Beiträge zum Thema: Wehen Trauer

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Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

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Glück und Angst waren meine ständigen Begleiter...

 

Eigentlich hatte ich die ganze Schwangerschaft Angst um dich, denn wir hatten so lange auf dich gewartet und eigentlich schon aufgegeben, nach deinem großen Bruder ein zweites Wunder erleben zu dürfen.

 

Als es nun am 1.2.2018 soweit war und wir zum geplanten Kaiserschnitt ins Krankenhaus kamen, ging alles drunter und drüber; die Hebamme wusste gar nicht, dass wir kommen und fragte, weshalb wir schon da wären. Bei unserem Anruf einen Tag zuvor wurde uns gesagt, deine Geburt wäre der erste Kaiserschnitt an diesem Tag. Wir wurden vertröstet und sollten uns im Café aufhalten...

 

Erfüllt von Angst entschied Papa, vor dem OP auf uns zu warten - meine Gefühle fuhren Achterbahn! Ich war so unbeschreiblich aufgeregt und da war sie dann auch wieder ... meine Angst!

Deine heutige Patentante kam herbeigeeilt und schaffte es gerade noch rechtzeitig, sodass sie mich ab der OP-Vorbereitung begleiten konnte.

 

Dann ging es los - auf zum OP. Unter Tränen öffnete sich die Tür und ich musste Papas Hand loslassen. Mein Herz raste! Nach der Einleitung der Rückenmarksbetäubung durfte dann deine Tante, die zuvor noch etwas in einem gesonderten Raum warten musste, wieder zu mir. Meine Hand ganz fest in ihrer fingen die Ärzte an ... hinter dem blauen OP-Tuch ruckelte es an mir - die ganzen Geräusche machten mir solche Angst! Dazu die Gefühle, die sowieso schon Achterbahn fuhren. Wird alles gut? Bist du gesund? Wir wirst du wohl aussehen?

 

Dann, um 10.35 Uhr erklang ein kurzer, schwacher Schrei - dein Schrei! Ich war so benebelt von einer ganzen Menge Medikamente, aber ich wusste sofort, dass etwas nicht stimmt! Ich war so glücklich auf der einen Seite - ENDLICH ! Mein Baby. Ich hab vor Glück geweint - so tut es denke ich jede Mutter - ein unbeschreibliches Gefühl.Die Tränen des Glücks wird schnell durch Tränen der Angst abgelöst! Die Hebamme zeigte dich kurz, dann nahm sie dich mit - eine Menge Ärzte kamen sofort angerannt, ebenso Schwestern und Hebammen. ICH bekam nur eine Karte mit einem Foto von dir!

 

Was war los? 

 

Die Ärztin sagte, du hast Probleme beim Atmen - sie müsste dich nun mitnehmen auf Station, dort wirst du beobachtet. Während ich noch auf dem OP-Tisch lag, wurdest du von mir in einem riesigen Wärmebett weggefahren. Papa, der ohne jegliche Ahnung, was zuvor geschah, erwartungsvoll vor der Tür wartete, wurde von dieser Situation überrascht - er lief dem Bettchen einfach nur hinterher und wollte bei dir sein. Als die OP beendet war, wurde ich wieder in den Kreißsaal gebracht - ohne mein Baby, nur mit einem Bild von dir! Keiner konnte mir sagen, was nun los ist. Siehe da... da war sie wieder, die Angst! Später dann durfte ich endlich zu dir und du durftest sogar zu mir. Du wurdest mir auf die Brust gelegt, fast nackig - diese kleinen Finger und Zehen, die kleine Nase, die weiche, schrumpelige Haut - so wunderschön!! 

 

Ich weinte und weinte und weinte... eine Mischung aus Glück und Angst.

 

Später zeigte sich, dass du starke Bauchschmerzen hast- eine Untersuchung durch eine Kinderärztin bestätigt ... dein Darm ist verschlossen! Einen Wimpernschlag später lagst du, angeschlossen an Monitoren, auf der Intensivstation! Die Ärzte müssen dich operieren - JETZT! WAS? Operieren? Mein Baby? Ich fragte mich immer wieder, warum ausgerechnet uns so was passieren musste-wieso musste ausgerechnet dein Start ins Leben so "bescheiden" verlaufen? Wir mussten dich den Ärzten überlassen, wir durften dich noch kurz knuddeln und dann, ca. 30 Minuten später, wurdest du, bereits künstlich beatmet, an uns vorbei zum OP gefahren. 

 

2 Stunden sollte alles dauern. 2 Stunden, die unerträglich werden würden. Das wusste ich! Aus 2 Stunden wurden 4. Hallo Angst, Schlaf ruhig noch heftiger zu... Zurück aus dem OP auf der Intensivstation... Da lagst du nun in deinem Intensiv-Bettchen. Immer noch künstlich beatmet; um dich herum piepte alles Mögliche, über einen Monitor wurdest du überwacht. Ich habe gezittert vor Angst! Aber ich wollte einfach nur bei dir sein! Die Schmerzen, die ich wegen des Kaiserschnittes hatte, waren absolut nebensächlich. Die Tränen liefen mir nur so aus den Augen - beruhigen konnte ich mich nicht! Mein Baby ... so hilflos und vollkommen ausgeliefert - mit einem künstlichen Darmausgang! Künstlicher Darmausgang? Wie bitte? Bleibt der nun für immer? Wie soll ich das schaffen? Normalerweise wechselt man einem Baby die Windel und nun war da dieser Beutel an deinem Bauch...Die Schwestern erklärten mir, dass sie mir in den nächsten Tagen die Pflege des Darmausgangs und den Wechsel der Beutel zeigen würden - ich solle keine Angst haben.

 

Keine Angst? Hallo! "Die haben leicht Reden" dachte ich. Mein Baby, gerade ein Paar Stunden alt, liegt im Tiefschlaf und künstlich beatmet mit einem künstlichen Darmausgang und einer Sonde in der Nase auf einer Intensivstation und nicht in einem Bettchen bei mir auf dem Zimmer - so wie es sein sollte. Ich konnte nicht kuscheln! Mein Baby wurde mir in einer unerklärlichen Art durch die ganzen Geräte und Zugänge in seinem Körper fremd! Ich hatte Angst, dich zu berühren, denn das alles machte dich so zerbrechlich für mich!

 

Der Tag deiner Geburt wird mir ein Leben lang in zweierlei Hinsicht in Erinnerung bleiben. Und auch, wenn mittlerweile der Darmausgang wieder weg ist... diese kleinen Narben an deinem süßen, dicken Bäuchlein werden mich immer wieder an all das erinnern, was ich sah!

 

Und auch, wenn Glück durch Angst abgelöst wurde... Deine Geburt war einer der schönsten Tage in meinem Leben !

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Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

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...es war ein kalter Herbsttag. Deine Oma fragte einige Tage vorher, ob ich Zeit und Lust hätte, mit ihr einen gemütlichen Frauenabend zu machen. 

Ich wählte einen Freitag, an dem dein Papa auf einer Weihnachtsfeier war. 

Ich bereitet ein tolles Essen vor und besorgte einen schönen Wein. 

Wir machten es uns gemütlich, aßen und tranken und lachten dabei. 

Nach einer Weile, sagte deine Oma zu mir, sie müsste mit mir sprechen. Ich war erschrocken, denn aus dem lachenden Gesicht wurde eine ernste Miene. Sie holte ein Foto aus ihrer Tasche. Dort war ein Mann zu sehen, der mich als Baby auf seinem Schoß hielt. Ich fragte sie, wer das sei. 

Sie musste schlucken und fing an zu weinen. Sie erzählte mir, dass dieses mein Erzeuger sei. Mehr konnte sie nicht sagen, sie war bitterlich am Weinen. Ich schaute sie mit großen Augen an und hielt das Bild in meiner Hand. Sie versuchte mir zu erklären, wie es so kam. Warum ich jetzt erst nach 27 Jahren davon erfahren würde. Zum Schluss sagte sie nur, dass es ihr unendlich Leid tut und sie verstehen könne, wenn ich nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte. Ich schaute sie weiterhin nur an, ohne groß etwas sagen zu können. Sie weinte weiter. Ich bat sie darum, nach Hause zu gehen. Weiterhin war ich Emotionslos. Sie nahm mich in den Arm und entschuldigte sich. Kurze Zeit später, rief dein Opa mich an. Er weinte ebenfalls. Es sagte mir, dass er mich unendlich lieben würde. Ich wäre seine Tochter, und da würde sich nie etwas dran ändern. Er weinte und weinte. Ich war weiterhin sprachlos und bat darum, mit Zeit zu geben. 

 

Ich habe mir zwei Tage Zeit gelassen- habe nachgedacht. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass mich diese Erkenntnis in keiner Art und Weise beeinflusst, deinen Opa, meinen Papa, weniger zu lieben, als vor dem Gespräch. Auch deiner Oma machte ich keinerlei Vorwürfe. Klar hätte man früher mit mir sprechen können, aber sowas bespricht man auch nicht eben mal beim Abendbrot. Ich liebe deine Oma und deinen Opa, meine Eltern. Und dein Opa ist mein Papa, kein anderer Mensch könnte dieses jemals sein. 

 

Damit möchte ich Dir sagen:

,,Hör immer auf dein Herz, das betrügt dich nicht. Liebe wen du lieben magst und lass dich bin keinem beirren“ 

Deine Mama, die Tochter deines Opas und deiner Oma

 

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Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

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...es war ein kalter Herbsttag. Deine Oma fragte einige Tage vorher, ob ich Zeit und Lust hätte, mit ihr einen gemütlichen Frauenabend zu machen. 

Ich wählte einen Freitag, an dem dein Papa auf einer Weihnachtsfeier war. 

Ich bereitet ein tolles Essen vor und besorgte einen schönen Wein. 

Wir machten es uns gemütlich, aßen und tranken und lachten dabei. 

Nach einer Weile, sagte deine Oma zu mir, sie müsste mit mir sprechen. Ich war erschrocken, denn aus dem lachenden Gesicht wurde eine ernste Miene. Sie holte ein Foto aus ihrer Tasche. Dort war ein Mann zu sehen, der mich als Baby auf seinem Schoß hielt. Ich fragte sie, wer das sei. 

Sie musste schlucken und fing an zu weinen. Sie erzählte mir, dass dieses mein Erzeuger sei. Mehr konnte sie nicht sagen, sie war bitterlich am Weinen. Ich schaute sie mit großen Augen an und hielt das Bild in meiner Hand. Sie versuchte mir zu erklären, wie es so kam. Warum ich jetzt erst nach 27 Jahren davon erfahren würde. Zum Schluss sagte sie nur, dass es ihr unendlich Leid tut und sie verstehen könne, wenn ich nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte. Ich schaute sie weiterhin nur an, ohne groß etwas sagen zu können. Sie weinte weiter. Ich bat sie darum, nach Hause zu gehen. Weiterhin war ich Emotionslos. Sie nahm mich in den Arm und entschuldigte sich. Kurze Zeit später, rief dein Opa mich an. Er weinte ebenfalls. Es sagte mir, dass er mich unendlich lieben würde. Ich wäre seine Tochter, und da würde sich nie etwas dran ändern. Er weinte und weinte. Ich war weiterhin sprachlos und bat darum, mit Zeit zu geben. 

 

Ich habe mir zwei Tage Zeit gelassen- habe nachgedacht. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass mich diese Erkenntnis in keiner Art und Weise beeinflusst, deinen Opa, meinen Papa, weniger zu lieben, als vor dem Gespräch. Auch deiner Oma machte ich keinerlei Vorwürfe. Klar hätte man früher mit mir sprechen können, aber sowas bespricht man auch nicht eben mal beim Abendbrot. Ich liebe deine Oma und deinen Opa, meine Eltern. Und dein Opa ist mein Papa, kein anderer Mensch könnte dieses jemals sein. 

 

Damit möchte ich Dir sagen:

,,Hör immer auf dein Herz, das betrügt dich nicht. Liebe wen du lieben magst und lass dich bin keinem beirren“ 

Deine Mama, die Tochter deines Opas und deiner Oma

 

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