommen werden. Nur weil man ein Frühchen hat, das nicht kurz nach der Geburt mit nach Hause darf und um dessen Leben man noch lange bangen muss, hat man trotz allem ein Kind bekommen. Man darf auch Frühchen-Eltern gratulieren! Denn die Geburt quasi „tot zu schweigen oder zu ignorieren“ ist doch schrecklich. 
Aber auch Aussagen wie "ich weiß nicht ob ich das könnte..."  sind völlig fehl am Platz! Was sollen wir Eltern denn machen? Sollen wir gehen? Nein – wir sind in dieses Leben hineingeworfen worden und müssen damit zurecht kommen. Ob wir das können – danach werden wir vom Schicksal nicht gefragt. 
Und bitte, erspart Eltern, die zusammen mit ihrem Frühgeborenen um dessen Leben kämpfen Sätze wie: „Sonst ist aber alles gut oder?" Wir haben Sorgen, Ängste und Nöte, ist das nicht genug? 

5. Hast Du Tipps zur Bewältigung dieser enormen psychischen Belastung für andere Eltern? Was hat Dir geholfen?

Reden, reden und nochmal reden! Versteckt eure Angst und eure Sorgen nicht in euch. Lasst es raus, auch die Verzweiflung oder auch die Wut, die manchmal in euch kocht. Denn die Frage nach dem Warum oder dem Sinn dahinter, dass Euer Kind einen so schweren Start ins Leben hat, frisst Euch auf, wenn Ihr sie nicht heraus lasst. Psychologische Hilfe ist ebenfalls ratsam. Die Bereitschaft, diese Hilfe anzunehmen kommt aber oft erst dann, wenn Ihr als Familie endlich zusammen Zuhause sein dürft. 

6. Wie geht es Euch heute?

Leonie ist mittlerweile 2,5 Jahre alt und es geht uns allen gut. Sie macht Fortschritte und wir freuen uns natürlich über jeden kleinen Erfolg. Mittlerweile sind wir eine ganz normale kleine Familie.  

7. Was sollte sich in der Gesellschaft im Bezug auf den Umgang mit Eltern frühgeborener Kinder ändern?

Ich wünsche mir viel mehr Offenheit! Dieses Thema wird so oft herunter gespielt oder gar nicht angesprochen. Aber auch wir sind Eltern, die ein Kind bekommen haben, die stolz auf dieses kleine Wunder sind, auch wenn die Angst um das Leben dieses kleinen Menschen das Glück einer Geburt überlagern kann. 
Ich wünsche mir auch eine bessere Vorbereitung der Hebammen. Manche sind völlig überfordert und als Eltern steht man dann ziemlich alleine da. 
Auch wünsche ich mir, dass in der Öffentlichkeit viel mehr gezeigt wird, dass nicht nur „große“ Frühchen eine Chance haben zu überleben und ein normales Leben zu führen. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sogar kleine Kämpfer mit einem Gewicht von 310 Gramm überleben können.  Dank moderner Medizin, aber auch weil ein so kleiner Mensch einen unglaublich starken Lebenswillen haben kann. 

8. Lebst Du heute wieder etwas unbelasteter nach den vielen Monaten voller Angst um das Leben Deines Kindes? 

Ja, das auf jeden Fall. Wobei ich schon sagen muss, dass unsere Gedanken sich in erster Linie um die Kleine drehen – aber ich glaube, dass hat nichts mit Frühchen zu tun, das ist einfach so, wenn man Eltern geworden ist. 

9. Wie lässt sich dieses Erlebnis mit dem Familienleben vereinbaren? Hat es Einflüsse auf die weitere Familienplanung?

Ja natürlich. Denn ein kleiner Mensch, der sich ins Leben kämpfen muss, braucht noch mehr Aufmerksamkeit, da käme ein zweites Baby in kurzem Zeitabstand einfach zu früh. Aber die Tatsache, dass Leonie und ich riesiges Glück hatten, noch am Leben zu sein, wird mich nicht davon abhalten noch mal schwanger zu werden. 

10. Was hast Du schon 100x gesagt und würdest es hier gern noch mal los werden?

"Ein Frühchen ist nichts für Weicheier"

 

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