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Briefe an mein Kind - Freitagsblogserie

05_Freitag_Briefe_amK_13-09Der Tag an dem Ihr geboren wurdet, war ein ziemlich angsteinflößender Tag für mich und euren Papa. Ich war gerade erst in der 28. Schwangerschaftswoche und hätte nicht im Traum daran gedacht, dass eure Geburt kurz bevor stand. Die Schwangerschaft war sehr turbulent, und ich lag mehrere Wochen im Krankenhaus wegen starker Blutungen und vorzeitiger Wehen. Am Tag eurer Geburt machte ich noch Witze als die Visite kam und saß schon mit gepackten Koffern, um endlich wieder nach Hause zu gehen. Doch dann kam alles anders. Gegen elf Uhr bekam ich in regelmäßigen Abständen Wehen und musste in den Kreissaal. Dort wurde mir das CTG angelegt und ich konnte euren Herzen lauschen. Komischerweise sah man keine einzige Wehe auf dem Gerät. Die Wehen wurden stärker und die Oberärztin wurde hinzugezogen, diese untersuchte mich und sah mir schnell an, dass es sich um echte Wehen handelte. Mir wurde eine Spritze verabreicht, die eurer Lungenreife dienen sollte und hochdosiertes Magnesium um mögliche Hirnblutungen zu verhindern, da eure Venen und Gefäße noch ganz dünnwandig waren. Sämtliche Versuche die Wehen zu stoppen waren vergebens und so wurde ich gegen vier Uhr nochmal untersucht, zu diesem Zeitpunkt war der Muttermund schon 3 cm geöffnet und eure Geburt unausweichlich. Es ging alles Ratz Fatz und so war ich im Nullkommanix im Op, mir wurde eine Spinalanästhesie verpasst und ein paar Minuten später um genau 17.05 Uhr war er da, der erste kleine Schrei von der kleinen Leni- er war so leise aber er war da und ich war dermaßen erleichtert, dass ich mir die Tränen nicht mehr verdrücken konnte. Viel Zeit blieb mir nicht zum Durchschnaufen und da hörte ich schon den nächsten leisen Schrei von der kleinen Nele. Ich durfte euch nicht sehen, denn die Ärzte mussten euch sofort erstversorgen und euch ein Mittel namens Surfactant in die Lunge spritzen, damit ihr selbst atmen konntet. Nachdem ich genäht war, wurde ich kurz zu euch geschoben und mir wurde mitgeteilt, dass ihr selbstständig atmet, aber eine Atemhilfe benötigt um Atemaussetzer vorzubeugen. Geboren wurdet ihr mit 915 und 870 Gramm und jeweils 35 cm. Eine Handvoll Leben. Eine lange Zeit auf der Neo Intensiv stand uns bevor, aber wir haben jeden Tag gemeistert und ihr habt euch ins Leben gekämpft. Ich bin unsagbar stolz auf euch und liebe euch bis zum Mond und zurück. Der Tag an dem ihr geboren wurdet, hat mich zur Mama gemacht. Ein Tag voller Angst, aber noch mehr Liebe und Hoffnung. 

In ewiger Liebe eure Mama 

Melanie G.

 
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10 Fragen im Interview: extreme Frühchenmama mit HELLP-Syndrom

COLOURBOX77796121. Was war der Grund für die frühe Geburt Deines Kindes?

Bei mir wurde ein schweres HELLP-Syndrom diagnostiziert und zusätzlich eine Präeklampsie. Beim HELLP-Syndrom fällt der Wert der für die Blutgerinnung verantwortlichen Thrombozyten gefährlich niedrig, es kommt zu erhöhten Leberwerten und eine nachlassende Blutgerinnung. Das HELLP-Syndrom ist eine der schwersten schwangerschafts-bedingten Erkrankungen und für Mutter und Kind lebensbedrohlich. 

2. Wann realisiert man diese schreckliche Nachricht?

Realisieren kann man eine solche Nachricht gar nicht, da wird man einfach "rein geworfen". Es gibt überhaupt keine Zeit, sich damit auseinander zu setzen. 

3. Kannst Du deine Gefühle in dieser Zeit beschreiben?

Es fühlt sich schrecklich an, nichts tun zu können, dem Schicksal völlig ausgeliefert zu sein. Die Angst um sein Kind ist einfach unglaublich groß, das eigene Kind wird einem ja regelrecht „entrissen“, denn ein Kaiserschnitt muss bei dieser Diagnose ganz schnell erfolgen. Und auch für meinen Mann war das wohl die schrecklichste Erfahrung seines Lebens, er musst ja nicht nur um das Leben unseres Kindes bangen, sondern auch um meines.   

4. Was würdest Du Dir wünschen, dass Mitmenschen im Umgang mit „Frühchen-Eltern“ besser oder anders machen? 

Ich würde mir wünschen, dass wir als Eltern wahr genommen werden. Nur weil man ein Frühchen hat, das nicht kurz nach der Geburt mit nach Hause darf und um dessen Leben man noch lange bangen muss, hat man trotz allem ein Kind bekommen. Man darf auch Frühchen-Eltern gratulieren! Denn die Geburt quasi „tot zu schweigen oder zu ignorieren“ ist doch schrecklich. 
Aber auch Aussagen wie "ich weiß nicht ob ich das könnte..."  sind völlig fehl am Platz! Was sollen wir Eltern denn machen? Sollen wir gehen? Nein – wir sind in dieses Leben hineingeworfen worden und müssen damit zurecht kommen. Ob wir das können – danach werden wir vom Schicksal nicht gefragt. 
Und bitte, erspart Eltern, die zusammen mit ihrem Frühgeborenen um dessen Leben kämpfen Sätze wie: „Sonst ist aber alles gut oder?" Wir haben Sorgen, Ängste und Nöte, ist das nicht genug? 

5. Hast Du Tipps zur Bewältigung dieser enormen psychischen Belastung für andere Eltern? Was hat Dir geholfen?

Reden, reden und nochmal reden! Versteckt eure Angst und eure Sorgen nicht in euch. Lasst es raus, auch die Verzweiflung oder auch die Wut, die manchmal in euch kocht. Denn die Frage nach dem Warum oder dem Sinn dahinter, dass Euer Kind einen so schweren Start ins Leben hat, frisst Euch auf, wenn Ihr sie nicht heraus lasst. Psychologische Hilfe ist ebenfalls ratsam. Die Bereitschaft, diese Hilfe anzunehmen kommt aber oft erst dann, wenn Ihr als Familie endlich zusammen Zuhause sein dürft. 

6. Wie geht es Euch heute?

Leonie ist mittlerweile 2,5 Jahre alt und es geht uns allen gut. Sie macht Fortschritte und wir freuen uns natürlich über jeden kleinen Erfolg. Mittlerweile sind wir eine ganz normale kleine Familie.  

7. Was sollte sich in der Gesellschaft im Bezug auf den Umgang mit Eltern frühgeborener Kinder ändern?

Ich wünsche mir viel mehr Offenheit! Dieses Thema wird so oft herunter gespielt oder gar nicht angesprochen. Aber auch wir sind Eltern, die ein Kind bekommen haben, die stolz auf dieses kleine Wunder sind, auch wenn die Angst um das Leben dieses kleinen Menschen das Glück einer Geburt überlagern kann. 
Ich wünsche mir auch eine bessere Vorbereitung der Hebammen. Manche sind völlig überfordert und als Eltern steht man dann ziemlich alleine da. 
Auch wünsche ich mir, dass in der Öffentlichkeit viel mehr gezeigt wird, dass nicht nur „große“ Frühchen eine Chance haben zu überleben und ein normales Leben zu führen. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sogar kleine Kämpfer mit einem Gewicht von 310 Gramm überleben können.  Dank moderner Medizin, aber auch weil ein so kleiner Mensch einen unglaublich starken Lebenswillen haben kann. 

8. Lebst Du heute wieder etwas unbelasteter nach den vielen Monaten voller Angst um das Leben Deines Kindes? 

Ja, das auf jeden Fall. Wobei ich schon sagen muss, dass unsere Gedanken sich in erster Linie um die Kleine drehen – aber ich glaube, dass hat nichts mit Frühchen zu tun, das ist einfach so, wenn man Eltern geworden ist. 

9. Wie lässt sich dieses Erlebnis mit dem Familienleben vereinbaren? Hat es Einflüsse auf die weitere Familienplanung?

Ja natürlich. Denn ein kleiner Mensch, der sich ins Leben kämpfen muss, braucht noch mehr Aufmerksamkeit, da käme ein zweites Baby in kurzem Zeitabstand einfach zu früh. Aber die Tatsache, dass Leonie und ich riesiges Glück hatten, noch am Leben zu sein, wird mich nicht davon abhalten noch mal schwanger zu werden. 

10. Was hast Du schon 100x gesagt und würdest es hier gern noch mal los werden?

"Ein Frühchen ist nichts für Weicheier"

 

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