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Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

Briefe_an_mein_Kind_Freitagsserie

 

Meine liebes Kind Leni Christin, 

 

Ein paar Zeilen an dich zu richten, ist eines der wenigen Dinge die ich noch tun kann. Ich hoffe es geht dir gut dort oben im Sternenkinderhimmel.  Dass du tanzt und spielst im Regenbogenland, voller Liebe und Lachen.  

 

Neulich hab ich ihn gesehen, euren Regenbogen. Und sofort fühlte ich mich dir so nah. 

 

Wenn ich an den Tag deiner Geburt denke, so bin ich sofort von Schmerz und Trauer erfüllt und zugleich von großem Stolz, deine Mama zu sein. Von diesem wunderschönen Mädchen. Niemals werde ich dich vergessen, immer bist du ein Teil von uns. Ich danke dir, dass du uns deinen Bruder Leonard geschickt hast. Aber ich will auch das du weißt, dass wir immer wieder an dich denken. Mal mit ein paar Tränen in den Augen, mal mit einem Lächeln im Gesicht. Deine große Schwester Elly hat dir ein Bild in den Himmel geschickt. Sie fragt so oft nach dir. Ich glaube ganz fest daran, dass wir uns wiedersehen. Diese Vorstellung gibt mir Hoffnung.

 

Ich möchte dir noch sagen, dass ich ich dich immer lieben werde und du fest in unseren Herzen bist.

 

Bis bald mein Kind, tausend Küsse in den Himmel!

Deine Mama Anja

 
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Geburtsbericht - Montagsblogserie

 

Geburtsberichte_Montagsblog

 

Henry sollte am 22.09.2017 das Licht der Welt erblicken, leider kam alles anders als geplant.

 

Am 18.07.2017 konnten die Ärzte nur noch den Tod unseres kleinen Babys feststellen. Somit ging es in die Geburtsphase. 

Mit diesem Gedanken, wie man uns sowas antun kann, dass tote Kind auf natürliche Weise auf die Welt zu bringen, konnten wir uns garnicht anfreunden, es war so absurd und schmerzhaft zugleich. Wie konnte man mir das antun? 

 

Da wir eigentlich noch acht Wochen Zeit gehabt hätten, wurde natürlich eingeleitet. Am 19. mit Gel und am 20. mit Tabletten. Die Tabletten waren auf vier Stück verteilt, die ich alle vier Stunden bekommen sollte. Die Erste um 10:00 Uhr morgens bewirkte noch nichts, die Zweite um 14:00 Uhr, lies mich dann gegen 16:00 Uhr den ersten Druck im Unterbauch verspüren. Das Merkwürdige an dieser ganzen Situation war, wir wussten, dass unser Sohn tot ist, dass wenn er da ist, wir nichts von ihm hören werden, ihn nicht beruhigen dürfen, ihn nicht füttern dürfen, dennoch war der funke Hoffnung, die Ärzte haben sich vertan, da. Wir wussten, er ist tot. Um 18:00 Uhr bekam ich die nächste Tablette und die bewirkte, dass die Wehen schmerzvoller wurden. Ich sagte der Krankenschwester Bescheid, die dann die Hebammen informierte, da ich auf einer ganz anderen Station lag, weit weg von den Neugeborenen, lebenden Kindern. 

 

Im Kreißsaal angekommen, bekam ich die ersten Medikamente die mir den Schmerz nehmen sollten, zumindest den körperlichen Schmerz. Unsere guten Freunde haben es nicht aushalten können und kamen uns im Kreißsaal besuchen und weinten unaufhörlich. Durch die Medikamente war ich wie in einem anderen Film, machte Späße und lachte. Sie konnten es kaum glauben, dass ich in dieser Situation lachen konnte, waren aber froh um jede Minute, die ich als Mutter nicht weinen musste. 

Als sie nach Hause gingen, war ich sehr müde. Mein Mann stets an meiner Seite. Um 22:00 Uhr bekam ich die letzte Tablette. Ich war bereits 16 Std. wach, denn in den Nächten davor war an Schlaf nicht zudenken. Die Hebamme half mir in mein Bett, damit ich etwas schlafen konnte. Als ich mich grade hingelegt habe, wurde mir schlagartig sehr übel und ich musste mich übergeben, somit war die letzte Tablette dahin und die Hebamme holte mir eine Neue, die ich dann nahm. Überwältigt von den Schmerzen rief die Hebamme die Anästhesistin die mir dann die PDA setzte. Alle Anwesenden zutiefst mitgenommen, was später passieren würde. Die Schmerzen ließen nach und ich konnte mich einen Moment ausruhen. Ich auf dem Kreißbett, mein Mann auf dem Sessel neben mir. Mein Mann schlief, wir hatten grade ungefähr 00:00 Uhr und auch ich konnte mich nicht mehr wach halten und schlief ein. Kurz darauf von den Wehen geweckt worden, bat ich erneut Medikamente nachzuspritzen. Der Muttermund war schon etwas geöffnet, aber nicht genug. Man ließ uns allein, bedacht uns es so angenehm wie möglich zu machen. Wie angenehm kann man Eltern eine Geburt machen, wissend, das Baby nicht behalten zu können? Wir schliefen wieder ein. 

Es muss 02:20 Uhr ungefähr gewesen sein. Ich klingelte, da ich wieder Druck verspürte. Die Hebamme wollte erst nachsehen, wie weit sich alles geöffnet hatte. Sie fragte mich direkt, ob ich irgendwas grade gespürt habe und ich fühlte mich ertappt und sagte "Naja es hat sich grade angefühlt, ob eine riesige Blase durch mein Bauch wandert und drückt jetzt nach unten", sie schaute mich an und sagte: "Ja die Fruchtblase schaut raus. Dann werden wir sie wohl jetzt mal öffnen.“ Mein Mann schaute und sagte, dass sie so groß wie eine Faust sei. Beim öffnen der Fruchtblase, schoss das Fruchtwasser nur so raus und in dem selben Augenblick sagte ich: “Er kommt!" 

 

Die Welt drehte sich in diesem Moment ein Stück langsamer. Ganz langsam und mit bedacht, dass wird jeden Moment genießen können, merkte ich wie mein kleiner Stern den Weg nach draußen antrat. Er drehte sich wohl noch einmal als er noch lebte, denn er kam mit den Füßen zuerst. Wie in Zeitlupe verlief es in diesem Augenblick. Ich merkte wie er aus mir raus kam, wie er da lag. Die zweite und letzte Wehe. Das letzte was meinem Körper bleibt von dir. Das letzte mal das du und ich eins sind. Und da war er nun. Nicht mehr in meinem Bauch. 

 

Und wir hörten nichts. Es war leise. Ganz leise. 

 

Mein Mann brachte es nicht übers Herz unseren geliebten Sohn von mir zu trennen und bat die Hebamme die Nabelschnur durchzuschneiden. Dann begriff auch ich, dass er nichts mehr sagen wird. Die Hebamme und Ärztin ließ uns mit unserem Sohn alleine und wir konnten weinen, was wir die Tage zuvor nicht geschafft hatten. Da war er nun, unser kleiner Sohn, unser so sehr gewollter und geliebter Sohn Henry, 02:42 Uhr mit 1450 g und 43 cm. 

 

An diesem Tag hörte nicht nur sein Herz auf zu schlagen, unser Herz auch.

 

Loraine

 

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