Geburtsbericht - Montagsblogserie

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01_Montag_Geburtsbericht_25-11Es war früh am Morgen, ich wartete auf meinen Termin im Kreissaal, ich war aufgeregt und konnte kaum was essen. Dann machten wir uns endlich auf den Weg ins Krankenhaus, 30 Minuten Fahrt zogen sich plötzlich wie Kaugummi, doch das war inzwischen nichts neues, schließlich wartete ich bereits 9 Tage darauf, dass sich der Kleine auf den Weg macht. In der Klinik angekommen wurde zunächst ein CTG gemacht und ich wurde untersucht. Die Ärztin entschied sich dafür ein Gel zur Einleitung vor den Muttermund zu legen, danach musste ich 2 Stunden im Kreissaal liegen und mal wieder warten. Da wartet man 9 Monate, da sollten ein paar Stunden mehr doch eine Kleinigkeit sein? Weit gefehlt. Es dauerte und dauerte. Mein Freund kam dann auch in die Klinik und um 11 Uhr durfte ich dann wieder aufstehen. Die Hebamme schickte uns los, wir sollten noch etwas essen, es würde ja noch dauern. Die Wehen waren allerdings schon kaum zu verachten und dann was essen? Naja, sie wird schon wissen was sie sagt. Wir machten uns also auf den Weg zum nächstgelegenen Bäcker und holten uns belegte Brötchen, die Verkäuferin war sichtlich perplex, dass ich vor der Theke stand und atmete als hätte ich einen Marathon hinter mir, aber 500 Meter mit Wehen sind eben keine Kleinigkeit. Wir aßen in Ruhe und machten uns auf den Weg zurück in die Klinik. Wir gingen auf mein Zimmer und warteten auf die Hebamme. Inzwischen war es ca. 12.30 Uhr und die Wehen waren ordentlich zu spüren. Gegen 13 Uhr kamen wir wieder in den Kreissaal, die Hebamme untersuchte mich, 3 cm Muttermund, wir sollten noch etwas laufen gehen und abwarten (natürlich, was auch sonst). Also sind wir losmarschiert, die Gänge auf und ab. Die Wehen waren zwischenzeitlich sehr stark geworden und ich musste oft stehen bleiben und veratmen. Die Abstände waren schon sehr kurz und plötzlich verging die halbe Stunde schneller als erwartet. Zurück im Kreissaal die erneute Untersuchung. 4 cm geöffnet, wir sollten weiter laufen, dagegen habe ich mich vehement gewehrt. Ich hatte nur sehr kurze Abstände und dachte die Schmerzen könnten nicht schlimmer werden. Da die Fruchtblase noch nicht geplatzt war, öffnete die Hebamme sie, aber es kam kaum Fruchtwasser. Nach ca. 30 Minuten liegen, schickte die Hebamme meinen Freund los, er solle einen Kaffee trinken, wir hätten ja noch Zeit und ich durfte in die Wanne. Die Hebamme half mir mich auszuziehen und brachte mich in die Wanne. Ich habe so viel gelesen, wie entspannend und schmerzhemmend das warme Wasser wäre. Ich habe bei jeder Wehe das gesamte Stockwerk lautstark über meine Wehe informiert. Ich lag in der Wanne und die Wehen wurden stärker und stärker. Die Hebamme fragte, ob ich Druck verspüren würde, meine Schreie klängen nach Presswehen. Wie soll das gehen? Ich lag gerade mal 5 Minuten in der Wanne - Muttermund war bei 4 cm - das geht doch nicht? Die Wanne half mir ja leider sowieso nicht, also wieder raus, die Hebamme trocknete mich ab, zog mir mein T-Shirt wieder an und brachte mich zurück in den Kreissaal. Während sie mich erneut untersuchte, flehte ich nach einer PDA (die ich vorher mehrfach ausgeschlagen hatte), diese Worte werde ich nie vergessen „Entschuldigung, aber dafür ist es mehr als zu spät, 10 cm geöffnet. Leg dich hin du kannst versuchen zu pressen!“ ähm, nein? Mein Freund ist noch Kaffee trinken! Also begann das Warten wieder, nicht auf das Baby, die Wehen oder schöneres Wetter. Warten auf den Vater meines Sohnes der Kaffee trinken war! Auf wen war ich sauer? Die Hebamme die ihn überhaupt erst los geschickt hat oder er, der 15 Minuten für einen Kaffee braucht? Warten. Flehen. Schreien. Atmen. Dann, die erlösenden Worte „Schatz ich bin da, wir können los legen!“ Wir? Alles klar. Die erste Wehe in der ich endlich pressen durfte, war eine solche Erleichterung. Endlich konnte ich etwas gegen dieses Gefühl tun. Mir wurde schwindelig, ich hatte kaum noch Kraft. Die Ärztin wies meinen Freund darauf hin, mir nach jeder Wehe die Sauerstoffmaske aufzusetzen. Das machte er fleißig, auch wenn ich mehrfach versuchte sie in die nächste Ecke zu schmeißen. Die Hebamme hielt ein Bein, die Ärztin eins. Dann kamen 2 Schwesternschülerinnen rein und stellten sich in die Ecke (habe es kaum realisiert, ich wurde aber vorher gefragt ob es für mich ok wäre, da sie gerne mal eine Geburt sehen würden). Wehen waren genug da, gepresst habe ich wie verrückt, doch er ist immer wieder zurück gerutscht. Die Hebamme versuchte ihn zu greifen, doch wieder war er weg, als würde er nicht raus wollen. Warum auch? In Mamas Bauch ist es warm, ruhig und man wird den halben Tag hin und her geschaukelt. Aber keine Chance, er muss da raus, ich will nicht mehr länger warten. Wehe für Wehe gab ich mein Bestes und endlich bekam sie ihn zugreifen und er rutschte nicht zurück, nächste Wehe, wieder pressen und endlich war er da. 15.26 Uhr, nach 30 Minuten pressen und unzähligen Presswehen. Die Hebamme konnte ihn mir nur auf den Bauch legen, denn die Nabelschnur war zu kurz, deshalb rutschte er auch jedes Mal wieder zurück. Mein Freund durchtrennte sie und dann wurde mir dieses kleine zerbrechliche Wesen auf die Brust gelegt. Ich hattee ihn zu diesem Zeitpunkt noch kein einziges Mal angesehen, ich war am Ende meiner Kräfte. Als ich merkte, wie er mich zur Begrüßung erstmal vollgepullert hat, sah ich ihn an, schockverliebt. Die Ärztin begann sofort meine Wunden zu nähen, ich streichelte meinen Sohn und meine ersten Worte waren „Du bleibst Einzelkind“. Ich gab ihm einen Kuss, sah zu meinem Freund der weinte, als wäre er am Zwiebeln schneiden. Wir waren überglücklich. Einzelkind, ja so war es geplant. Was soll ich sagen? Heute ist mein Sohn 13 Monate alt und wir erwarten Wunder Nummer Zwei.

 

Lara


 
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