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Happy baby - no alcohol - Patenschaft

04_Donnerstag_Happy_Baby_19-09“Unsere Tochter Mimi* hat ein sehr sehr hohes Energielevel, welches uns sehr häufig an unsere Grenzen bringt”, erzählt Pflegemutter Sarah*. Der kleine, vier Jahre alte Unruhegeist hat im vergangenen Jahr das Fetale Alkoholsyndrom diagnosdiziert bekommen, fordert von seinen Eltern permanente Aufmerksamkeit. An manchen Tagen brennen denn auch schon eine Stunde nach dem Aufstehen alle Lichter im Kopf der gestressten Eltern. Der dringende Wunsch nach “Entlastung und Zeit für uns” führte Sarah zu “Patenkinder Berlin”, einem Angebot der in der Hauptstadt ansässigen Familien für Kinder gGmbH.

Das Projekt „Patenkinder Berlin“ richtet sich grundsätzlich an alle Kinder, die einen Pflegegrad haben. Ein Großteil sind jedoch Pflegekinder. “Die ursprüngliche Idee war der Wunsch Pflegeeltern zu entlasten, die oft von der anstrengenden Erziehungsarbeit mit den Pflegekindern berichteten und darüber, dass unvorbereitete Betreuungspersonen völlig überfordert sind und oft nicht wiederkommen”, weiß Jutta Ringel, Sozialpädagogin und zuständig für die Projektkoordination bei “Patenkinder Berlin”. Außerdem tun sich Pflegekinder erfahrungsgemäß schwerer Freundschaften zu schließen. “Pat*innen sollen konstante Bezugspersonen sein, mit denen die Kinder verschiedene Freizeitaktivitäten machen können und die sich ihnen einmal in der Woche Eins-zu-eins widmen, was Eltern ja aufgrund ihrer zahlreichen anderen Aufgaben nicht permanent leisten können”, erläutert die Fachfrau.

Kontinuität ist auch für Sarah ein wichtiger Aspekt, sowie vollständiges Vertrauen. Sarah ist es wichtig, dass die Bezugsperson Lust hat sich auf ihre Tochter einzustellen, sich mit ihren besonderen Eigenschaften auseinandersetzt, Mimi’s Stärken erkennt und nutzt und ihr die Welt zeigt. Die Wahl fiel hier auf eine junge Medizinstudentin, die, so Sarah’s Beschreibung, sehr sportlich, vielseitig interessiert und so lebensfroh ist, dass sie alle damit ansteckt. “Mimi ist zwar noch zu jung, um der Patenschaft eine Bedeutung beizumessen”, sagt Sarah. Wichtig sei aber letztlich, dass Mimi eine Spielkameradin habe, die ihr die heiß geliebte Eins-zu-eins-Betreuung schenke.

Von freudigen Kindern, die kaum erwarten können, dass es endlich losgeht, weiß auch Jutta Ringel zu berichten. Die Tatsache, dass jemand regelmäßig zu ihnen komme und sich ausschließlich nur ihnen widme – ohne nebenbei noch schnell die Spülmaschine auszuräumen – erlebten die Kinder als etwas Besonderes. Die Sozialpädagogin: “Für Pflegekinder sind Patenschaften auch oft eine Möglichkeit zu üben, wie man positive Beziehungen eingeht bzw. wie man Freundschaften knüpft. Dass man sich streiten und sich beim nächsten Treffen aussprechen kann und dass eine Freundschaft nicht zu Ende ist, nur weil man sich nicht einig oder wütend auf den anderen ist.”

Das Fetale Alkoholsyndrom ist ein Thema, das allein durch sein hohes Aufkommen zunehmend an Bedeutung gewinnt. 10.000 Babys jährlich kommen mit Alkoholschäden auf die Welt. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen geht von einer Dunkelziffer von 1,5 Millionen Betroffenen aus, da oft genug unerkannt oder falsch oder nur teilsymptomatisch diagnostiziert (sprich Autismus, ADHS). Wie sind hier die Erfahrungen bei Patenkinder Berlin?

Jutta Ringel: Fast die Hälfte der Patenkinder im Projekt hat die Diagnose FAS. Einige Pflegeeltern berichten, dass es ein sehr langer Weg war, bis die Diagnose tatsächlich bestätigt wurde. Ich weiß von einem Mädchen, die schon 11 Jahre war, als sie die Diagnose FAS bekam.

Für Pflegeeltern ist es, glaube ich, meistens erstmal ein Schock zu erfahren: mein Pflegekind hat FAS. Später dann im Alltag ist das Wissen um FAS eine Erleichterung, weil das mitunter auffällige Verhalten der Kinder und auch die Entwicklungsverzögerungen dann eine schlüssige Erklärung haben. Die Menschen in der Umgebung der Familie reagieren auch verständnisvoller, wenn es eine diagnostizierte Krankheit oder Behinderung gibt.

Für die Patenschaften ist es meiner Meinung nach nicht so relevant, dass die Kinder diagnostiziert sind. Hier geht es ausschließlich um Freizeitgestaltung. Die Kinder müssen weder etwas leisten noch funktionieren. Sie können in ihrem Tempo die Sachen machen, an denen sie Spaß haben, egal ob mit oder ohne Diagnose.

Werden die Pat*innen auf Kinder mit Handicaps, im speziellen auch auf das Fetale Alkoholsyndrom, vorbereitet?

Jutta Ringel: Wir haben verschiedene Seminare, mit denen wir die Ehrenamtlichen auf die Patenschaften vorbereiten bzw. die begleitend stattfinden. Dort geht es immer wieder um die Vorgeschichte der Kinder, verschiedene Krankheitsbilder und welches Verhalten daraus resultieren kann. Dazu haben wir eine regelmäßig stattfindende Intervisionsgruppe, wo wir immer wieder aktuelle Themen aufgreifen und gemeinsam bearbeiten. In diesem Kontext war auch das Thema FAS schon mehrfach aktuell. Wir arbeiten mit dem FAS-Methodenkoffer in der Gruppe und in Einzelgesprächen mit den Ehrenamtlichen. Der Koffer ist zwar eher für Betroffene und ihre Eltern konzipiert, aber auch in der Rolle als Ehrenamtliche kann man viele nützliche Ideen für Lösungen bekommen.

Kinder mit dem Fetalen Alkoholsyndrom sagen von sich selbst: Wir sind nochmal anders als anders – Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Jutta Ringel: In den Vorgesprächen erlebe ich diese Kinder meist als sehr lebendig und auch chaotisch. Sie spielen sich in einer Stunde durch 20 verschiedene Spielmöglichkeiten und sind ständig in Bewegung. Da bekomme ich eine Idee davon, wie anstrengend der Alltag mit einem Kind sein kann, dass ein Fetales Alkoholsyndrom hat. Die Geschichten der Pflegeeltern bestätigen das auch. Die Kontakte mit den Pat*innen laufen in der Regel aber gut. Ich denke das liegt daran, dass sie sich für die Stunden, die sie mit dem Kind verbringen, voll auf das Kind fokussieren. Die emotionalen Beziehungen zwischen den Ehrenamtlichen und den Kindern sind meist stabil und die Rückmeldungen der Ehrenamtlichen positiv.

Es gibt natürlich auch schwierige Situationen, wenn Kinder aggressive Ausfälle haben und bei Ausflügen das Kind z. B. mit Stöcken oder Steinen wirft. Dann versuchen wir im Einzelgespräch zu klären, welche Handlungsmöglichkeiten die Ehrenamtlichen haben, um mit der Situation gut umzugehen.

Wenn man eine Patenschaft übernehmen möchte …..

Jutta Ringel: Wir führen mit allen Ehrenamtlichen ein Einzelgespräch, um ihre Eignung zu überprüfen und ihr Profil herauszuarbeiten. Dafür füllen die Ehrenamtlichen auch Fragebögen aus. Für uns ist beispielsweise wichtig, dass die Pat*innen verlässlich sind, dass sie sich auf die Bedürfnisse der Kinder einstellen können und dass sie in der Lage sind eine positive Beziehung zu knüpfen, denn Patenschaften sind besonders am Anfang anstrengende Beziehungsarbeit. Wir finden es wichtig, dass die Ehrenamtlichen selbst gut vernetzt sind, das sie ihre Freizeit aktiv verbringen und eigene Hobbys haben.

Die Motivationen der Ehrenamtlichen sind sehr unterschiedlich. Oft steht der Wunsch, ein Kind ins Leben zu begleiten und als Bezugsperson für das Kind ansprechbar zu sein im Vordergrund. Manche Ehrenamtliche freuen sich darauf, Ausflüge zu unternehmen oder Dinge zu erleben, die man als erwachsener Mensch ohne Kinder nicht erlebt. Weil es sowieso immer ganze Motivationsbündel gibt, die die Ehrenamtlichen antreiben, haben wir da keine Vorgaben. Gut ist es, wenn die Vorstellungen von der Patenschaft möglichst offen sind. Dann kann sich die Patenschaft kreativer entwickeln und es bleibt mehr Raum für die Ideen und Wünsche der Kinder.

https://www.patenkinder-berlin.de

Infoline: 030/ 21 00 21 28

*Namen geändert

Autorin: Dagmar Elsen

 

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10 Tipps - zur Taufe

10_Tipps_Dienstag_VorlageEine Taufe ist ein sehr wichtiger Zeitpunkt im noch kurzen Leben eines Babys. Die Entscheidung das Kind taufen zu lassen ist eine weittragende, denn zumindest die ersten 18 Jahre im Leben eines Kindes ist die religiöse Ausrichtung festgelegt. Diese Entscheidung, ob oder ob nicht und gar in welchem Glauben das Kind getauft werden soll, kann euch niemand abnehmen. Weder muss man selbst gläubig sein, noch verheiratet oder gemeinsam erziehend sein. Ein paar Regeln gibt es jedoch, wobei wir schon beim ersten Tipp wären:

1. Kleine Tücken zu Beginn 


Soll das Kind evangelischen Glauben annehmen, sollte zumindest einer der Elternteile auch Mitglied in der evangelischen Kirche sein. Wird jedoch der katholische Glauben bevorzugt, muss mindestens einer der Paten auch der katholischen Kirche zugehörig sein.

2. Das perfekte Alter


Gleich zu Anfang: Das gibt es nicht. Die meisten Eltern lassen ihr Kind zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat taufen. Aber auch später noch ist eine Taufe möglich. Je älter das Baby, desto schwieriger kann sich dies jedoch gestalten. Kleinkinder verstehen oft nicht was mit ihnen dort passiert, warum sie still sein müssen und warum am besten alles perfekt sein muss. Es ist auch für euch vermutlich keine Freude wenn ihr das Kind "einfangen" müsst. Hier bietet es sich an zu warten bis das Kind in einem Alter ist, in dem es das auch selbst möchte und schon ein wenig versteht was dort mit ihm geschieht. 
Auch zu früh ist vielleicht nicht ganz optimal, denn nach der Geburt stehen schon genug Veränderungen an, dann noch eine Taufe zu planen ist kein Kinderspiel.
Jedoch gilt, nur ihr selbst könnt den richtigen Zeitpunkt für euer Kind finden.

3. Die Paten


Bis zu zwei Paten können gewählt werden, ob hier aus der Familie oder aus dem Bakanntenkreis gewählt wird, steht euch frei, auch das Geschlecht spielt hier keine Rolle. Hier ist, wie bei Tipp 1 schon beschrieben nur wichtig, dass bei einer katholischen Taufe mindestens einer der Paten katholisch sind. Die Paten eurer Kinder sollten jedoch mit Bedacht gewählt werden. Ein Pate sollte eine gute Bindung zu eurem Kind haben, auch sollten ihn die Kinder kennen und nicht all zu selten sehen. Ein Pate übernimmt im Falle das euch Eltern etwas passiert eine tragende Rolle. Diesen zu wählen, nur um einen Gefallen zu tun oder weil man das halt so macht ist nicht der richtige Weg. 
Fragt eure potentiellen Paten auf jeden Fall vorher, ob Sie dieses Amt auch wirklich übernehmen wollen, denn nicht jeder fühlt sich dieser Aufgabe gewachsen. Eine nette Idee dafür sind z.B. sogenannte Patenbriefe, googelt einfach mal. ;-)

4. Bürokratie... Die Unterlagen


Folgende Dokumente sind unabkömmlich:
- Geburtsbescheinigung des Kindes
- Personalausweis eines Elternteils

- Kirche bzw. Taufwunschort aussuchen, diese muss nicht im eigenen Wohnort sein

- Je nach Glaubensrichtung wird noch folgendes benötigt:
- eure Taufscheine
- eure Heiratsurkunde
- Bescheinigung der Kirchenzugehörigkeit der Paten

5. Vorgespräch mit der Kirche


Macht einen Termin zur Besprechung aller aufkommenden Fragen mit der Kirche aus. Wann soll die Taufe stattfinden? In welcher Art Gottesdienst soll getauft werden? Welche Lieder passen? Wie können Taufpaten, Familie und Freunde eingebunden werden? Wer kümmert sich um die Dekoration? Dürfen Fotos gemacht werden? Was ist mit einer Taufkerze und den Taufsprüchen? Wie läuft die Salbung ab? Wohin geht die Kollekte? Wird während des Sonntagsgottesdienst getauft, oder bei einer Sammeltaufe oder gar in einem Sondergottesdienst?
Alles worin ihr euch unsicher seid, ihr zu wenig Informationen vorliegen habt oder auch die Wünsche die euch auf dem Herzen liegen können hier angesprochen werden. 

6. Taufkleid oder nicht 


Ein Taufkleid ist nicht zwingend notwendig, dennoch ist es eine schöne Tradition, vor allem wenn das Taufkleid über Generationen weiter vererbt wird. 
Sollte dies noch nicht vorhanden sein, ist das auch ein Anlass dafür die Tradition zu beginnen. Der Vorteil liegt hier klar darin, dass nach eigenem Geschmack entschieden werden kann. Wem ein neues Taufkleid zu teuer ist, er aber nicht auf dieses traditionelle Gewand verzichten möchte, kann auch auf dem Gebrauchtmarkt richtige schöne Kleider finden. 
Es geht allerdings auch ohne. Festliche, elegante, aber auch keine unbequeme Kleidung für das Kind ist hier angesagt. Achtet einfach darauf, dass euer Baby die Kleidung über Stunden gut tragen kann. Ein klarer Vorteil ist hier: Die alternative Kleidung kann doppelt besorgt werden, somit ist auch ein Unglück beim Essen kein Problem.

7. To-Do Liste


- Termin planen
- Taufpaten aussuchen
- Taufe bei der Gemeinde anmelden
- Taufeinladungen gestalten und verteilen
- Räumlichkeiten für die Feier aussuchen und reservieren
- Fotograf engagieren (dies kann auch ein zuverlässiges, kreatives Familienmitglied sein)

8. der Ablauf


Plane für die Taufe in einem Sonntagsgottesdienst circa 60 Minuten ein. Auch anschließend solltest du weitere 15-20 Minuten für Glückwünsche und Fotoaufnahmen noch mit in die Planung aufnehmen. 
Grundsätzlich ist der Ablauf von Religion zu Religion, von Gemeinde zu Gemeinde und von Pfarrer zu Pfarrer jedoch unterschiedlich. Fragt hier am Besten direkt denjenigen der die Taufe auch ausführt. Gebt den Ablauf dann auch an eure Paten weiter und schreibt diesen grob in ein Programmheft, damit auch alle Beteiligten wissen wann was von statten geht.

9. Geschenke zur Taufe


Ihr fragt euch jetzt sicher warum euch das betrifft, das ist doch eigentlich eher Sache der Familienmitglieder und Freunde. Eigentlich schon, ja, aber macht es nicht mehr Sinn die Geschenke grob vorzugeben als unnötige oder doppelte Dinge zu erhalten? Einige eurer Gäste sind vermutlich sogar froh über eine Vorgabe, denn auch für das Umfeld fällt die Wahl nicht immer leicht.
Am besten ihr teilt jedem auf der Einladung direkt mit in welche Richtung euer Wunsch geht oder sprecht eure Gedanken konkret bei Nachfrage an. Fühlt euch jedoch dann nicht auf den Schlips getreten, wenn der ein oder andere doch eine eigene Geschenkidee umsetzt, ab und an ist diese vielleicht auch gar nicht so schlecht.

10. Alternativen zur Taufe


Wenn man auf eine Feier zur Geburt des Kindes nicht verzichten möchte, gibt es alternative Namensfeiern. Im Rahmen dessen kann das Baby in der Familie und bei den Freunden willkommen geheißen werden. Auch hier können Paten gewählt werden, die das Kind auf seinem weiteren Lebensweg begleiten und unterstützen sollen. 

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